Vive la Normandie: Mit der MS Excellence Royal von Paris aus zu Felsen, Meer und Klippen

Eine Kreuzfahrt entlang der Seine

Die Reiseplanung, die Anreise und Paris

Zwischen meinen vorherigen gebuchten Urlauben in 2016 blieb noch eine Woche im Oktober, die zu verplanen war. Keine Langstrecke und nichts Hektisches mit viel Aufwand. Ich werde so langsam ein alter Mann und wollte was Entspannendes tun ohne den Zwang jeden Tag ein Abenteuer zu bestehen.

Ich entdeckte eine Kreuzfahrt entlang der Seine ab und bis Paris mit dem Kreuzfahrtschiff ‘MS Excellence Royal’ des Schweizer Reisebüros Mittelthurgau. Die Normandie hörte sich nach einer schönen Landschaft, interessanten Orten und Calvados an. Schweiz steht für mich für gutes Essen und gemütlicher Stimmung. Klang nach einer angenehmen Mischung und wurde gebucht. Das war vor dem fürchterlichen Attentat von Nizza. Danach war ich nahe dran die Reise wieder zu stornieren. Ich hatte keine Angst das mir was passiert, das Risiko hat man überall. Ich fürchtete eine angespannte Atmosphäre im Land anstatt der typischen Lockerheit. Da meine Absage das Ziel der terroristischen Gruppen ist, zog ich es dann doch durch, die Idioten sollen keine Erfolge haben mit ihren Aktionen.

Von meinem Wohnort nahe Mainz nach Paris bin ich außer einer ätzenden Busfahrt vor gefühlten hundert Jahren immer geflogen. Ich schaute nach einer Bahn-Alternative die mir sofort gefallen hatte. Für einhundertzwanzig Euro hin und zurück in der ersten Klasse und knapp vier Stunden Fahrt schlug ich zu. War mal was Neues, hinzu mit der Deutschen Bahn und zurück mit dem TGV. Das angebotene Ausflugspaket vom Veranstalter der Kreuzfahrt schlug ich aus und wollte lieber was auf eigene Faust machen. Obwohl ich ein Jahr zuvor wegen Servicemängel der Air France einen Freiflug nach Paris hatte und die Stadt besichtigte, buchte ich eine wieder Übernachtung vor der Kreuzfahrt dort, die Stadt ist riesengroß und nie langweilig.

Der Tag der Anreise begann schlecht. Ich hatte eine Mail bekommen ‘Ihre gebuchte Fahrt konnte auf Grund von Fahrplanänderungen im aktuellen Fahrplan nicht gefunden werden’, ein super Start für einen Urlaub. Das Taxi stand vor der Tür, ich bin natürlich trotzdem zum Bahnhof Mainz gefahren. Vor Ort stellte sich heraus dass der Zug vier! Minuten Verspätung hatte. Ich würde den Text der Mail so gut es gemeint war ändern …

Der Intercity von Mainz nach Mannheim war fast leer, nur auf meinem reservierten Platz saß jemand. Das erwies sich als Glücksgriff, ich setze mich daneben weil ich nicht wusste wie viele Passagiere noch einsteigen werden. Ich hatte mit meinen Mitpassagier interessante Gespräche und ruckzuck waren wir in Mannheim. Bei der Weiterfahrt nach Paris hatte ich einen Einzelsitz und musste schweigen, trotzdem vergingen die drei Stunden wie im Zug. Die Fahrt war sehr angenehm, auch durch das kalte Weizenbier aus dem Bistro.

Zinni im ICE nach Paris
Zinni im ICE nach Paris

Nach der Ankunft bereute ich schnell, dass ich leider kein Französisch kann. Mein Taxifahrer war aus Haiti und konnte so viel Englisch wie ich die Landessprache. Wir schafften es trotzdem uns sehr eingeschränkt zu verständigen in einer netten Art. Nachdem ich ihm händeschüttelt für die Fahrt bedankte brachte er mir freudestrahlend mein im Taxi vergessenes Handy zur Rezeption, Merci! mein neuer Freund.

Das gebuchte ‘Mercure Paris Tour Eiffel Pont Mirabeau Hotel’ war die nächste Unterkunft zur Schiffs-Anlegestelle und liegt im Zentrum, gegenüber der Seine und nahe am Eiffelturm. Dieser dominiert natürlich die Umgebung, es gibt kaum einen Augenblick wo man ihn nicht sieht.

Paris und der Eiffelturm
Paris und der Eiffelturm

Mein Unternehmensdrang verschob ich auf die folgenden Tage, schlenderte etwas herum und ging in das Bistro ‘Le Régalia’ was mir vom Hotelpersonal empfohlen wurde. Es gab gutes (aber leider sehr teures …) Weizenbier, und die Zwiebelsuppe war super. Die Nudeln als Hauptgang waren etwas fad, aber ansonsten war der Aufenthalt gelungen und ich hatte es mir lange gutgehen lassen, bevor ich etwas ‘übermüdet’ ins Hotel zurückging.

Am nächsten Morgen wollte ich mein Gepäck auf dem Schiff abgeben und noch etwas die Stadt erkundigen. Es war ein autofreier Sonntag in Paris und ich stelle mich auf keine Komplikationen ein. Kurz nach dem Verlassen des Hotels hörte ich Livemusik und erkannte schnell das zwischen mir und dem Kreuzfahrtschiff eine Straße war auf der ein Lauf durchgeführt wurde, der ‘Paris-Versailles la Grande Classique’. Zunächst fand ich es lustig, aber schnell sah ich nervöse Polizisten und Sicherheitsmitarbeiter.

Als sie mich mit Koffer und Rucksack sahen war das denen unrecht und ließen mich nicht auf die andere Seite der Straße, verständlich bei der Lage im Land. Ich glaube die hätten mich erschossen wenn ich es probiert hätte. Ich überlegte, und fand keinen Ausweg, eine Brücke oder Untergang war nicht in der Nähe und am Lauf nahmen anscheinend alle Einwohner von Frankreich teil.

Die Teilnehmeranzahl war unendlich und niemand wusste angeblich wann der Spuk vorbei war, die Aussagen waren von paar Minuten bis zum ganzen Tag. Ich ging wieder ins Hotel zurück, gab das Gepäck ab und lief zum Eiffelturm der Läufer entgegen. Im Gegensatz zu der großen Menge an Athleten gab es so gut wie kein Publikum, entweder aus Desinteresse, weil alle selbst liefen oder Angst vor dem Terror. Das Rennen war sechzehn Kilometer lang und ging La Tour Eiffel zum Palace of Versailles.

Paris-Versailles la Grande Classique
Paris-Versailles la Grande Classique
Paris-Versailles la Grande Classique
Paris-Versailles la Grande Classique

Relativ schnell war der Startpunkt des Laufes erreicht. Ich war schon ein paarmal am Eiffelturm, aber so wenig Besucher wie an dem Tag hatte ich noch nie gehabt. Die Wartezeit für ein Ticket nach oben war fast null, vor den Kassen war nur ein Schlängelchen anstatt einer ausgewachsenen Anakonda.

Trotzdem blieb ich unten, und überbot einen alten Weltrekord: Ich stellte das Milliardste Foto des Gebäudes ins Internet! Ich wetteiferte mit einem japanischen Geschäftsmann aus Osaka-West und hatte knapp die Nase vorn:

Der Eiffelturm von Paris
Der Eiffelturm von Paris

Auch zu Fuß hatte während meine Anwesenheit keiner Lust den Turm zu besteigen:

Der Eiffelturm von Paris
Der Eiffelturm von Paris

Wohl auf Grund der Vorkommnisse im Land ist der Mittelbereich des Gebäudes nur noch mit Ticket erreichbar, schade:

Der Eiffelturm von Paris
Der Eiffelturm von Paris

Ich war mir sicher dass ich der Seine entlang zurück zum Schiff ging, rieb mir dann aber die Augen. Anstatt im sonnigen Paris war ich auf einmal im trüben New York gelandet:

Die Freiheitsstatue von Paris
Die Freiheitsstatue von Paris

Ich fand aber schnell wieder den richtigen Weg, und konnte nun da der Lauf beendet war die Straße überqueren und einchecken. Das Schiff machte schnell einen guten Eindruck auf mich. Meine Kabine war geräumig und die Dusche die größte die ich auf einen Schiff hatte. Noch wichtiger war für mich der Blick auf die Speisekarte, die sich gut angelesen hatte:

Speisekarte der MS Excellence Royal
Speisekarte der MS Excellence Royal

Das Restaurant hatte mir gefallen mit einer gelungenen und stilvollen Einrichtung. Etwas unnötig fand ich die Bemerkung eines Kellners dass ich kein Bild machen sollte, weil die Eindeckung der Tische noch nicht vollständig sei.

Das Restaurant der MS Excellence Royal
Das Restaurant der MS Excellence Royal

Da es noch zu früh zum Abendessen war, besuchte ich den wunderschönen Biergarten ‘La Javelle’ in der Nähe der Anlegestelle meines Schiffes. Hier war Savoir-vivre pur (ich weiß dass die Franzosen darunter was anderes verstehen). Ein gutes Bier, nette Menschen, tolles Wetter, hier war nichts was einem den Tag verderben konnte. Selbst die Fastfood-Bude entpuppte sich mit ihren Fischgerichten fast als Gourmet-Küche, bei uns im Ort wird schlechteres in selbst ernannten gehobenen Restaurants serviert.

Der tolle Biergarten La Javelle in Paris
Der tolle Biergarten La Javelle in Paris

Es war fast schade zurück zum Schiff zum Abendessen zu gehen. Das wurde zunächst verschoben, 140 von den 145 Passagieren waren mit dem Bus aus der Schweiz gekommen und teilweise um sechs Uhr morgens gestartet. Durch den autofreien Sonntag war Stau, die Gäste hatten Verspätung und waren erst um sieben Uhr am Abend angekommen. So eine Anreise wollte ich nicht haben.

Danach schwänzte ich die Bar vom Schiff und ging noch einmal zu meinem Lieblings-Biergarten der Stadt (ok, übertrieben, ich kenne nur den). Es gab Livemusik mit einer prächtigen Stimmung, zum Glück legten wir erst spät am nächsten Tag ab. Nach dem anstrengenden Abend schlief ich lange und nahm mir danach die Besichtigung des Invalidendoms vor den ich noch nicht kannte.

Zuerst war es albern. Polizisten durchsuchten mein Handgepäck und danach noch einmal das Personal des Gebäudes. Klar, Sicherheit geht vor und ich kann verstehen dass man in meinen Rucksack schaut, aber warum zweimal direkt in Folge? Ich war fast der Einzige in dem großen Gebäude, das war etwas befremdlich. Das lag wahrscheinlich an den Attentaten. So konnte ich mir in Ruhe Napoleons Grab anschauen:

Das Grab von Napoleon in Paris
Das Grab von Napoleon in Paris

und das beeindruckende Gebäude:

Der Invalidendom in Paris
Der Invalidendom in Paris
Der Invalidendom in Paris
Der Invalidendom in Paris

Am Abend ging dann die ‘richtige’ Kreuzfahrt los und diese begann mit einem Knaller. Wir fuhren zuerst die Seine Richtung Eiffelturm entlang und der führte uns seine stündliche Lichtshow vor. Die Freiheitsstatue als Vordergrund passte, das war ein sehr schöner Einstieg in die Reise.

Paris bei Nacht
Paris bei Nacht

Wehmütig sah ich den letzten Blick auf meine Lieblingslokalität, so schnell werde ich leider nicht mehr dort sein. Es war trotzdem ein schöner Tag und nun sollte der Grund meiner Reise anfangen, die Kreuzfahrt auf der Seine.

Bye bye Biergarten
Bye bye Biergarten

Les Andelys

Der Vormittag war gemütlich und sorgte für bei mir für gute Laune. Wir fuhren die Seine entlang Richtung Normandie, durch malerische Landschaften und an Kreidefelsformationen vorbei. Der Schiffsverkehr war gering, und der Fluß schmaller als gedacht. Wir sahen tolle Spiegelungen im Wasser, und genossen die Reise. Ich bedauerte sogar, dass dies der einzige Tag dieser Reise war wo wir eine längere Zeit am Tag fuhren. Ansonsten hatten wir lange Anlegezeiten und reisten mit dem Schiff in der Nacht, schade.

Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine
Entlang der Seine

Mittags erreichten wir die Ortschaft Les Andelys. Die romantische Gemeinde mit seinen 8.200 Einwohnern liegt gerade einem fünfundachtzig Kilometer von Paris entfernt in einem Flussbogen der Seine und besteht aus den zwei Stadtteilen Le Grand Andely und Le Petit Andely, deshalb der Name ‘die (zwei) Andelys’.

Blick auf Les Andelys
Blick auf Les Andelys
Blick auf Les Andelys und die MS Excellence Royal
Blick auf Les Andelys und die MS Excellence Royal

Bewacht wird der Ort von dem seltsam-verwüsteten ‘Château Gaillard’, eine zerstörte mittelalterliche Festung. Sie wurde von Richard Löwenherz, König von England, errichtet.

Blick auf Les Andelys und Château Gaillard
Blick auf Les Andelys und Château Gaillard

Ich schaute mir erst kurz die Stadtmitte an (sehr übersichtlich) mit der gotischen Stiftskirche Notre-Dame-du-Grand-Andely:

Notre-Dame-du-Grand-Andely / Les Andelys
Notre-Dame-du-Grand-Andely / Les Andelys

bevor ich die Burg stürmte. Ich war der einzige Besucher dort und fand es toll mich in mittelalterliche Zeiten zu versetzen:

Château Gaillard / Les Andelys
Château Gaillard / Les Andelys
Château Gaillard / Les Andelys
Château Gaillard / Les Andelys

Danach wanderte ich die Umgebung ab um die Pfunde wieder zu verlieren die ich am Vortag beim Abendessen zugenommen hatte:

Blick auf Les Andelys
Blick auf Les Andelys
Blick auf Les Andelys
Blick auf Les Andelys
Zinni und Kreidefelsen bei Les Andelys
Zinni und Kreidefelsen bei Les Andelys

Danach musste ich wegen der Anstrengung natürlich die örtliche Gastronomie und das Bierangebot testen. Nach der Abfahrt gab es in der Dämmerung herrliche Spiegelungen im Wasser zu sehen, schade dass ich nur mein Handy dabei hatte:

Spiegelungen in der Seine
Spiegelungen in der Seine

Der Urlaubstag war gelungen und wurde mit dem abendlichen Begrüßungs-Galadiner schön abgeschlossen.

Caudebec-en-Caux

Wir erreichten am nächsten Morgen Caudebec-en-Caux, einer der vielen Orte in der Normandie deren Namen sich aus der altskandinavischen Sprache herleitet. Es heißt so viel wie ‘kalter Bach’, ob damit die Seine gemeint war weiß ich nicht, das wäre wohl eine Untertreibung. Wir hatten eine längere Liegezeit inclusive Übernachtung. Am ersten Tag war ich schnell einsam auf dem Schiff. Alle anderen Gäste hatten einen Ausflug nach Honfleur gebucht.

Den Ort kenne ich und wollte nicht unbedingt noch einmal dorthin zumal die Tour über den ganzen Tag ging. So konnte ich mir die sympathische Ortschaft Caudebec-en-Caux mit ihren 2.200 Einwohnern in Ruhe anschauen ohne wie gewohnt Schwyzerdütsch an Bord zu hören bei den vielen Schweizern. Ich dachte als Deutscher wäre es einfacher die Sprache zu verstehen.

Wenn es ums Essen und Trinken ging hatte ich noch einigermaßen den Überblick, bei anderen Themen nicht. Es wurde vom Schiffspersonal und bei Gesprächen mit anderen Gästen aber immer Rücksicht darauf genommen und Deutsch mit mir gesprochen.

Mein erster Gang ging zum Friseur. Die Verständigung (die Mitarbeiterin konnte kein Englisch/Deutsch, ich kein Französisch) war nicht einfach und ich ließ der jungen Dame ihre künstlerische Freiheit. Das Ergebnis war sehr sportlich kurz, macht nichts, wächst ja wieder und hatte nur zehn Euro gekostet.

Zinni nach dem Friseur
Zinni nach dem Friseur

Herausragend aufgrund der Architektur ist die Kirche der Stadt, ein Gebäude aus dem 15. Jahrhundert:

Kirche Notre-Dame von Caudebec-en-Caux
Kirche Notre-Dame von Caudebec-en-Caux
Kirche Notre-Dame von Caudebec-en-Caux
Kirche Notre-Dame von Caudebec-en-Caux

Nachdem ich langsam zum Schiff wegen dem Mittagessen zurück lief hatte ich mich wieder verlaufen. Auf einmal war ich Richtung Vietnam unterwegs, der Schreck saß tief:

Richtung Vietnam
Richtung Vietnam

Das Boot fand ich natürlich trotzdem, obwohl der Weg dorthin sich nicht gelohnt hatte. Leider hatte man sich für mich als einzigen Gast nicht groß Mühe gemacht bei dem Mittagessen (banale Brühe und trockenes Huhn), schade. So wollte ich mich nicht abspeisen lassen und hatte eine Idee. Für den nächsten Tag hatte ich ein Gourmet-Mittagessen über das Schiff-Ausflugsprogramm gebucht.

Der deutsche Spitzenkoch David Görne schaffte es in Frankreich einen Michelin-Stern zu erhalten. “G. A.” hat David Görne sein Restaurant genannt, das Kürzel steht ganz einfach für “Guten Appetit”. Um den mir für den nächsten Tag zu holen lief ich nach dem Essen zu dem Herrenhaus Manoir de Rétival um es mir schon einmal anzuschauen und eine Kleinigkeit zu essen und/oder zu trinken wenn dies überhaupt möglich ist.

Ich wurde von dem sofort sympathisch wirkenden Gastgeber sehr freundlich begrüßt. Es war kein Problem nur einen Wein und einen Calvados im idyllischen Park bei strahlend schönen Wetter zu trinken. Es wurde bedauert dass der Rotwein normal etwas länger ruhen sollte nach dem Aufmachen, so viel Fürsorge hat man leider selten in der Gastronomie. Mir schmeckte der Wein als Banause trotzdem.

Zinni im Park des Manoir de Rétival
Zinni im Park des Manoir de Rétival

Dazu bestellte ich mir ein Champagner-Sorbet was wunderbar cremig war und sehr elegant schmeckte:

Ein Champagner-Sorbet im Manoir de Rétival
Ein Champagner-Sorbet im Manoir de Rétival

Als der Chef mir danach noch eine Schinkenplatte spendierte (der Name der Sorte habe ich leider vergessen, schmeckte hervorragend, und war superzart):

Schinken im Manoir de Rétival
Schinken im Manoir de Rétival

war ich hin und weg und es war um mich geschehen. Auf einen Bein stehen konnte ich nicht, orderte noch einmal Getränke und war mit Gott und der Welt zufrieden. Ein wunderschöner Nachmittag ging langsam zu Ende und ich hatte eine riesige Vorfreude auf das Menü am nächsten Tag.

Den nächsten Vormittag nutzte ich zu einem Ausflug zum Seebad Étretat. Das typische Bild von der Normandie ist das von der Alabasterküste des Ortes mit ihren steilen Felsklippen, die Étretat auf beiden Seiten umrahmen.

Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Falaise d'Amont)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Falaise d’Amont)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Falaise d'Amont)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Falaise d’Amont)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Porte d'Aval)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsentor Porte d’Aval)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsennadel Aiguille)
Die Alabasterküste von Étretat (Felsennadel Aiguille)

Viele Maler waren (und sind immer noch) von den Felsformationen der Küsten beeindruckt und halten dies in ihren Werken fest:

Die Alabasterküste von Étretat
Die Alabasterküste von Étretat

Das konnte ich gut verstehen, dass aber zwei Personen bei der starken Strömung baden gingen nicht. Ich fand dies viel zu gefährlich und sah dass die beiden eher unsicher wirkten. Später hatte ich erfahren dass es ein Gast von dem Schiff und seine Reiseleitung war die auf Wunsch mit ins Meer ging. Ich hätte das nicht gemacht und abgelehnt, Kunde hin, Kunde her, Gesundheit und Sicherheit geht vor. Étretat hatte mir gut gefallen obwohl es natürlich sehr touristisch war. Überlaufen war es während unseres Aufenthaltes aber nicht.

Blick auf Étretat
Blick auf Étretat

Nach der Rückfahrt stand der kulinarische Höhepunkt der Reise an. Sechs Gäste des Schiffes inclusive mir hatten sich eingefunden um das Gourmet-Mittagessen in dem kleinen Schloss des Gastgebers einzunehmen. Im G.A. geht es nicht elitär zu. Wir wurden in der Küche empfangen und dort wird bewirtet. Wir schauten auf die Töpfe und den Herd während das Essen für uns zubereitet wurde.

Das Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Das Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Unser Tisch im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Unser Tisch im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival

Hier brodelte ein Topf voller Trüffel:

Trüffel im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Trüffel im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival

Ich hatte mir leider nicht alles aufgeschrieben was wir bekommen hatten, und mein Gedächtnis ist nicht das Beste. Gestartet wurde mit einer Geschmacksexplosion: Ein Gericht so klein wie ein Stecknadelkopf das wunderbar intensiv und scharf schmeckte, ein guter und gelungener Einstieg.

Es folgten paar Kleinigkeiten wie eine Auster in einer sehr pikanten Soße, ehe das Menü startete: Vorweg zwei Fischgänge, ein vegetarisches Gericht und eine Entenleber-Trilogie. Ich hatte alles was mit Innereien zu tun hat bei der Buchung über das Schiffsreisebüro abbestellt, und hatte nur das vegetarische was Drumherum war gegessen. Als Hauptgang gab es ein sehr zart gegartes Filet vom Cidre-Rind. Das glückliche Tier erhält bis zur Schlachtung täglich eine Ration vom französischen Apfelschaumwein im Rahmen des Erlaubten. Abgeschlossen wurde das Menü mit einem Dessert mit dem Thema Möhren.

Der erste Fischgang (Makrele) im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Der erste Fischgang (Makrele) im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Der vegetarische Gang (kleine Gemüse mit Ei) im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Der vegetarische Gang (kleine Gemüse mit Ei) im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Der zweite Fischgang im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Der zweite Fischgang im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Das Cidre-Beef im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival
Das Cidre-Beef im Restaurant G.A. / Manoir de Rétival

Ich hatte natürlich hohe Erwartungen vor dem Besuch, diese wurden alle erfüllt. Die Speisen hatten eine hervorragende Qualität und überzeugten. Selbst das Möhrendessert war eine überzeugende Komposition und nicht langweilig wie es sich für mich zuerst anhörte. Das Konzept in der Küche zu servieren war für mich genial und hatte mit einer allgegenwertigen ‘Showküche’ nichts zu tun. Hier steht viel mehr die Kommunikation im Vordergrund, zumal der Service sehr aufmerksam und freundlich war.

Nachdem vorweg ein Glas Champagner serviert wurde gab es passende Weine zu den Gängen. Hier hätte ich mir als Besucher in Frankreich bei dem Weißwein lieber einen vom Land gehabt anstatt den von der Mosel. Das war wahrscheinlich der deutschen Herkunft des Gastgebers geschuldet und wird den einheimischen Gästen gefallen. Ein Normandie-typischer Calvados beendete den tollen Mittag.

Gut gelaunt ging es zurück zum Schiff. Ich glaube dass es den anderen Mitessern vom Schiff gefallen hatte, und satt geworden war denke ich jeder. Ich war froh den Ausflug gebucht zu haben. Auf die Idee als Ausflugsziel im Rahmen einer Fluss-Kreuzfahrt einen Sterne-Koch zu besuchen muss man erst einmal kommen, und den Mut dazu haben das anzubieten. Schön dass es bei mir geklappt hatte, so was könnte es nach mir viel öfter geben.

Rouen

Von Caudebec-en-Caux ging es die Seine nun flussabwärts zurück Richtung Paris. Die nächste Destination, die Stadt Rouen, wurde schnell erreicht. Ich war schon einmal in der Stadt mit ihren 110.000 Einwohnern, als ich mich umschaute erkannte ich aber nichts mehr wieder. Mein erstes Ziel war die Kathedrale Notre Dame, die zu den bedeutenden Kirchenbauten Frankreichs im gotischen Stil gehört. Wie in allen Gotteshäusern in denen ich in Frankreich war, gab es nicht die unbequemen Bänke die ich aus Deutschland kenne sondern Stühle:

Kathedrale Notre Dame / Rouen
Kathedrale Notre Dame / Rouen

Von außen sah ich mir die Arbeiten am Gebäude an. Trotz den Segen Gottes den die Angestellten bestimmt hatten, war dies nicht unbedingt eine Tätigkeit die ich gerne machen möchte:

Kathedrale Notre Dame / Rouen
Kathedrale Notre Dame / Rouen

Nach der Uhrzeit braucht man niemand zu fragen, an dem großen Uhrenturm im Stadtkern kommt man immer wieder mal vorbei. Die Uhr wurde in ihren Grundzügen im Jahr 1389 konstruiert und gehört damit zu den ältesten astronomischen Uhren überhaupt. Damals reichte den Menschen noch ein Zeiger, die Ansprüche auf mehr sind erst später gekommen:

Der große Uhrenturm (Le Gros Horloge) von Rouen
Der große Uhrenturm (Le Gros Horloge) von Rouen

Der Elan für längere Spaziergänge fehlte mir. Richtig Lust an jeder Kreuzung aufzupassen dass ich sicher auf die andere Straßenseite komme wegen dem Verkehr und der Fahrweise der Einwohner hatte ich nicht. Ich begnügte mich mit dem wenig gesehenen und ging zurück zum Schiff um mich dort auszuruhen.

Der Abend endete wie so oft auf der Reise nach der Abfahrt des Schiffes mit wunderschönen Spiegelungen auf der Seine. Leider hatte ich wieder nur mein Handy dabei, in einer Bar mit einer Spiegelreflex-Kamera zu sitzen war mir zu doof, und bis ich die geholt hätte wären wir weiter gewesen:

Spiegelungen auf der Seine
Spiegelungen auf der Seine

Vernon

Der letzte Stopp vor Paris war die Stadt Vernon. Von dort aus konnte man einen Ausflug zum Wohnhaus und Garten des Impressionisten Claude Monet in Giverny buchen, der 43 Jahre lang dort lebte. Einen Blick auf den wohl berühmtesten Seerosenteich der Welt zu werfen konnte nichts schaden.

Ich buchte die Fahrt als letzten Höhepunkt der Reise. Bereits ein nach paar Minuten Fahrtzeit waren wir am großen Parkplatz des Anwesens angekommen und einer der ersten Ausflugsbusse. Ohne große Wartezeit konnten wir die Anlage betreten, nur ein paar fleißige Japaner waren schneller als wir.

Wir konnten noch in Ruhe den wunderschönen Garten anschauen, in dem vor hundert Jahren der Künstler unermüdlich gemalt hatte. Fast alle seiner Szenen kann man hier wiedererkennen. Mein erster Blick galt natürlich dem berühmten Seerosenteich, Blüten gab es während unserer Reisezeit leider keine mehr (nur bis etwa September):

Monets Seerosenteich in Giverny
Monets Seerosenteich in Giverny
Monets Seerosenteich in Giverny
Monets Seerosenteich in Giverny
Monets Seerosenteich in Giverny
Monets Seerosenteich in Giverny

Dafür blühten Rosen, Dahlien und Astern im Masse, und trugen ihren Anteil zu den tollen Farben und Motiven bei:

Monets Garten in Giverny
Monets Garten in Giverny

Dieser Pfad mit seinem Haus im Hintergrund inspirierte den Maler zu dem bekannten Werk ‘Weg im Garten des Künstlers’, entstanden zwischen 1901 und 1902:

Monets Garten in Giverny
Monets Garten in Giverny

Beim Besuch des Wohnhauses war es mir bereits zu voll, so langsam trudelte eine Busladung von neuen Besuchern nach dem anderen ein. So lief ich lieber noch etwas durch den kleinen Ort. In jedem zweiten Haus war ein Hinweisschild auf eine Galerie, ein Atelier oder ein Kunstgewerbeshop, wahrscheinlich eine gute Einnahmequelle für die Ortschaft. Nach einem Blick auf das Familiengrab des Kunstschöpfers ging ich wieder zum mittlerweile gut gefüllten Parkplatz und zurück nach Vernon.

Es war noch Zeit für einen Spaziergang und einen Blick auf die Stadt:

Blick auf Vernon
Blick auf Vernon

Die Stiftskirche Notre Dame von Vernon wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbaut und dominiert das Bild der Innenstadt:

Die Stiftskirche Notre Dame von Vernon
Die Stiftskirche Notre Dame von Vernon

Danach wechselte ich die Fluss-Seite die vom ‘Château des Tourelles’ beherrscht wird. Es ist ein Schloss aus dem zwölften Jahrhundert und intakt:

Château des Tourelles / Vernon
Château des Tourelles / Vernon

Früher gab es auf der alten, mittlerweile nun fast zerfallenen Brücke zahlreiche Mühlen. Eine gibt es heute noch, die ‘Le Vieux Moulin’. Als ich sie das erste Mal sah hatte Sie sofort mein Herz erobert. Umgehend ernannte ich sie zum Lieblingsgebäude meiner Reise und beendete mit diesem schönen Abschluss das touristische Programm der Reise:

Die alte Mühle (Le Vieux Moulin) in Vernon
Die alte Mühle (Le Vieux Moulin) in Vernon

Das Schiff, die Heimreise und das Fazit

Am letzten Abend der Kreuzfahrt, an dem es wieder ein Gala-Abendessen gab, ging es mir nicht so gut. Ich quälte mich mehr oder weniger durch die Vorspeisen, hatte das Menü abgebrochen und ging in die Kabine. Wahrscheinlich war die Kombination mit viel Essen und Trinken, die strahlende Sonne und die Anstrengung (ich bin während der Reise mehr als hunderttausend Schritte gelaufen) etwas zu viel für die kurze Zeit.

Am nächsten Tag war alles wieder okay bei mir, und ich konnte auf die Reise zurück blicken: Mit der ‘MS Excellence Royal’ war ich sehr zufrieden. Der allgemeine Zustand und die Ausstattung waren sehr gut. Die Kabine war ausreichend groß, zumindest für mich alleine. Ich hatte die letzte Unterkunft vor dem Maschinenraum. Diese wird mit preislichen Abschlag angeboten, sie ist lauter als die anderen weiter weg von den Motoren. Ich hatte davon wenig mitbekommen, bei so etwas bin ich nicht empfindlich.

Mein Zimmermädchen hatte ich wissentlich nie gesehen, sie wird eine der jungen und hübschen Damen gewesen sein die regelmäßig im Flur anzutreffen waren. Für ausreichende Sauberkeit hatten sie gesorgt, nicht nur in der Kabine sondern überall auf dem Schiff.

Im Restaurant hatte ich einen festen Platz. An meinem Tisch saßen nette Schweizer die ganze Reise mit mir zusammen. Wir hatten schöne Gespräche und es waren sehr nette Passagiere. Beim Abschied hatte ich sogar ein kleines Geschenk als Andenken aus der Schweiz bekommen, vielen Dank ihr drei wenn ihr jetzt das jetzt liest.

Das Essen war abwechslungsreich und schmackhaft, von Kleinigkeiten abgesehen. Ich freute mich immer darauf, obwohl ich während der Reise wie so oft nicht viel Hunger hatte und schnell satt war, das lag aber nicht an der Küche. Man konnte problemlos kleine, normale oder große Portionen bekommen. Der Service war gut, vielleicht einen Tick zu unpersönlich. Aber besser als zu viele Plaudereien um Nichts.

Eine Bemerkung vom Personal (nicht im Restaurant) erinnerte mich an die Redensart von Aeroflot-Stewardessen zu Zeiten der Sowjetunion was ich mehr schmunzelnd als negativ fand. Zum Glück war so etwas sehr selten, generell war die Crew sehr nett und hilfsbereit. Die Leiter des Reisebüros und des Restaurants machten beide einen guten und routinierten Job. Den Kapitän hatte ich nicht oft gesehen, brachte uns aber alle sicher wieder zurück nach Paris ohne einen wissentlichen Zwischenfall.

Die MS Excellence Royal in Caudebec-en-Caux
Die MS Excellence Royal in Caudebec-en-Caux

Die Rückreise war so angenehm wie hinzu. Die Rezeption kümmerte sich um ein Taxi zum Bahnhof. In Frankreich leider üblich: Das Gleis an dem mein Zug abging wurde erst sehr kurzfristig am Bahnhof angezeigt, danach stürmten die Passagiere auf einen Schlag dorthin. So ein Trubel braucht kein Mensch, ist aber Landestypisch. Die Passagieranzahl war zum Glück sehr übersichtlich, dass änderte sich bis Mannheim nicht. Die drei Stunden gingen schnell vorbei wie die kurze Weiterfahrt nach Mainz.

Im TGV von Paris nach Mannheim
Im TGV von Paris nach Mannheim

Ein schöner Urlaub war damit beendet der mir viel Spaß gemacht hatte. Eine Sensation war es nicht, aber sehr angenehm mit dem Höhepunkt des Gourmet-Mittagessens. Ich würde wieder bei dem Veranstalter buchen, aber nicht die MS Excellence Royal. Diese fährt in der Regel das ganze Jahr über die gleiche Route auf der Seine. Eine Wiederholung muss so schnell nicht sein, so schön es war. Wenn ich aber unerwartet einen Sponsor finde bin ich sofort wieder dabei.

Salute und danke für das Lesen, liebe Grüße Gerald!

Galerien über die Ziele:

Galerie Paris

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