Inhaltsverzeichnis

Countdown zum Game Over: Mit der MS HANSEATIC nature durch die Fjord-Landschaft von Chile

Reisen in Zeiten vor von Corona

Vorwort

Die meisten Kapitel wurden an Bord der HANSEATIC nature vorurteilsfrei verfasst, ohne den Einfluss der Ereignisse durch Corona danach. Die geschriebenen Probleme oder Mängel erscheinen derzeit nichtig und klein, waren aber zu dem Zeitpunkt der Reise relevant für mich. Wahrscheinlich können einige das Wort Corona nicht mehr hören und lesen, und andere haben keinen Nerv auf Reiseberichte.

Beides ist ein Thema, aber nur wie ich es an dem Tag vor Ort erlebt hatte. Der Schwerpunkt sind meine Erlebnisse in Südamerika, und keine Schreckensmeldungen. Bei den meisten Abschnitten ist das Virus kein Thema, nur bei den letzten beiden das Wesentliche. Aber alles ohne platte Witze über Hamsterkäufe von Toilettenpapier oder das gleichnamige Getränk.

367 Tage bis zum Countdown: Prolog

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 0

Während einer Karibik-Kreuzfahrt im März 2019 legten wir in Port Antonio auf Jamaika an. Nach einer Rafting Tour hatte ich wie üblich Durst, merkte aber, dass es die üblichen auf Touristen ausgelegten Bars im Ort nicht gab, ich fand zumindest keine. Eher Spelunken, die aussahen wie mexikanische Würfelbuden, und ich begab mich in die dunkelste:

Authentic Jamaican Beer Bar, Port Antonio
Authentic Jamaican Beer Bar, Port Antonio

Ich dachte mir dort, was zur Hölle mache ich gerade? Ich vermisste nur einen Kettenhund, der bei der ersten besten Gelegenheit auf mich stürmt. Und blieb trotzdem. Trotz Englisch als Amtssprache verstand ich die Bedienung fast gar nicht, ihre Aussprache war knapp dreimal so schnell wie mein Versteh-Faktor. Ich hatte zum Glück Unterstützung von zwei ganz unterschiedlichen einheimischen Gästen: Ein Arbeitsloser, der ohne Umsatz geduldet wurde, und ein IT-Mitarbeiter (wie ich, wir beide benutzen die gleichen Tools).

Der Unterschied war Krass. Ich vermute Touristen sind in dem Schuppen wenig, und fand es ‚einmal etwas anderes‘. Ob das jetzt eine ‚Happy Girls Bar‘ war oder nicht weiß ich bis heute nicht, dafür war es zu früh bei meinem Besuch. Nachts wäre ich dort eher nicht rein.

Dort wurde mir erzählt, dass große Teile eines neuen James Bond zu dieser Zeit auf Jamaika gedreht wurden. Angeblich während meiner Zeit dort in Port Antonio, gesehen hatte ich nichts davon. Der Film sollte im Frühjahr 2020 in die Kinos nach Deutschland kommen.

Nicht eine Sekunde lang hatte ich daran gedacht, dass es ein Jahr später ganz anders kommen würde …

88 Tage bis zum Countdown: Gute Zeiten

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 2

Weltenbummler sind ein merkwürdiges Volk. Wo andere eher im Rhythmus der Jahre leben, denken die nur von Reise zu Reise. Ähnlich ist es bei mir. In 2019 entdeckte ich eine Fluss-Kreuzfahrt in Myanmar für den März 2020, ein Land von dem ich bislang nur die Küstenorte kenne. Das Suiten-Schiff ‚Sanctuary Ananda‘ sah elegant und edel aus, und die Destinationen hatten sich interessant angelesen. Ich bastelte mir ein passendes Vor- und Nach-Programm dazu, und wartete auf die Bestätigung. Diese war nicht gekommen, auch nach mehreren Nachfragen. Genervt sagte ich alles wieder ab. Meine Erfahrungen sind, dass wenn so etwas nicht klappt, dann auch beim Rest der Reise nicht alles problemlos abläuft. Ein paar Wochen später war ich froh für meine Streichung. Wegen Corona stellten am 23. Januar 2020 die Behörden in China die Stadt Wuhan und umliegende Städte unter Quarantäne. Und es wurden die ersten Fälle aus umliegenden Ländern bekannt, und das ehemalige Burma ist ein Nachbar.

Im März auf Tour gehen wollte ich trotzdem, und fand eine schöne Alternative: Von Ushuaia im Süden von Argentinien nach Lima in Peru mit dem neuen Expeditions-Schiff MS HANSEATIC nature der Reederei Hapag Lloyd. Der Schwerpunkt lag bei Chile, mit seinen Fjorden, Gletscher, Vulkanen, Regenwälder, Berge, Wüsten, Stränden und spannenden Städten. Das Land hat viel zu bieten, und die meisten Destinationen kannte ich nicht, obwohl ich bereits zweimal in Chile war.

Davor plante ich den Besuch einer Freundin in Argentinien, und buchte Hotels nach der Kreuzfahrt in Peru und Kolumbien, beides Neuland für mich. Die Aufenthalte in Lima und Bogota waren außer den Demonstrationen in Chile meine Bedenken vor dem Trip, und ich hoffte dort von Straßen/Trick-Diebstahl, Raubüberfall, K.o.-Tropfen und Jugendgangs verschont zu bleiben. Immerhin war die Kolumbianische Kaffeekapselernte in 2020 von Dürre bedroht *.

* Gag vom Postillon geklaut

Ich buchte den Hinflug nach Buenos Aires in Argentinien. Meine liebe Bekannte Maria lebt dort in La Plata (nicht zu verwechseln mit dem eher bekannten Mar del Plata am Atlantik), die Stadt liegt eine Stunde Fahrzeit vom Flughafen entfernt. Ich wollte sie wieder mal besuchen, und plante Übernachtungen dort ein. Trotz Provinz-Hauptstadt hat La Plata keine großen Sehenswürdigkeiten, geschweige denn auswärtige Touristen. Aber das kann ja auch mal interessant sein, habe ich schon öfter erlebt. Urlaubs abseits der touristischen Highways. Erst seit kurzen gibt es ein passables Hotel für verwöhnte Reisende wie mich, das Grand Brizo La Plata.

Nach der Buchung am 19.12.2019 war es achtundachtzig Tage später Ende Februar endlich soweit. In einer Zeitung hatte ich gelesen, dass der Corona-Virus in Südamerika angekommen war, in Brasilien gab es einen Fall. Ich dachte, dass dies kein Thema für diese Reise wird, und war froh nicht wie zuerst geplant nach Myanmar zu fliegen.

Das Abenteuer konnte beginnen, frei nach dem Motto von Wilhelm Busch (1832-1908):

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!

18 Tage bis zum Game Over: La Plata in Argentinien

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 1

Die Anreise

Am 24. Februar 2020 flog ich Nonstop mit der Lufthansa von Frankfurt nach Buenos Aires, was gefühlt schneller herumging als der Gang im Flughafen Frankfurt von der Abgabe des Koffers im A-Bereich des Terminal 1 zum Gate C16, wo ich wissentlich noch nie abgeflogen war. Schick kann man den Bereich nicht nennen, eher bescheiden und banal. Wenigstens gab es kaltes Weizenbier, wenn auch in einem biederen Umfeld. Trotzdem hatte mir das mit noch etwas Wein an Bord gereicht, dass ich auf dem Flug zehn von dreizehn Stunden durchschlief.

Über den Wolken scheine ich empfänglicher für Emotionales zu sein, liegt vielleicht am Luftdruck. Sei es bei einem Film (egal in welcher Kategorie, kann Titanic, aber auch Bohemian Rhapsody sein), oder ein Blick auf einen Sonnenuntergang:

Sonnenaufgang in Brasilien
Sonnenaufgang in Brasilien
Sonnenaufgang in Brasilien
Sonnenaufgang in Brasilien

Oft kommen mir dann ein paar Tränen, wie auch dieses Mal. Tat einfach gut. Und genau in diesem Moment kommt die Stewardess vorbei …

Kurz vor der Landung sah ich auf das Delta vom Mündungstrichter des Rio de la Plata, durch diesen verläuft die Staatsgrenze zwischen Argentinien und Uruguay:

Der Mündungstrichter Rio de la Plata
Der Mündungstrichter Rio de la Plata

und warf einen Blick auf die unzähligen Vororte von Buenos Aires, die Stadt hat fast drei Millionen Einwohner:

Vororte von Buenos Aires
Vororte von Buenos Aires

Erwartungsfroh landete ich am ‚Aeropuerto Internacional Ministro Pistarini‘, auch bekannt als ‚Aeropuerto de Ezeiza‘. Buenos dias Argentina! Obwohl ich als erster das Flugzeug verlassen konnte, waren die Schlangen bei der Passkontrolle ewig lang, denn natürlich fliegt nicht nur die Lufthansa dorthin. Nachdem ich genervt nach über einer Stunde in das Land einreisen konnte, war das Gepäck immer noch nicht am Band.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit hatte ich endlich meinen Koffer erblickt. Mein gebuchter privater Fahrer des Shuttle hatte nicht die Geduld verloren (er kennt die Verhältnisse), und wartete auf mich. Es gab WiFi an Bord, und ich hatte jede Menge Platz. Der Aufpreis gegenüber einem landestypischen Taxi hatte sich gelohnt, auch wegen dem Festpreis ohne mit der lokalen Taxi-Mafia kämpfen zu müssen.

Wer die Fahrt vom Flughafen in die Stadt kennt, wird sich bei diesem Bild so wundern wie ich:

Nichts los nach Buenos Aires
Nichts los nach Buenos Aires

Normal kämpfen hier hunderte von Autos um die Front, dieses Mal war nichts los. Es war Karnevalsdienstag, der im Land ein Feiertag ist, und uns zu einer schnellen Fahrt in die Metropole führte.

La Plata

Nachdem ich um zehn Uhr morgens im Hotel in La Plata angekommen war, erhoffte ich mein Zimmer beziehen zu können, denn ich hatte ein Termin um zwölf Uhr mit meiner Freundin Maria. Die Dame an der Rezeption verlangte für den Early-Checkin einen Aufschlag von fünfzig Prozent auf den Zimmerpreis, den ich nicht bereit war zu bezahlen für die wenige Zeit mehr. Andere Gäste (dem Aussehen und Sprache nach aus dem eigenen Land) konnten sofort ihr Zimmer beziehen.

Ich glaube kaum, dass die alle den Aufpreis bezahlt hatten oder das vorbestellt hatten. Das sah mir mehr nach Ausländer-Abzocke aus. Erst als meine Bekannte erschien, konnte sie mit ein paar netten Worten in der Landesprache die Rezeption überzeugen, dass ich endlich duschen und mich umziehen konnte.

Dass das nagelneu ist, sah ich bereits auf den ersten Blick auf die schicke Lobby-Bar:

Die Bar des Grand Brizo La Plata
Die Bar des Grand Brizo La Plata

Das Zimmer war sehr geräumig, hatte eine perfekte Ausstattung, und war sehr sauber. Und das zu einem Preis für ein Zimmer in einer Provinz-Hauptstadt, wo man dafür in Deutschland auf dem Land eine Besenkammer mit fließenden Wasser bekommt. Aber immerhin mit der morgendlichen Frage der Wirtin, ob man gut geschlafen hat.

Ich war von Ramiro, ein Bekannter meiner Freundin und mir fremd zu einer Segeltour eingeladen worden. Er hörte, dass sie Besuch aus Deutschland empfängt, und wollte mir damit eine Freude bereiten. Das war eine sehr nette Geste von ihm. Vor der Bootsfahrt hatten wir zu Dritt ein Mittagessen in einem Lokal, dass ich im Vorfeld im Internet mit guten Kritiken und uriger Ambiente gefunden hatte, und fragte vor der Reise, ob wir dort gemeinsam einkehren würden. Die beiden organisierten eine Reservierung, aber leider hatte mein guter Eindruck von der Homepage getäuscht, das Huhn war mir viel zu trocken.

Viel besser war die Fahrt mit dem Boot den ‚Rio de la Plata‘ entlang. Wir fuhren leider ohne Segel, weil der Wind dafür fehlte:

Unterwegs auf dem Rio de la Plata
Unterwegs auf dem Rio de la Plata
Unterwegs auf dem Rio de la Plata
Unterwegs auf dem Rio de la Plata

Alleine unterwegs waren wir nicht:

Unterwegs auf dem Rio de la Plata
Unterwegs auf dem Rio de la Plata

Dazu war ich in der Begleitung von zwei netten Menschen, mit Maria:

Das Dreamteam
Das Dreamteam

und meinem neuen Freund und Kapitän Ramiro:

Kapitän Ramiro und sein Crew heißen sie herzlich willkommen an Bord
Kapitän Ramiro und sein Crew heißen sie herzlich willkommen an Bord

Er erzählte mir viel Interessantes über das Gesehene, wie über diese militärischen Anlagen:

Militärische Anlagen am Rio de la Plata
Militärische Anlagen am Rio de la Plata

und diesen Mini-Wrackfriedhof:

Wracks im Rio de la Plata
Wracks im Rio de la Plata

Das Gebiet hat auch deutsche Kriegsgeschichte. Das Panzerschiff ‚Admiral Graf Spee‘ wurde am 17. Dezember 1939 im Río de la Plata ohne einen Verlust von Menschenleben von der eigenen Besatzung versenkt.

Danach war Mate-Trinken angesagt, ‚The Drink of Friendship‘. Der Tee wird mit festen Ritualen aus einer Kalebasse (das getrocknete und ausgehöhlte Ende eines Flaschenkürbisses) mit einem gemeinsam genutzten Bombilla (Strohhalm aus Metall, Bambus oder Holz) getrunken. Einem Gast keinen Mate Tee anzubieten gilt als unhöflich, und eine Ablehnung kommt einer Beleidigung nach. Als Ausländer wird das geduldet, und zum Glück hatte Ramiro dafür Verständnis.

Peinlich wurde es erst für mich, als ich das Schiff mit Schritte über ein straff gespanntes Seil verlassen sollte. Ein Fehltritt, und ich wäre im Wasser gelandet. Mir fehlte die Unbekümmertheit der Jugend, bin kein gelernter Seiltänzer und erwies mich als Feigling. Irgendwann nahm ich allen meinen Mut zusammen, und erreichte zum Glück trocken das Land.

Noch einmal würde ich das aber nur auf der Flucht machen. In der Aufregung hatte ich leider vergessen ein Bild von der Jacht zu machen, schade. Dafür hat Ramiro mir drei zur Verfügung gestellt, die ich mit seiner Erlaubnis nutzen darf. Einmal die ganze ‚Una Tarde‘, und zweimal mit Segel. Vielen Dank mein Freund auf diesem Wege!

Die Jacht 'Una Tarde' von Ramiro in La Plata
Die Jacht ‚Una Tarde‘ von Ramiro in La Plata
Die Jacht 'Una Tarde' von Ramiro in La Plata
Die Jacht ‚Una Tarde‘ von Ramiro in La Plata
Die Jacht 'Una Tarde' von Ramiro in La Plata
Die Jacht ‚Una Tarde‘ von Ramiro in La Plata

Den schönen Aufenthalt im Hafen beendete ich mit Maria mit lokalen Spezialitäten und Bier in dem hiesigen Sailing Club.

Danach präsentierte sie mir die wenigen (sorry Maria) Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt der Provinz von Buenos Aires. La Plata liegt innerhalb des Ballungsraums der Landeshauptstadt Buenos Aires, und ist mit 750.000 Einwohner eine der größeren Städte des Landes. Das Stadtbild wurde streng symmetrisch angelegt.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die ‚Catedral de la Plata‘, eine neugotische Kathedrale. Die Bauarbeiten begannen 1898, und die Rosette, die aus etwa 25.000 Glasteilen besteht, wurde 1928 eingesetzt:

Catedral de la Plata
Catedral de la Plata

Von innen war ich beeindruckt von der Größe und der Architektur:

Catedral de la Plata
Catedral de la Plata
Catedral de la Plata
Catedral de la Plata

Nach dem Tode von Eva Perón im Jahr 1952 wurde die Stadt in ‚Ciudad Eva Perón‘ umbenannt. Nach dem Staatsstreich gegen Präsident Juan Perón 1955 erhielt sie ihren alten Namen zurück. Eva ist diese Statue gewidmet:

Statue gewidmet für Eva Perón in La Plata
Statue gewidmet für Eva Perón in La Plata

Jede Stadt in Argentinien hat einen zentrale Platz der Stadt. Um ihn herum sind meisten öffentlichen Gebäuden wie Dom, Oper, Theater etc. Für Touristen gibt es meist wenig zu sehen, er ist mehr ein Treffpunkt der Einheimischen. Hier wird er ‚Plaza Moreno‘ genannt:

Plaza Moreno in La Plata
Plaza Moreno in La Plata

Langsam hatte ich Durst bekommen, was in La Plata kein Problem ist den zu löschen. Es gibt eine Kneipenmeile mit jede Menge urigen Bierbars, die Craft-Biere abseits der weltweiten Plörren-Liste (Budweiser, Heineken, Corona und ähnlicher Schrott) anbieten. Das konnte Zinni sich natürlich nicht entgehen lassen, und ging mit Maria in die coole Bierbar ‚Cervecería Baum‘:

Die Bierbar 'Cervecería Baum' in La Plata
Die Bierbar ‚Cervecería Baum‘ in La Plata

um lokale Produkte zu testen, wie es sich als wissbegieriger Tourist gehört:

Zinnis Biertest in der Bierbar 'Cervecería Baum' in La Plata
Zinnis Biertest in der Bierbar ‚Cervecería Baum‘ in La Plata

Am nächsten Tag ging es auf Besichtigungstour zu zwei Orten, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte, und ohne einen lokalen Kontakt wohl nie hingekommen wäre. Vorweg: Es lohnte sich. Zuerst nach Chascomús, eine Stadt im Osten des Landes. Sie hat circa 35.000 Einwohner, und wurde im Jahr 1779 von Spaniern als Befestigungsanlage gegründet.

Chascomús

Nach der Fertigstellung einer Eisenbahnlinie nach Buenos Aires im Jahr 1865 kam es zu einem schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Wir sahen uns den seit Dezember 2014 stillgelegten Geisterbahnhof an:

Der alte Bahnhof von Chascomús
Der alte Bahnhof von Chascomús

und hatten keine Ahnung, ob das ein Wagen für Fracht, Rinder, Personen oder sonst etwas war:

Der alte Bahnhof von Chascomús
Der alte Bahnhof von Chascomús
Der alte Zinni am Bahnhof von Chascomús
Der alte Zinni am Bahnhof von Chascomús

Hier befinden sich auch die für das Land typischen Silos:

Silos in Chascomús
Silos in Chascomús

Die Stadt strahlt eine Ruhe und Frieden aus, die man in dem Moloch Buenos Aires nicht findet. Deshalb kommen viele Porteños (so werden die Einwohner von Buenos Aires genannt) am Wochenende hierher um den Trubel des Stadtlebens zu entgehen:

Straßenszene in Chascomús
Straßenszene in Chascomús
Straßenszene in Chascomús
Straßenszene in Chascomús
Catedral de Chascomús
Catedral de Chascomú
Palacio Municipal in Chascomús
Palacio Municipal in Chascomús
Das Monument San Martin in Chascomús
Das Monument San Martin in Chascomús

Auch die Graffiti-Szene ist hier aktiv, und ’sprüht vor Ideen‘:

Graffiti in Chascomús
Graffiti in Chascomús

Ich war nicht drin um zu schauen was die regionalen Handwerker dort anbieten, aber wenn es etwas mit der Dame rechts auf dem Schild zu tun hat habe ich bestimmt etwas verpasst, schade:

Werbeschild in Chascomús
Werbeschild in Chascomús

Chascomús liegt an der ‚Laguna de Chascomús‘;

Laguna de Chascomús
Laguna de Chascomús

und dort hatte es sich angeboten, in dem dort befindlichen Restaurant ‚Pesca y Nautica‘ zum Fischessen einzukehren:

Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús
Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús

In dem man außen:

Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús
Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús

oder innen:

Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús
Restaurant Pesca y Nautica, Chascomús

sitzen kann. Nach dem anständigen Mittagessen fuhren wir zurück nach La Plata, der Ausflug war genial.

Am Abend unter Freunden

Ich hatte Zeit die Roof-Bar in meinem Hotel zu besuchen. Der Ausblick war wunderbar auf die Stadt:

Blick auf La Plata
Blick auf La Plata

und die Catedral de la Plata:

Blick auf La Plata
Blick auf La Plata

Nachdem die Dämmerung einsetzte:

Blick auf La Plata
Blick auf La Plata

ging sehr überraschend für mich danach die Sonne unter, der Ausblick darauf war unbezahlbar:

Die Roofbar vom Hotel 'Grand Brizo La Plata'
Die Roofbar vom Hotel ‚Grand Brizo La Plata‘

Leider hat die Bar selbst nur am Wochenende geöffnet, ich war unter der Woche dort. Sehr sehr schade. Der tolle Sonnenuntergang entschädigte aber dafür:

Bye Bye Sonne in La Plata
Bye Bye Sonne in La Plata

Am Abend waren wir bei meinem neuen Freund Ramiro eingeladen, um gemeinsam den von mir für ihn aus Dank an die Fahrt mitgebrachten Whiskey aus Deutschland zu probieren:

Einladung bei Freunden
Einladung bei Freunden

Er wusste nichts davon, den Hinweis, dass er gerne das trinkt hatte ich von Maria bekommen. Ich glaube er hat sich sehr darüber gefreut. Es ist ja auch toll, wenn man in der Fremde Freunde hat. Beim Verlassen der Wohnung sahen wir einen klaren Sternenhimmel, ich bitte meine amateurhafte fotografische Leistung zu entschuldigen:

Ich sah den Sternenhimmel in La Plata
Ich sah den Sternenhimmel in La Plata

Da meine Fähigkeiten zu Sternbilder deuten noch unter der Erstellung dieses Bildes liegen, schreibe ich jetzt lieber nicht, ob ich das Kreuz des Südens gesehen hatte oder nicht.

Müde war ich noch nicht, und wollte noch abseits vom Hotel etwas trinken. Obwohl eine urige Bierstube nur ein Block um die Ecke war, wurde ich gewarnt. Ich sollte Obacht geben, und nicht aufzufallen auf dem Gang zum Hotel. Gangster erkennen schnell ihre Opfer (Wertgegenstände am Körper, Stadtplan in der Hand, unsichere Blicke). Die Bar selbst war wieder super:

Eine Absacker-Bar in La Plata
Eine Absacker-Bar in La Plata

und die Getränke klasse. Ich verspreche die Wahrheit zu schreiben: Die drei Flaschen im Hintergrund standen so da, und wurden nicht von mir bestellt/konsumiert:

Ein Prost auf La Plata und Argentinien!
Ein Prost auf La Plata und Argentinien!

Beim Bestellen des dritten Biers warnte mich auch der Wirt. Ich könnte trinken so viel wie ich will, sollte aber vermeiden wankend zurück zu Laufen. Die Verbrecher würden mich sofort auf die Nummer Eins ihre Kundenliste setzen. Ich schaffte es gangsicher und unbeschadet zurück zum Hotel zu kommen.

República de los Niños

Am nächsten Morgen wollten wir nach City Bell fahren, ein Ort der ähnlich wie Chascomús ein beliebtes Ausflugsziel von Großstädter, die sich nach Provinz und der Ruhe sehnen ist. Auf dem Weg dorthin wurde es kindisch. Maria fragte mich, ob wir einen kurzen Stopp in der ‚República de los Niños‘ einlegen wollen, die Kinder-Republik ist so eine Art Disneyland in klein. Zu verlieren hatte ich nichts, und sagte zu.

Ich muss mich outen, mir Kindskopf hatte es gefallen dort. Es war nichts los, und die Gebäude waren nett:

República de los Niños, La Plata
República de los Niños, La Plata
República de los Niños, La Plata
República de los Niños, La Plata

Die Natur wurde mit eingebunden, mit einem großen See und Bäumen:

República de los Niños, La Plata, Argentinien
República de los Niños, La Plata, Argentinien

Verkehrstechnisch gut angebunden ist die Republik durch den ‚International Airport República de los Niños‘:

Boeing 737-200 LV-JTD 'Aerolíneas Executive Jet', International Airport República de los Niños, La Plata, Argentinien
Boeing 737-200 LV-JTD ‚Aerolíneas Executive Jet‘, International Airport República de los Niños, La Plata, Argentinien

mit Nonstop-Diensten rund um die Welt. Wir flogen kurz in den Iran:

República de los Niños, La Plata
República de los Niños, La Plata

und wieder zurück. War schön!

So könnte Disneyland in der Anfangszeit ausgesehen haben, denn auch ohne große Fahrgeschäfte kann man die Augen von Kindern zum Strahlen bringen.

City Bell

Wieder zurück in der Welt der Erwachsenen-Welt fuhren wir weiter nach City Bell. Die Stadt strahlte in der Tat Ruhe und Gelassenheit aus:

Eine Straßenszene in City Bell
Eine Straßenszene in City Bell

Die Siedlung wurde erst um 1900 von englischen Einwanderern unter der Leitung von George Bell gegründet, und da dies viel später als in Chascomús war, gibt es hier keine Häuser im alten Siedler-Stil. Hier geht man Shoppen (entfällt, ich bin ein Mann), ins Kaffee (gibt auch Bier!):

Teatime in City Bell
Teatime in City Bell
Teatime in City Bell
Teatime in City Bell

in ein Restaurant:

Essen gehen in City Bell
Essen gehen in City Bell

oder ein Brauhaus:

Trinken gehen in City Bell
Trinken gehen in City Bell

Bier brauen können sie:

Zinnis Abschied von City Bell
Zinnis Abschied von City Bell

bei den Deutschkenntnissen gibt es aber noch nachhohlbedarf:

'Das beste bier artenan' in City Bell
‚Das beste bier artenan‘ in City Bell

Wie bei mir 😉

Unerwartet gab es sogar noch Geschenke für uns, warum auch immer. Der südamerikanische Weihnachtsbaum war gut bestückt:

Geschenke in City Bell
Geschenke in City Bell

Danach fuhren wir zurück nach La Plata. Ich musste Abschied von der Stadt nehmen, ein privates Taxi sollte mich nach Buenos Aires bringen. Maria werde ich aber am nächsten Tag wiedersehen, mit ihr wollte ich eine Flussfahrt ins Tigre-Delta unternahmen. Ich hoffte, dass es so schön blieb wie bisher. Nach der Ankunft in Buenos Aires am Abend erwartete mich ein Paukenschlag.

15 Tage bis zum Game Over: Buenos Aires & Ushuahia in Argentinien

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 3

Buenos Aires

Mein von Maria organisierter Fahrer brachte mich am späten Nachmittag zum Novotel in die Stadtmitte von Buenos Aires. Je näher wir der Metropole gekommen waren, je mehr staute sich der Verkehr, es hatte sich etwas gezogen. Gerade wenn das Fahrzeug nicht mit einer Standard-Ausstattung wie WiFi, Massagesitze, Fernseher, DVD-Player und ein gefüllter Champagner-Kühler eingerichtet ist.

Quatsch, es war eine angenehme Fahrt mit einem netten Fahrer, nur leider fanden wir keine gemeinsame Sprache um uns zu unterhalten. Außer ‚Mi nombre es Gerald‘ und ‚Dos cervezas por favor‘ kann ich leider nicht viel mehr Spanisch.

Der ganz normale Verkehr in Buenos Aires

Nachdem wir am Novotel angekommen waren (auf der rechten Seite in der Mitte):

Ankunft am Novotel in Buenos Aires
Ankunft am Novotel in Buenos Aires

war mein ernsthaft gemeinter Plan nach dem Einchecken zum nahegelegenen Restaurant Edelweiß mit Schweizer Küche zum Abendessen zu gehen. Dort war ich in 2013, und hatte mir gefallen. Schon wegen den Bierkrügen mit Inhalt, aber auch dem guten Essen, Ambiente und Service:

Im Restaurant Edelweiß in Buenos Aires (2013)
Im Restaurant Edelweiß in Buenos Aires (2013)

Die argentinische Steak Kultur mit nicht abgehangenen Fleisch liegt mir nicht. Wer das mag, geht zu in Reiseführern gelobte Restaurants wie das ‚Pippo‘, ich nicht.

Aber das Hotel machte mir einen Strich durch die Rechnung. Zuerst hatte ich den sensationellen Ausblick aus meinem Fenster sekundenlang genossen:

Aussicht vom Novotel in Buenos Aires
Aussicht vom Novotel in Buenos Aires

und dann sah ich im Fahrstuhl einen Hinweis, dass am Abend im Garten des Hotels eine ‚After Work‘ Party mit Live Musik angesagt war. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Ich nahm den letzten freien Platz an der Bar ein, und hatte das Glück bei einem netten Ehepaar aus Deutschland zu sitzen. Wir hatten schöne Gespräche, bis die Livemusik angefangen hatte.

Es rockte, und das gewaltig:

After Rock Party im Novotel in Buenos Aires
After Rock Party im Novotel in Buenos Aires
After Rock Party im Novotel in Buenos Aires
After Rock Party im Novotel in Buenos Aires
After Rock Party im Novotel in Buenos Aires

Schnell hatte ich entschieden, das Züricher Geschnetzeltes durch Jamón de la casa zu ersetzen. Ich hörte mir lieber weiter die Musik ein, in die Schweiz komme ich bestimmt einfacher als noch einmal diese Musik zu hören:

After Rock Party im Novotel in Buenos Aires

Ich blieb bis zum Ende, es war ein gelungener und unerwarteter Paukenschlag:

After Rock Party im Novotel in Buenos Aires

Von mir aus hätte die Gruppe die ganze Nacht durchspielen könnten, war stark. So eine Stimmung hätte ich in einem Novotel in der Mitte der Woche nie erwartet.

Ohne einen Kater wachte ich am nächsten Morgen auf, der tolle Abend zeigte keine Spuren. Da mein Hotel für einen Abholservice unglücklich liegt, lief ich am nächsten Morgen durch das Finanzdistrikt zu einem vereinbarten Treffpunkt, um mit Maria nach Tigre, direkt an das Delta des Río Paraná gelegen zu fahren. Wer sich wundert, dass ich mir nicht Buenos Aires selbst anschaut hatte: Ich war bereits zweimal dort, und ‚kenne‘ die üblichen Sehenswürdigkeiten. Beim letzten Mal war Tigre ausgefallen wegen schlechtem Wetter, das wollten wir nun nachholen.

Mit meiner großen DSLR Kamera wollte ich nicht durch die City laufen, und hatte sie zu Hause gelassen. Ich nehme generell auf Reisen zwei bis drei Mützen mit, und beim Packen achte ich nicht groß darauf was draufsteht. Im Hotel nahm ich die erstbeste, die im Koffer lag. Zum Glück sah ich noch, dass darauf ‚Falkland Island‘ stand. Die Einheimischen in Argentinien haben eine andere Meinung als die in Großbritannien zu dem Thema, und provozieren muss nicht sein. Meine Alternative ‚Gambia‘ interessierte niemanden.

Gleich in der Nähe von meinem Hotel liegt eine der meistbesuchten Touristenattraktionen, der Obelisk und das Wahrzeichen der Stadt:

Der Obelisk von Buenos Aires
Der Obelisk von Buenos Aires

Er ragt mitten auf der Prachtstraße Avenida 9 de Julio, auf dem Plaza de la Républica, 67 Meter in die Höhe. Von da aus lief ich zum Cabildo de Buenos Aires:

Cabildo de Buenos Aires
Cabildo de Buenos Aires

das während des Vizekönigreichs des Río de la Plata als Regierungssitz diente. Heute ist das Gebäude ein Museum. Anscheinend haben sich die Verantwortlichen vom neuen Berliner Flughafen sich das als Vorbild genommen: 1610 wurde es fertiggestellt, aber bald darauf war es bereits zu klein und musste erweitert werden.

Der nächste Stopp war der Plaza San Martin, der als schönster Platz von Buenos Aires gilt:

Plaza San Martin in Buenos Aires
Plaza San Martin in Buenos Aires

Der alte Uhrturm dort ist ein echtes Foto-Highlight. Ich ließ ihn aber links liegen, damit ich pünktlich am Treffpunkt war. Wir hatten dafür ein Hotel in Puerto Madero ausgemacht, ein ehemaliger Hafen der Stadt. Er wurde in den 1990er Jahre restauriert, und ist heute ein Zentrum der gehobenen Gastronomie nach argentinischen Maßstab. Ein Ausflug mit Überraschungen hatte begonnen.

Tigre-Delta

Wir fuhren Richtung Tigre, eine Stadt am Río Luján nahe dessen Mündung in den Río de la Plata. Das Wort bezeichnet den Tiger, und ist hier ein Irrtum, denn die hatte es dort nie gegeben. Wohl aber Jaguare, die sich in Flussnähe aufhielten. Zum Zittern vor Angst brachte mich das nicht, die Chance einen zu sehen war in etwa so hoch, wie bei dem schönen Wetter an diesem Tag vom Blitz getroffen zu werden.

Wir wollten an der Kathedrale von San Isidro halten, hatten aber keinen Parkplatz bekommen:

San Isidro Cathedral in Buenos Aires
San Isidro Cathedral in Buenos Aires

Der Weg führte uns durch Alleen mit beeindruckenden Bäumen:

Auf dem Weg nach Tigre
Auf dem Weg nach Tigre

aber auch mit viel Verkehr:

Die Auto-Fahrt nach Tigre

In Tigre angekommen, hatte ich mir das dort anders vorgestellt. Ich dachte es wäre wenig los, wir würden das erstbeste Ausflugsboot nehmen, und wieder zurückfahren.

Überraschung Nummer Eins: Es gingen laut Fahrplan nicht regelmäßig Boote wie ich es erwartet hatte, obwohl unzählige im Hafen lagen. Naiv wie ich bin dachte ich die warten nur auf uns ….

Der Hafen von Tigre
Der Hafen von Tigre

Wir mussten neunzig Minuten auf die nächste Abfahrt warten, und so interessant war der Hafen nicht. Wir liefen zu einem willkürlich ausgewählten Ziel, die ‚Inmaculada Concepción Parish‘, eine einfache, aber schicke und hübsche koloniale Kirche:

Inmaculada Concepción Parish, Tigre
Inmaculada Concepción Parish, Tigre

Eva Peron ist auch hier allgegenwertig:

Eva Peron Graffiti
Eva Peron Graffiti

Wir gingen zurück zur Bootsanlegestelle, und dort war ich erschrocken.

Überraschung Nummer Zwei: Lange Passagier-Schlangen warteten auf das Einsteigen in unser Boot. Ich dachte wir hätten es fast für uns alleine:

Der Hafen von Tigre
Der Hafen von Tigre

Das Bild täuscht, es war mehr los als es ahnen lässt. In der Theorie hatten wir Priorität beim Einstieg, weil wir ein Kombinations-Ticket mit einem Mittagessen im Delta gekauft hatten. Das nutzte wenig, weil das nur angelehnte Gate der normalen Passagiere einfach bevor wir einsteigen konnten von der wartenden Masse aufgemacht wurde. Das war nicht das erhoffte Abenteuer, sondern Gedränge, Geschubse und Geschiebe. In dieser Reihenfolge mehrfach.

Überraschung Nummer Drei: Nachdem wir im Boot einen Platz bekommen hatten, stiegen jede Menge Punks ein. Sie präsentierten kreative Piercings, Tattoos und Bekleidung, die ich teilweise in meinem Leben noch nie gesehen hatte.

Ich bin darin weit offen, und würde mit denen ein Bier trinken (ist mir mal in Den Haag passiert, war klasse). Aber ich hätte so eine riesige Gruppe niemals in einem Linienboot in dieser Gegend erwartet. Insgeheim hoffte ich, dass sie nicht mit uns zusammen bei dem Restaurant aussteigen, wo wir zu Mittag essen wollten. Mit der erwarteten Ruhe wäre es nichts geworden, vielleicht wäre es aber auch eine Gaudi gewesen, wer weiß.

Das Schiff legte Richtung Río Paraná Delta ab, und kurz danach fuhren wir am ‚Club De Regatas La Marina Boat Club‘ mit seinem bescheidenen Vereinsheim (auf der linken Seite!) vorbei:

Club De Regatas La Marina Boat Club Tigre
Club De Regatas La Marina Boat Club Tigre

Ich denke, dass das Boot im Vordergrund nicht zum Verein gehört, und der Insasse kein Mitglied ist.

Alleine waren wir nicht unterwegs:

Fahrt zum Tigre-Delta

Wir fuhren nicht mit einem Ausflugsboot, sondern einem regulären im Linien-Einsatz. Wenn man aussteigen möchte, sagt man dem Personal an Bord Bescheid. Beim Einstieg wartet man am Steg, und signalisiert, wenn man mitfahren möchte:

Die Fahrt zum Tigre-Deltat

Die Anlegestellen waren sehr unterschiedlich. Ich vermute, dass hier nicht die ganz armen Leute wohnen:

Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta
Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta

Wer Hunger oder Durst hat ist hier gut aufgehoben:

Eine Anlegestelle im Tigre-Delta
Eine Anlegestelle im Tigre-Delta

Wegen dem Kampfhund ist ein Ausstieg hier nur sehr eingeschränkt zu empfehlen:

Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta
Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta

Schön bunt:

Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta
Eine Boots-Anlegestelle im Tigre-Delta

und unser Ziel, das Restaurant ‚Gato Blanco‘. Die Punks waren übrigens schon vorher ausgestiegen:

Das Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Das Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta

Überraschung Nummer Vier: Das Restaurant hat eine wunderschöne Lage, die Bedienungen waren nett, das Bier war kalt und das Essen gut. Und eine weiße Katze (gato blanco) gab es auch.

Eine Reservierung wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Dadurch wussten aber die Bedienungen, dass noch Gäste kommen:

Das Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Das Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta

Das ich Steaks aus Argentinien nicht mag hatte ich schon einmal erwähnt, lieber bestellte ich mir geräucherter Wildschwein-Schinken, und hatte es nicht bereut:

Geräucherter Windschwein-Schinken im Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Geräucherter Windschwein-Schinken im Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta

Es war angenehm dort zu sitzen:

Zinni im Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Zinni im Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta

Natürlich auch wegen meiner sehr netten Begleitung:

Das Dreamteam im Tigre-Delta
Das Dreamteam im Tigre-Delta

Überraschung Nummer Fünf: Der Garten vom Restaurant ist ein Paradies. Eine himmlische Ruhe, und eine Idylle vom Feinsten:

Der Garten vom Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Der Garten vom Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta
Der Garten vom Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Der Garten vom Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta
Eintritt zum Garten vom Restaurant 'Gato Blanco' im Tigre-Delta
Eintritt zum Garten vom Restaurant ‚Gato Blanco‘ im Tigre-Delta

Der Trubel vom Zubringer war vergessen, die Idee dort hinzufahren war klasse.

Leider wurde es wieder Zeit zurück nach Buenos Aires zu fahren, ich hätte gerne länger bleiben können. Dieses Mal hatten wir kein Problem einen Sitzplatz zu bekommen. Der kleine Junge gegenüber hatte meinen Spaß mit mir. Er hatte mich auf der einen Stunden Fahrt mindestens zweihundert Mal mit einem Stock symbolisch erschossen, obwohl ich meine Handyhülle oder ähnliches als Schild nutzte. Ich spielte mit, und hatte es ohne bleibende Schäden überlebt.

Kurz vor dem Hafen fuhren wir am Ruder Club vorbei, das Gebäude ist etwas bescheidener als die Konkurrenz gegenüber:

Buenos Aires Rowing Club, Tigre
Buenos Aires Rowing Club, Tigre

achdem wir wieder am Hafen angekommen waren:

Der Hafen von Tigre
Der Hafen von Tigre

fuhren wir zurück nach Buenos Aires, dass wir in den Abendstunden erreichten:

Buenos Aires am Abend
Buenos Aires am Abend

Wie ließen es uns bei Sushi und Bier in einem Restaurant im Puerto Madero gut gehen, und genossen die Aussicht auf den Fluss Rio de la Plata:

Puerto Madero am Abend, Buenos Aires
Puerto Madero am Abend, Buenos Aires

Leider musste ich nun Abschied nehmen von Maria. Auf diesem Wege ein ganz großes Dank für deine Gastfreundschaft! Du hast dafür gesorgt, dass ich das Leben in Argentinien nicht nur aus Touristenansicht von einem Bus aus gesehen hatte, sondern mitten im Leben war. Vielen vielen Dank dafür!

Der Flug nach Ushuaia

Zurück im Novotel war nur noch Zeit für einen kurzen Absacker, denn mein Wecker würde am nächsten Morgen um halb vier angehen, der Abflug war um 6:25 nach Ushuaia.

Das meisterte ich problemlos, aber beim Auschecken wurde es albern. Ich buchte einen privaten Shuttle, erschienen war ein reguläres Taxi. Natürlich zum erhöhten Shuttle-Preis. Auf die Frage zum Agenten in T-Shirt mit nuschelten Englisch ob der Unterschied nur der höhere Preis wäre, sagte der Depp auch noch ja. Anscheinend zeigten meine böse Worte und Blicke aber Wirkung, denn auf einmal sollte ich nur die Hälfte des Preises bezahlen, der Rest übernimmt das Hotel. Ergab kein Sinn, egal. Der Fahrer war dadurch nicht begeistert, anscheinend arbeiten die Mitarbeiter und die Taxi Mafia zusammen.

Beim Einchecken für den Flug in den Süden von Argentinien, das Online nicht möglich war, hatte ich einen bereits von Hapag Lloyd zugewiesenen Sitzplatz bekommen, in einer voll belegten Dreierreihe. Da ich wusste, dass der Flug nicht ausgebucht war, fragte ich nach einem Sitz mit einer Chance auf einen Nebenplatz, und hatte ungefragt einen Platz am Notausgang erhalten, cool. Hier waren auch die beiden Nebensitze belegt, aber durch cleveres Tauschen aller Betroffen der Sitze mit mehr Abstand hatten alle auch noch einen Nebensitz neben sich frei.

Meine Nachbarin erwies sich als die stellvertretende Restaurant-Leiterin der HANSEATIC nature, mit der ich interessante Gespräche führte. Kurz vor der Landung wechselte sie sogar ungefragt ihren Fensterplatz mit mir, das war eine nette Geste. Dadurch hatte ich einen schönen Blick auf die Bergwelt von Feuerland:

Anflug auf Ushuaia
Anflug auf Ushuaia
Anflug auf Ushuaia
Anflug auf Ushuaia
Anflug auf Ushuaia
Anflug auf Ushuaia

Der Empfang am Flughafen von der Reederei war unglücklich gelöst. Ich hatte nach Erhalt der Buchungs-Unterlagen an mein Reisebüro geschrieben: ‚Bei dem Flug nach Ushuaia blicke ich überhaupt nicht durch. Ausgeschrieben als Charterflug, hat er aber eine Flugnummer, die für jeden Passagier frei buchbar ist, und in dem regulären Flugplan der Fluglinie enthalten ist‘.

Ich kenne mich in der Branche aus, aber mein Hinweis wurde von der Reederei leider nicht ernst genommen, mit Folgen nach der Landung. Am Gepäckband erzählte mir eine Mitarbeiterin, dass ich auf das Gepäck nicht warten müsste, weil ich ein Sonderflug hatte. Am Ausgang wurde ich zurückgewiesen, dass ich mit dem Linienflug das Gepäck selbst abholen muss. Später das gleiche Spiel: Eine Mitarbeiterin teilte mir einen Ausflug-Bus mit dem Passagieren des Sonderfluges zu, der nächste schickte mich wieder weg, weil ich Linie flog.

Es gab wegen Corona bei den Unterlagen ein Formular, wo wir bestätigten mussten, dass wir vor der Reise nicht in China waren. Das war mittlerweile veraltet, im Iran und Südkorea waren Fälle aufgetreten, auch wer dort war in der letzten Zeit durfte nicht an Bord. Ein neues auszufüllen war kein Aufwand für mich, nur gab es im Bus nicht genug Exemplare dafür. Ich fügte handschriftlich die beiden Ländernamen in meiner bereits ausgefüllten alten Version zu, und wartete ab ob ich damit das Schiff betreten durfte.

Ich hoffte, dass die Vorgänge am Flughafen Ausrutscher waren, professionell war das Verfahren nicht.

Ushuaia

Nachdem alles mit Gepäck, Ausflugsbus und Ausreisen aus weit entfernten Ländern geregelt war, begann ein Ausflug in die Umgebung von Ushuaia, zum Nationalpark Tierra de Fuego. Dort hatte es vier Tage geregnet am Stück, und wir hatten die erste trockene Periode danach erwischt, Glück gehabt. Blicke auf die Stadt, sie liegt an der Südseite der Großen Feuerland-Insel am Beagle-Kanal:

Blick auf Ushuaia
Blick auf Ushuaia
Blick auf Ushuaia
Blick auf Ushuaia

Im Hafen liegt im Hintergrund links die HANSEATIC nature, sie sollte für die nächsten zweieinhalb Wochen meine Unterkunft sein. Wir waren nicht die einzigen die dort anlegten, Ushuaia ist das Tor zur Antarktis, und nirgendwo sonst ist der weiße Kontinent so nah wie hier:

Blick auf den Hafen von Ushuaia mit der HANSEATIC nature
Blick auf den Hafen von Ushuaia mit der HANSEATIC nature

Nach kurzer Zeit stoppten wir für einen kurzen Spaziergang, um uns etwas im Ort herumzuschauen. Ich lief zu riesigen Buchstaben, die das Wort des Ortes ergeben. Und ich konnte nach fast 4 1/2 Stunden Wartezeit ein Bild ohne Personen darauf aufnehmen:

Welcome to Ushuaia
Welcome to Ushuaia

Die schneebedeckten Berge waren greifbar nahe zur Innenstadt:

Blick auf Ushuaia
Blick auf Ushuaia

und ich sah meinen ersten Pinguin der Reise. Vorweggenommen: Nicht der Letzte.

Ein Haus mit Pinguin in Ushuaia
Ein Haus mit Pinguin in Ushuaia

Kontrast-Programm: Die MS Saint Christopher wird wohl nicht mehr fahren. 1943 wurde sie als Rettungsschlepper im US-Bundesstaat Maine eingesetzt, fuhr ab 1944 für die British Royal Navy, steuerte danach als Handelsschiff, und lief nach einem fehlgeschlagenen Rettungsmanöver 1954 auf Grund:

Die MS Saint Christopher in Ushuaia
Die MS Saint Christopher in Ushuaia

aber diese Segelboote werden bestimmt noch einmal auslaufen:

Segelboote in Ushuaia
Segelboote in Ushuaia

Wir fuhren weiter in die Berge, wo ein Mittagessen serviert wurde. Bei der Ankündigung ‚Ein Franzose kocht in den Bergen von Feuerland‘ gingen bei mir die Alarmglocken an. Erst recht beim Blick auf die Ausflugsbusse vor dem Lokal, und der banalen Einrichtung innen. Ich sah ein Debakel und Massenabfütterung voraus, und bestellte nur einen Salat, der immerhin im Kantinen-Niveau serviert wurde. Der Rest der Gruppe biss sich die Zähne an zähen Steaks aus, die zudem noch fast alle wenig angefasst zurück in die Küche gingen. Schade.

Ich spazierte lieber etwas herum, und hatte einen tollen Blick auf die Stadt und den Flughafen:

Blick auf Ushuaia
Blick auf Ushuaia

Schön gelegen war das Restaurant, hier der Blick auf die Straße wo es liegt:

In den Bergen von Feuerland
In den Bergen von Feuerland

Nationalpark Tierra del Fuego

Nun ging es in den Nationalpark Tierra del Fuego. Er war einst Lebensraum der Yaghan-Indianer und diente auch als Strafkolonie. Er erstreckt sich über 63.000 Hektar und bietet sehr vielfältige Landschaften. Von herrlichen See-Landschaften:

See-Landschaft im Nationalpark Tierra del Fuego
See-Landschaft im Nationalpark Tierra del Fuego
See-Landschaft im Nationalpark Tierra del Fuego
See-Landschaft im Nationalpark Tierra del Fuego

zu beeindruckenden Berge:

Blick auf Berge im Nationalpark Tierra del Fuego
Blick auf Berge im Nationalpark Tierra del Fuego
Blick auf Berge im Nationalpark Tierra del Fuego
Blick auf Berge im Nationalpark Tierra del Fuego

Wir konnten auf Holzstegen spazieren, um die Natur zu genießen:

Wandern im Nationalpark Tierra del Fuego
Wandern im Nationalpark Tierra del Fuego

und urige Wälder erkunden:

Ein Wald im Nationalpark Tierra del Fuego
Ein Wald im Nationalpark Tierra del Fuego

Leider gab es auch ein Lowlight. Die Argentinier leben gerne in Superlativen: Das beste Fleisch, der beste Fußballspieler, die südlichste Stadt der Welt, … Stopp! Ushuaia wird so bezeichnet, dabei werden aber Stanley in Falkland und Puerto William direkt gegenüber in Chile und beide südlicher gelegen einfach ignoriert. Wie auch hier mit diesem Postamt, ‚das südlichste der Welt‘. Das von Port Lockroy in der Antarktis zählt wohl nicht, warum auch immer. Es ist trotzdem eine Attraktion, ähnlich wie das Nordkap. Etliche Busladungen voller Touristen werden dorthin gefahren, die von dort Postkarten versenden, und wieder zurück zum Schiff kehren:

Eines der südlichsten Postämter der Welt
Eines der südlichsten Postämter der Welt

War das Bild in Ushuaia mit den Buchstaben bereits eine Herausforderung ohne Personen aufzunehmen, war es hier ein Meisterwerk. Geduld und moderne Bild-Bearbeitungsprogramme machten es möglich. Solche Orte muss es auch geben, dafür ist man an anderen Stellen ein paar Meter weiter alleine, weil die Masse auf einen Haufen bleibt.

Nach dem Ausflug und der Ankunft am Schiff hatte die sympathische lokale Reiseleitung gesagt:

Genießen Sie das Leben solange es ist wie im Moment. Und denken sie daran, dass sie Privilegien und Reisen genießen, die sonst auf der Welt fast niemand hat.

Wahre Worte, und das ohne die tatsächliche Entwicklung durch Corona zu wissen. Stark.

Bei dem Betreten des Schiffes waren die Kontrollen wegen Corona harmlos. Niemand hatte was dagegen, dass ich das Formular schriftlich ergänzt hatte, und der Arzt an Bord machte mir einen besonnenen Eindruck. Die befürchtete Hysterie mit Fieber-Messung etc. gab es nicht, und wir konnten direkt auf die Kabine. Nach nur relativ kurzer Zeit verließen wir Ushuaia, nicht gerade mit einem perfekten Wetter für so einen Anlass:

Der Auslauf der MS HANSEATIC nature in Ushuaia
Der Auslauf der MS HANSEATIC nature in Ushuaia

Ich war froh, dass die Kreuzfahrt losging, und freute mich auf spannende Wochen. Beim Auslauf waren mir die Tränen gekommen, aber nicht wegen dem Regen. Selbst beim Erstellen dieses Berichtes mit dem Einstellen von diesem Video lief es nicht gerade emotionslos bei mir ab:

Der Auslauf der MS HANSEATIC nature in Ushuaia

Erwartungsvoll fuhren wir Richtung Chile, zum Garibaldi-Gletscher. Die Zodiac-Tour dort war ultracool, wie auch mein erstes schnelles Rendezvous an Bord.

12 Tage bis zum Game Over: Garibaldi-Gletscher in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 1

Kurz nach der Abfahrt aus Ushuaia bogen wir in den Beagle-Channel ein, und hatten damit chilenisches Gewässer erreicht. Wie legten im nahe gelegenen Puerto Williams an, um die Einreiseformalitäten für das Land durchzuführen. Aussteigen war nicht erlaubt, ich hätte es auch verschlafen da es mitten in der Nacht war. Ich war froh den ersten Tag in diesem Urlaub ausschlafen zu können, es wurden zehn Stunden am Stück. Auf eine persönliche Dokumente- und Gesundheits-Kontrolle wurde verzichtet. So etwas hatte ich schon bei anderen Kreuzfahrten erlebt, es endete in einer peinlichen Schlafanzug-Parade vor den Schalter mit den Behörden an Bord.

Als ich aufwachte, navigierten wir durch den Beagle-Kanal. Da wurde mir erst bewusst, dass wir das berüchtigte Kap Hoorn gar nicht umrunden mussten, für Segler das gefährlichste Gebiet der Welt. Unser kleines Schiff kann einen Weg durch den Kanal finden, und dadurch die ‚Allee der Gletscher‘ passieren. Ohne die Dauer-Stürme, die aufgewühlten See und 280 Regentage im Jahr am Kap weiter südlich. Gut so.

Natürlich ging ich nach draußen an Deck. Wir fuhren ruhig, und sahen sonnige Bergrücken:

Der Garibaldi Fjord
Der Garibaldi Fjord

schneebedeckte Bergketten:

Der Garibaldi Fjord
Der Garibaldi Fjord

und kleine Wasserfälle, die von den Bergen an den Fjordwänden ins Tal stürzen:

Der Garibaldi Fjord
Der Garibaldi Fjord

Das alles und noch viel mehr konnten wir von der luxuriösen MS HANSEATIC nature von verschiedenen Decks aus beobachten, was nicht nur mir viel Spaß bereitete, der ernste Blick von mir täuscht:

Zinni im Garibaldi Fjord
Zinni im Garibaldi Fjord

Wir sahen eine zauberhafte Kulisse in der schmalen Fahrrinne vom Garibaldi-Fjord.

Wir hatten kaum Wind und relativ wenig Eis im Wasser, und konnten dadurch sehr nahe an den gleichnamigen Gletscher herankommen:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

der bis ins Wasser herunter reicht. Der weiße Schnee, das blaue Eis und der Fjordhang ergaben eine traumhafte Symphonie:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

Das war natürlich noch nicht alles. Ich schnappte mir meine Schwimmweste aus der Kabine, hatte mich regensicher angezogen, und stieg mit meiner Kamera bewaffnet in ein Zodiac, das sind kleine Gummi-Schlauchboote mit Motorantrieb. Ziel war es näher an den Gletscher heranzukommen als dies mit dem Schiff möglich war. Die ersten beiden Minuten regnete es, aber wie so oft in Chile änderte sich das Wetter schlagartig. Hätte auch umgekehrt sein können, besser so herum. Bereits die Anfahrt war faszinierend, wir blickten zurück auf die HANSEATIC nature:

Die HANSEATIC nature im Garibaldi Fjord
Die HANSEATIC nature im Garibaldi Fjord

und nach vorne auf den Gletscher:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

der so hoch wie ein Hochhaus vor uns emporragte:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

das Zodiac wirkt wie ein Boot aus einer Walnussschale dagegen:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

Dieser Gletscher ist einer der weltweit wenigen wachsenden Gletscher. Seine Front ist etwa achthundert Meter breit:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

auch ein Blick nach oben lohnt sich:

Der Garibaldi Gletscher
Der Garibaldi Gletscher

Wow.

François de La Rochefoucauld ahnte das im 17. Jahrhundert bereits: ‚Man sollte sich darüber erstaunen, dass man sich überhaupt noch erstaunen kann‘.

Mit einem schnellen Auge und etwas Glück war ein Gletscher-Kalben ab und zu sichtbar:

Der Garibaldi Gletscher kalbt
Der Garibaldi Gletscher kalbt

Hier wird dieses fantastische Erlebnis ‚Patagonia Moment‘ genannt.

Unsere Zodiac-Driver war die charmante und sympatische Aniko, und Fitness Coach auf unserem Schiff:

Unsere perfekte Zodiak-Fahrerin
Unsere perfekte Zodiak-Fahrerin

Sie steuerte souverän das Boot durch den Fjord und das eisige Wasser:

Eiszeit im Garibaldi Gletscher
Eiszeit im Garibaldi Gletscher
Eiszeit im Garibaldi Gletscher
Eiszeit im Garibaldi Gletscher
Fahrt durch das Eis im Garibaldi Gletscher

folgte diesem Zodiac:

Bird Watcher im Garibaldi Gletscher
Bird Watcher im Garibaldi Gletscher

zum Beobachten von diesem Schar von Kormoranen:

Kormorane im Garibaldi Gletscher
Kormorane im Garibaldi Gletscher
Kormorane im Garibaldi Gletscher
Kormorane im Garibaldi Gletscher
Kormorane im Garibaldi Gletscher
Kormorane im Garibaldi Gletscher

und hier der Zinni der Kormorane, allein und weg von der Meute, weil er seine Ruhe haben möchte:

Ein Kormoran im Garibaldi Gletscher
Ein Kormoran im Garibaldi Gletscher

Zu meiner Freude sahen wir auch Geier:

Geier im Garibaldi Gletscher
Geier im Garibaldi Gletscher

und beendeten den Einblick in die lokale artenreiche Fauna mit Blicke auf Seehunde:

Seehunde im Garibaldi Gletscher
Seehunde im Garibaldi Gletscher

Das hatte Aniko prima gemacht, ich dachte sie wäre ein ‚alter Hase‘ darin. Sorry für das ‚alt‘ liebe Aniko. Später erzählte sie, dass es ihre erste Fahrt war nach dem notwenigen Training dafür. Respekt und Chapeau für diese Leistung!

Ultracool war noch dieser klare Eisberg:

Ice in Black im Garibaldi Gletscher
Ice in Black im Garibaldi Gletscher

Nur diese fotografische Leistung eines Mitreisenden ist verbesserungswürdig:

Zinni im Garibaldi Gletscher
Zinni im Garibaldi Gletscher

aber das kann ich verschmerzen. So schön wie der Tag war, gönnte ich mir nach der Rückkehr an Bord einen Champagner Cocktail. Sämtliche Erinnerungen an Corona, Alltag und Arbeit waren weggespült.

Champagner auf der HANSEATIC nature
Champagner auf der HANSEATIC nature

So wie wir in den Garibaldi Gletscher eingefahren waren, ging es wegen Sackgasse auch wieder zurück:

In and Out im Garibaldi Gletscher
In and Out im Garibaldi Gletscher

Wir verließen den Garibaldi Gletscher, und es ging wieder zum Beagle Kanal und Richtung Punta Arenas. Die Landschaft, die sich vor unseren Augen ausbreitete, könnte malerischer nicht mehr sein:

Unterwegs im Beagle Kanal
Unterwegs im Beagle Kanal
Unterwegs im Beagle Kanal
Unterwegs im Beagle Kanal

Wer meint diese Passage wäre eng verweise ich auf ein paar Kapitel später:

Fahrt durch den Garibaldi Gletscher

Wir erreichten den südlichsten Punkt ab dem man bis zur Arktis zu Fuß laufen kann. Kann man machen, muss man aber nicht. In meinem Leben vermute ich realisiere ich das nicht mehr.

Durch die Nähe zum Pazifik wurde das Meer rauer:

Unterwegs im Beagle Kanal
Unterwegs im Beagle Kanal

Ich war dankbar, dass ich mit Aniko zusammen die Tour durchführen konnte, und sie freute sich, dass ich ein paar Bilder von ihr aufgenommen hatte für sie. Ein guter Grund am Abend zusammen essen zu gehen.

Wie es mir sonst an Bord ergangen war folgt in einem separaten Kapitel. Im nächsten geht es zuerst nach Punta Arenas, zu Pinguinen ohne Scheu und zu wilden Kondore.

11 Tage bis zum Game Over: Punta Arenas in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 0

Insel Magdalena

Der erste Blick am Morgen auf die Stadt Punta Arenas, der einzigen Großstadt Richtung Atlantik in Chile, war cool:

Blick auf Punta Arenas
Blick auf Punta Arenas

Sie liegt auf dem chilenischen Festland gegenüber der Insel Feuerland, und hat circa 125.000 Einwohnern. Hier befindet sich unter anderem die ‚Bomba Alemana‘, die letzte deutsche Feuerwehrwache vor der Antarktis. Kurzfristig hatte ich zwei Ausflüge in die Umgebung gebucht zum Tiere anschauen. Ich war schon einmal in der Stadt, und auf einen allgegenwärtigen Besuch von Hauptplatz, Palast, Museum und Fischmarkt hatte ich keine Lust.

Am Vormittag ging es lieber zum ‚Penguin watching‘. Es war frühes Aufstehen angesagt, aber Schlafen kann ich zu Hause oder im Büro nach dem Urlaub genug. Ich verließ die HANSEATIC nature Richtung Ausflugsbusse:

Die HANSEATIC nature im Hafen von Punta Arenas
Die HANSEATIC nature im Hafen von Punta Arenas

wo die Morgendämmerung für eine magische Stimmung sorgte:

Im Hafen von Punta Arenas
Im Hafen von Punta Arenas
Im Hafen von Punta Arenas
Im Hafen von Punta Arenas

Per Bus ging es kurzweilige fünfundzwanzig Kilometer nördlich der Magellanstraße entlang zu der Laredo Bucht, und von dort mit einem von der Reederei gecharterten Boot:

Fahrt zur Insel Magdalena
Fahrt zur Insel Magdalena

durch eisiges Wasser zur kargen Insel Magdalena.

In der Brücke wartete der souveräne Kapitän auf die Abfahrt:

Der Kapitän auf der Fahrt zur Insel Magdalena
Der Kapitän auf der Fahrt zur Insel Magdalena

und wir hatten auf Grund seiner Ausstrahlung vollstes Vertrauen in ihn. Er sah aus wie ein wahrer Meister der Nautik, gegen ihn erscheinen die vom Traumschiff wie Freizeit-Kapitäne.

Er brachte uns sicher zur Insel Magdalena:

Ankunft auf der Insel Magdalena
Ankunft auf der Insel Magdalena

auf der sich eine riesige Kolonie von ca. 150.000 Magellan-Pinguinen befindet:

Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena
Pinguine auf der Insel Magdalena

Während der Brutzeit zwischen Oktober und April ziehen etwa 60.000 Magallan-Pinguinpaare durch optimale Bedingungen ihren Nachwuchs groß. Wir sahen viele verspielte Pinguinen in ihrem natürlichen Lebensraum:

Verliebte Jungs auf der Insel Magdalena
Verliebte Jungs auf der Insel Magdalena
Pinguin beim Putzen

Die Magallan-Pinguine sind zwischen 70 und 90 Zentimeter groß:

Magallan-Pinguine auf der Insel Magdalena
Magallan-Pinguine auf der Insel Magdalena

Es ist die einzige Pinguinart, die keine Scheu vor Menschen hat. Sie ließen uns ganz nah an sie herankommen. Pflicht war trotzdem ein Abstand von zwei Meter, da sie auch kraftvoll zubeißen können:

Pinguine in zwei Meter Abstand auf der Insel Magdalena
Pinguine in zwei Meter Abstand auf der Insel Magdalena

Die jungen Pinguine haben noch Federn, und können noch nicht schwimmen:

Mr. Pinguin Junior, Insel Magdalena
Mr. Pinguin Junior, Insel Magdalena

Bei unserem Rundgang über die Insel hatten wir einen ständigen Blick auf den Leuchtturm der Insel:

Pinguine und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena
Pinguine und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena
Pinguine und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena
Pinguine und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena
Touristen und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena
Touristen und der Leuchtturm auf der Insel Magdalen
Pinguine und der Leuchtturm auf der Insel Magdalena

Hier befindet sich auch das bewegende Denkmal: ‚El Pájaro Vivo‘:

Das Denkmal 'El Pájaro Vivo', Insel Magdalena
Das Denkmal ‚El Pájaro Vivo‘, Insel Magdalena

Zehn Minuten später war es verschwunden, merkwürdig. Nicht nur dieser Vogel wunderte sich darüber:

Kein Pinguin auf der Insel Magdalena
Kein Pinguin auf der Insel Magdalena

Wir liefen zurück Richtung Boot, um zum Festland und der HANSATIC nature zu fahren:

Bye Bye Insel Magdalena
Bye Bye Insel Magdalena

sahen dabei noch einmal auf das Kliff mit vielen Vögel:

Bye Bye Insel Magdalena
Bye Bye Insel Magdalena

und auf die bescheidene Unterkunft der Ranger, ohne Nachbarn und McDonald’s in der Nähe:

Bye Bye Insel Magdalena
Bye Bye Insel Magdalena

Der Spaziergang über die Insel hatte sich gelohnt, Natur pur mit einer überschaubaren Anzahl an Besuchern. Im Boot wurde Pisco und Tee gereicht:

Service an Bord
Service an Bord

Estancia ‚Olga Teresa‘

Nach der Busfahrt zum Hafen von Punta Arenas hatte ich nicht viel Zeit zum Verschnaufen, geschweige denn zum Mittagessen. Der Grund: Für den Nachmittag hatte ich einen Ausflug zum Beobachten von Kondore gebucht. Ich verließ wieder den Hafen:

Im Hafen von Punta Arenas
Im Hafen von Punta Arenas

Mit der passenden Musik ‚El Condor Pasa‘ im Hintergrund ging es eine Stunde lang mit dem Bus auch durch Industrieviertel:

Busfahrt zu den Kondore, mit passender musikalischen Unterhaltung

Ziel war die Estancia ‚Olga Teresa‘, um uns dort auf die Spur der Kondore, der Nationalvogel des Landes zu begeben:

Eingang zur Estancia Olga Teresa
Eingang zur Estancia Olga Teresa
Auf dem Weg zur Estancia Olga Teresa
Auf dem Weg zur Estancia Olga Teresa

Wir hatten einen kurzen Stopp in der urigen Farm:

In der Estancia Olga Teresa
In der Estancia Olga Teresa

wo wir einiges über die Greifvögel erfahren konnten. Nur noch etwa zehntausend Kondore soll es in der gesamten Anden-Region geben. Mit bis zu drei Metern Flügelspannweite und einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm sind sie nach dem Albatros die größten Vögel der Erde. Trotzdem war dieser eine Ausnahme:

Ein Kondor-Gigant
Ein Kondor-Gigant

Für die Wissbegierigen, die noch mehr über Kondore wissen möchten habe ich dieses Bild erstellt. Damit erspare ich mir das eintippen:

Viele Infos zu Kondore
Viele Infos zu Kondore

Schade dass die Bar geschlossen war, ein Cerveza oder Pisco hätte ich vertragen können:

Die leider geschlossene Bar
Die leider geschlossene Bar

Wir führen weiter zu dem Hügel ‚Cerro Palomares‘, der die größte ‚Condorera‘ (Kondor-Nistplätze) im chilenischen Patagonien beheimatet:

Der Kondor Hügel 'Cerro Palomares'
Der Kondor Hügel ‚Cerro Palomares‘

Es lagen professionelle Ferngläser bereit, um die freilebenden Kondore näher sehen zu können:

Ferngläser für die Kondor Beobachtung
Ferngläser für die Kondor Beobachtung

Es ist der einzige Ort der Welt, um auf einfachen Weg wilde Kondors zu beobachten. Bis zu fünfzig fliegen ab und zu gleichzeitig über den Hügel, bei uns waren es in etwa zwanzig. Es war ein spektakulärer Anblick, aber von weiter weg aus gesehen wie erhofft. Denn ausgeschrieben war der Ausflug mit der Passage: ’nach einem kurzen Aufstieg bzw. auch von unten aus können Sie hier erwachsene Tiere und Jungtiere im natürlichen Lebensraum beobachten‘. Für den Hügel zu besteigen war keine Zeit, obwohl das keine große Herausforderung sein sollte, schade. Wir blieben ‚unten‘ zusammen:

Gemeinsames Kondore beobachten
Gemeinsames Kondore beobachten

So blieben mir die Blicke auf die fantastischen Vögel nur von unten, und nicht auf Augenhöhe zu genießen:

Zinni auf Kondor-Sichtung
Zinni auf Kondor-Sichtung

Aber auch das war aufregend genug:

Kondore in Chile
Kondore in Chile
Kondore in Chile
Kondore in Chile
Kondor-Sichtung

Kondor-Sichtung

Kondor-Sichtung

Es standen uns zwei mächtige Teleskope zur Verfügung:

Teleskope zur Kondor-Suchen
Teleskope zur Kondor-Suchen

um näher diese Fels-Wald nach Kondore abzusuchen:

Die Heimat der Kondore
Die Heimat der Kondore

Wenn Vögel im Kliff gefunden wurden, konnte man laut dem Betreiber ein ‚Trophäenfoto‘ schießen:

Ein Kondor vom Teleskop aus gesehen
Ein Kondor vom Teleskop aus gesehen
Ein Kondor vom Teleskop aus gesehen
Ein Kondor vom Teleskop aus gesehen
Zwei Kondore vom Teleskop aus gesehen
Zwei Kondore vom Teleskop aus gesehen

Wer jetzt denkt, es wäre einfach solche Bilder mit dem Handy vom Teleskop aus aufzunehmen irrt sich gewaltig. Diese Aufnahmen waren von dem lokalen Guide von meinem Handy aus für mich gemacht. Ich selbst probierte es einige Mal aus, das ist noch das beste und trotzdem bescheidene Ergebnis:

Zinnis Teleskop-Handy-Kondor-Versuch
Zinnis Teleskop-Handy-Kondor-Versuch

Der Guide selbst benötigte viel Übung, um das heutige Knowhow zu erreichen. Er war in allen Belangen ein guter Gastgeber, wusste alle Fragen zu beantworten, und war sehr hilfsbereit. Ich hatte ich mir nicht seinen Namen notiert, um ihn hier positiv zu erwähnen. Ich habe Eduardo im Hinterkopf, muss aber nicht stimmen.

Mit Blick auf die Steppe verließen wir das Vogelparadies, und fuhren zurück nach Punta Arenas:

Die unendliche Weite von Patagoniens Steppe
Die unendliche Weite von Patagoniens Steppe

Bis auf die falsche Ausschreibung (keine Augenhöhe mit den Kondore) war es ein gigantisch tierischer Tag. Von der Stadt Punta Arenas selbst hatte ich nichts gesehen, und verkraftet.

Stimmungsvoll verließen wir den Hafen:

Abschied von Punta Arenas
Abschied von Punta Arenas
Der Abschied aus Punta Arenas

Das Tages- bzw. Abend-Programm war damit aber noch nicht beendet. Ein nicht ausgeschriebener Höhepunkt war der fantastisch aussehende Himmel, in vielen Ausprägungen:

Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile
Gute Nacht Chile

Ein wunderschöner Tag ging zu Ende. Ich freute mich auf die Durchquerung der Magellanstraße am nächsten Tag. Das dies ein Traum für alle Fotografen werden würde, ahnte ich damals noch nicht einmal im Ansatz.

10 Tage bis zum Game Over: Magellanstraße in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 0

‚Auf See mit Kurs Puerto Natales‘ war das bescheidene Motto des Tages. Auf dem Programm standen so spannende Punkte wie ‚Fit in den Tag‘, ‚Allgemeine Einführung in die Geologie von Chile‘ und ‚Entdecken Sie das Wissenslabor‘. Wir fuhren durch die Magellanstraße. Sie ist eine Meerenge mit zahlreichen Inseln und Seitenarmen zwischen dem südamerikanischen Festland und südlichen Inseln wie Feuerland. Sie verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean, und vermeidet die Umrundung des meist stürmisches Kap Hoorn.

Da die See in der vorherigen Nacht unruhig war:

Eine unruhige See

schwänzte ich das ausgeschriebene Programm, und ging nach dem Frühstück und einen Blick nach draußen:

Tristesse in der Magellan Straße
Tristesse in der Magellan Straße

auf Grund von Nebel / Regen / Niederschlag / Dunst / Schleier / Trübung / Schwaden / Suppe (nach beliebiger Wahl etwas auswählen) wieder in die Kabine zum auszuruhen bis zum Mittagessen. Ich war froh darum, weil ich auch gerädert war durch die vielen Aktivitäten der letzten Tage. Für den Nachmittag plante ich das gleiche, weil es ähnlich aussah wie am Morgen:

Grau in Grau in der Magellan Straße
Grau in Grau in der Magellan Straße

Ich beabsichtigte eine weitere Augenpflege zu meiner Erholung. Durch Zufall lief ich einen Umweg über die Außendecks zurück zur Kabine. Das ‚Wunder von der Magellan Straße‘ hatte begonnen, und ich sah gebannt auf die Wasser-Spiegelungen am Bug der HANSEATIC nature:

Das 'Wunder von der Magellan Straße'
Das ‚Wunder von der Magellan Straße‘

Ich ging in die Kabine zurück, aber nicht zum Ausruhen, sondern nur um meine Kamera zu holen. Der Spielverderber war die faszinierende Natur. Die Landschaft spiegelte sich glasklar auf dem Wasser, wem das Herz hier nicht aus fotografischer Sicht vor Aufregung rast, kann seine Kamera entsorgen:

Spiegelungen in der Magellan Straße
Spiegelungen in der Magellan Straße
Spiegelungen in der Magellan Straße
Spiegelungen in der Magellan Straße

Ich war in meinem ‚Zinni-Urlaubs‘ Element:

Zinni und die Magellan Straße
Zinni und die Magellan Straße

Alleine war ich nicht, aber es hatte sich verlaufen. Drängeleien um die besten Plätze gab es nicht:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Was für ein Schauplatz! Ich musste dringend wieder zurück in die Kabine, um ein paar Herztabletten zu nehmen um meinen hohen Puls wegen der Aufregung zu senken. Unsinn, ich blieb auf dem Deck, denn ich wollte solche Moments nicht verpassen:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Als ich dachte, dass es keine Steigerung mehr gab, kam die Stunde meines ‚Zauber-Berges‘:

Mein Zauberberg in der Magellan Straße
Mein Zauberberg in der Magellan Straße
Mein Zauberberg in der Magellan Straße
Mein Zauberberg in der Magellan Straße

Er sah aus wie gemalt:

Mein Zauberberg in der Magellan Straße
Mein Zauberberg in der Magellan Straße

und ich hatte den Himmel auf Erden vor mir:

Mein Zauberberg in der Magellan Straße
Mein Zauberberg in der Magellan Straße

Wir sahen die Weite der Meerenge:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Stille Momente:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Schroffe Berge:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Sanfte Landschaften:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Ruhiges Terrain:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

Friedliche Augenblicke:

Unterwegs in der Magellan Straße
Unterwegs in der Magellan Straße

und diesen erhabenen Gletscher:

Ein Gletscher in der Magellan Straße
Ein Gletscher in der Magellan Straße
Ein Gletscher in der Magellan Straße
Ein Gletscher in der Magellan Straße
Ein Gletscher in der Magellan Straße
Ein Gletscher in der Magellan Straße

Die spektakulärste Stelle die wir passierten, war die ‚Angostura Kirke‘, auf Englisch ‚Kirke Narrows‘. Der Kirke-Kanal ist gut neun Kilometer lang, und kann nur bei Ebbe befahren werden. An der engsten Stelle ist er siebenunddreißig Meter breit:

Die nächstmögliche Straße links abbiegen
Die nächstmögliche Straße links abbiegen

und die HANSEATIC nature hat eine Breite von zweiundzwanzig Meter:

Die HANSEATIC nature kurz vor der 'Angostura Kirke'
Die HANSEATIC nature kurz vor der ‚Angostura Kirke‘

Wir näherten uns langsam aber sicher der engsten Stelle:

Die HANSEATIC nature kurz vor der 'Angostura Kirke'
Die HANSEATIC nature kurz vor der ‚Angostura Kirke‘

windig war es wie man im Video hört:

Die Engstelle ‚Kirke Narrows‘

wagten uns in die Enge:

Kurz vor der 'Angostura Kirke'
Kurz vor der ‚Angostura Kirke‘

fuhren dort knapp an der Küste entlang:

In der 'Angostura Kirke'
In der ‚Angostura Kirke‘

und unbehelligt wieder heraus:

Geschafft!
Geschafft!

Die Landschaft der Enge folgend ließ schon ahnen wo mein Ausflug am nächsten Morgen hinging: In die charakteristischen Berge des Nationalparks Torres del Paine:

Blick auf den Nationalpark Torres del Paine
Blick auf den Nationalpark Torres del Paine

Die Sonne ging auf dem Weg nach Puerto Natales stimmungsvoll unter:

Auf dem Weg nach Puerto Natales
Auf dem Weg nach Puerto Natales

und ich hörte mir dazu Pianomelodien zum Tagesausklang von unserem Bordmusiker an:

Die Magellan Straße, begleitet von Tschaikowskis Schwanenseet

Die Magellan Straße, begleitet von ‚Weißt du wo die Blumen sind‘

bis wir Puerto Natales erreicht hatten:

Blick auf Puerto Natales
Blick auf Puerto Natales

Ein unerwarteter unbeschreiblich schöner Tag ging zu Ende. Am nächsten Tag stand der vermeintliche Höhepunkt der Kreuzfahrt an, eine Wanderung im Nationalpark Torres del Paine. Mit unvergleichlichen Bergen, blaue Seen, eine einsame Pampa, und Flüsse voller Eisberge und Eisfelder.

9 Tage bis zum Game Over: Puerto Natales in Chile

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Auf dem Weg zum Torres del Paine

Der kleine Ort Puerto Natales im Süden Chiles ist ‚der‘ Ausgangspunkt für Touren zum Nationalpark Torres del Paine, und tief in den Fjorden Patagoniens versteckt. Auf der Landkarte ist bei einem groben Blick keine Verbindung zum Pazifik zu sehen. Die Fjorde um Puerto Natales sind sehr verwinkelt, aber spanische Entdecker bereits im 16. und die HANSEATIC nature im 21. Jahrhundert hatten ihren Weg durch das Labyrinth aus Felsen gefunden. Ich denke dazwischen noch ein paar mehr.

Der längste und anstrengendste Ausflug auf dieser Reise stand an für mich. Eine Busfahrt zu dem Nationalpark im Herzen Patagoniens sollte ein Pflichtprogramm sein, das für viele als das Highlight einer Rundreise in Chile gilt. Ich dagegen hatte lange überlegt ob ich mir das überhaupt antun soll.

Nicht wegen der acht Kilometer langen Wanderung, sondern den fünf Stunden sitzen in einem Bus. Da ich aber in diese Gegend so schnell wahrscheinlich nicht mehr hinkomme, und es keine großen anderen Alternativen gab die mich interessierten, entschloss ich trotz ewiges im Bus auszuhalten die Exkursion zu buchen. Auf der Arbeit sitze ich ja auch tatenlos neun Stunden am Tag herum und jammere nicht.

Für die bekannten Mehrtages-Trecks namens ‚W‘ und ‚O‘ war natürlich im Rahmen einer Kreuzfahrt keine Zeit, und ist eher Naturfreaks vorbehalten. Es wurden auf dem Schiff Ausflüge mit den Schwierigkeitsgraden ’sehr leicht‘, ‚leicht‘, ‚moderat‘, ‚anspruchsvoll‘ und ‚aktiv‘ angeboten. Besonders vital hatte ich anscheinend bei der Beratung nicht ausgesehen, denn von dem anspruchsvollen oder gar dem aktiven Trip wurde mir abgeraten.

Als alter Mann wurde mir der Gang zum Mirador Cuernos empfohlen. Diese Tour hatte den Vorteil, dass ich bei dem Marsch nicht zusammen mit der Gruppe laufen musste, weil es den gleichen Weg wieder zurück ging. Das ergab den Ausschlag bei mir, und ich folgte der Empfehlung nur ein moderater Passagier zu sein.

Durch die lange Busfahrt ging der Ausflug früh los, zu früh nach einem langen Abend. Die Stimmung im Hafen war friedlich und entspannt, das Wetter erschien passend ohne das jahreszeitlich typische grau am Morgen:

Guten Morgen Puerto Natales
Guten Morgen Puerto Natales
Guten Morgen Puerto Natales
Guten Morgen Puerto Natales

Zum ersten (und leider auch zum einzigen Mal) sahen wir Guanakos, eine wildlebende Kamel-Art und die Stammform des domestizierten Lamas:

Guanakos im Torres del Paine Nationalpark
Guanakos im Torres del Paine Nationalpark

An einer trostlosen Unterstellung hielten wir an, um den ersten Blick auf ‚Türme des blauen Himmels‘, die Las Torres zu werfen. Es war noch trüb, und die drei nebeneinanderstehende, imposant aufragende Fels-Türme waren eher zu erahnen als zu erkennen:

Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark

Nicht nur ich hatte es mir etwas klarer vorgestellt. Wobei der Guide meinte, dass wir Glück haben. Oft würde man gar nichts erkennen. Auch ein näherer Blick darauf war nicht besser:

Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark

Aber das Wetter dort ändert sich schneller, als man sein Objektiv wechseln kann. Wenn es bedeckt ist, schließt man daraus ‚Der Himmel ist genau jetzt bedeckt‘. Was in ein paar Minuten sein wird, weiß niemand:

Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark

Man muss Geduld haben, auch wenn es Stunden dauern kann. Bei uns ging es schneller, und es war von Minute zu Minute mehr zu sehen von den ‚drei Zinnen‘ (nicht drei Zinnis), angelehnt an die Ähnlichkeit mit den Pedanten der Dolomiten. Im Unterschied zu den ähnlich aussehenden Karpaten besteht das Gebirge aber hier aus Granit, und in Italien aus Kalk:

Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark

Dieser Vogel:

Im Nationalpark 'Torres del Paine'
Im Nationalpark ‚Torres del Paine‘

wies uns den Weg zu einer fast klaren Sicht. Da waren sie, die ‚Las Torres‘, wenn auch nur im Hintergrund:

Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark

und sahen aus wie gemalt. Ein längerer Blick darauf wurde uns erlaubt.

Die Sonne hatte sich langsam sehen lassen:

Blick auf die 'Las Torres' im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf die ‚Las Torres‘ im Torres del Paine Nationalpark

was Hoffnung auf ein schönes Wetter später im Park machte. Was für ein Wetterwechsel in ein paar Minuten, was aber hier mehr die Regel als die Ausnahme ist.

Nun lohnte sich auch ein Blick auf die Umgebung:

Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark

Was diesem Gürteltier leider verwahrt war. Es hatte leider seine besten Zeiten hinter sich:

Ein Gürteltier im Torres del Paine Nationalpark
Ein Gürteltier im Torres del Paine Nationalpark

Wasserfall Salto Grande

Wir fuhren weiter zum Wasserfall Salto Grande, dem Startpunkt unserer Wanderung. Durch die schlechten Straßenverhältnisse war durch das Ruckeln eine ‚Chilenische Massage‘ im Preis inbegriffen:

Unterwegs im Torres del Paine Nationalpark
Unterwegs im Torres del Paine Nationalpark

Vom Parkplatz aus gingen wir per pedes nur einige Minuten lang zum Aussichtspunkt am Salto Grande. Ein (wie der Name schon auf Spanisch sagt) ‚großer Wasserfall‘. Er rauscht tosend über die Felsen:

Der Wasserfall 'Salto Grande' im Torres del Paine Nationalpark
Der Wasserfall ‚Salto Grande‘ im Torres del Paine Nationalpark
Der Wasserfall 'Salto Grande' im Torres del Paine Nationalpark
Der Wasserfall ‚Salto Grande‘ im Torres del Paine Nationalpark
Der Salto-Grande-Wasserfall

Bereits hier waren die Folgen von einem katastrophalen Waldbrand in 2012 zu erkennen:

Folgen eines Waldbrandes am Wasserfall 'Salto Grande' im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes am Wasserfall ‚Salto Grande‘ im Torres del Paine Nationalpark

Faszinierend anzusehen waren diese skurrilen Bäume, trotz einer traurigen Geschichte: Ein 23-jähriger israelischer Tourist zündete den Wald an, als er Toilettenpapier verbrennen wollte. Fast 13.000 Hektar Wald waren verbrannt, davon ein Drittel Wald und zwei Drittel Weiden- und Steppenlandschaft. Der vermutliche Täter musste dafür in das Gefängnis, und eine hohe Strafe zahlen. Bereits im Jahr 2005 hatte ein Feuer (ebenfalls von unvorsichtigen Touristen verursacht) etwa 15.000 Hektar des Naturschutzgebietes zerstört.

Frei und abgewandelt nach Georg Simmel:

‚Die Welt kann man nicht verändern. Aber gewisse Sauereien kann man abstellen anstellen

Aussichtspunkt Cuernos

Von dort aus hatte der Marsch zu dem Aussichtspunkt Cuernos begonnen. Wir liefen auf einem weitgehend ebenen Kiesweg durch die patagonische Steppe:

Wandern im Torres del Paine Nationalpark
Wandern im Torres del Paine Nationalpark

und hatten dabei stets einen tollen Blick auf das Paine-Massiv. Die berühmten ‚Las Torres‘ waren auf unserer Tour nicht zu sehen, aber auch diese Bergkette hatte mich schwer beeindruckt:

Blick auf das Paine-Massiv im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf das Paine-Massiv im Torres del Paine Nationalpark

Unsere Gruppe verteilte sich, die einen liefen schneller (so wie ich), andere (viele) langsamer. Ich wollte mich absetzen und vorlaufen, weil ich auf einen Gänsemarsch keine Lust hatte. Unserem Guide war dies nicht recht, er wollte seine Schäfchen zusammenhalten. Der genannte Grund ‚Wenn ich stürzen würde hilft mir keiner‘ war albern. Wir waren nicht die einzigen auf dem Pfad, und er war auf dem gleichen Weg wie ich, nur etwas dahinter.

Verlaufen konnte man sich auch nicht. Nach dem Hinweis von mir, dass dies mir auf dem Schiff versprochen wurde, gab er doch sein ok. Gut so, denn die anderen Gäste waren mir einfach zu langsam. Auch wenn ich dadurch wahrscheinlich von dem einen oder anderen die Attribute ‚Ungeduld‘ oder ‚Er ist auf der Flucht‘ zugewiesen bekommen hatte.

Immer wieder zu sehen waren die Folgen des bereits angesprochenen Waldbrand. Sie sind eine Ewigkeit lang zu sehen, denn das Holz modert nicht:

Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark
Folgen eines Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark

Auf der einen Seite interessant, surreal und skurril anzusehen, aber die Begleitumstände dazu sind natürlich traurig. Zur Abwechslung gab es auch einen See zu sehen:

Ein See im Torres del Paine Nationalpark
Ein See im Torres del Paine Nationalpark

Die Spannung steigerte sich, je näher ich dem Ziel angekommen war. Nicht nur bei mir:

Zinni klein, Natur groß
Zinni klein, Natur groß

sondern auch bei anderen Besuchern:

Wir klein, Natur groß
Wir klein, Natur groß

Als ich am Mirador Cuernos angekommen war:

Blick vom Mirador Cuernos auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark
Blick vom Mirador Cuernos auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark

hatte ich natürlich einen ‚Wow‘ Effekt. Wem so etwas nicht gefällt, der kann gleich zu Hause bleiben. Ich war mir wie im ‚Herr der Ringe‘ Land vorgekommen:

Blick auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark

Bei angeblichen 21 Grad (mir war es kälter vorgekommen) war es eine Wonne sich dort aufzuhalten. Wenn auch strahlend blauer Himmel nicht durchgehend war. Hatte aber auch was:

Blick auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark
Blick auf Felsformationen im Torres del Paine Nationalpark

Ich hatte eine Demut, die ich beim Spazieren gehen durch den Taunus nicht habe. Warum meine Busladung nicht zu diesem Punkt ging, sondern eine Station vorher stoppte hatte sich mir nicht erschlossen.

Es ging den gleichen Weg zurück, so langsam musste ich mich von dieser großartigen Szenerie verabschieden:

Meine letzten Blicke auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark
Meine letzten Blicke auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark
Meine letzten Blicke auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark
Meine letzten Blicke auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark

Zurück am Bus fuhren wir zu einem Campingplatz weiter, und dem Lowlight des Tages:

Camping im Torres del Paine Nationalpark
Camping im Torres del Paine Nationalpark

Ausgeschrieben war ‚Unterwegs stärken Sie sich mit dem Inhalt einer Lunch-Box‘. Das Essen hatte übelerregend gestunken. Ich hätte freiwillig nicht einen Bissen herunterbekommen, und alles wurde sofort entsorgt. Auf so einen ‚Genuss‘ verzichtete ich gerne. Gestärkt hätte sich niemand davon, eher das Gegenteil. Wer so etwas erzeugt oder vertreibt meldet sich am besten an für eine Umschulung auf einen Beruf der nichts mit Essen & Trinken zu tun hat. So einen Fraß anzubieten bei einem Ausflug der 229 Euro kostete war dreist.

An Bord wurde es entschuldigt, dass kein Essen in Chile vom Schiff aus an Land gebracht werden darf. Aber es gibt dort bestimmt die Auswahl zwischen unterschiedlichen Providern … Auch sollten wir uns zum Essen auf den Erdboden setzen ohne eine Sitzgelegenheit, was mich an das Klassenfahrten-Niveau meiner Kindheit erinnerte. Andere Bustouren sah ich in Restaurants einkehren, es ist nicht so dass es kein Angebot vor Ort gibt. Wir waren nicht auf einer Expedition zu unberührten Gebieten. Das Preis-Leistungsverhältnis passte nicht, Note Sechs, setzen. Einige Gäste stornierten (zumindest hatten mir es einige erzählt) alle restlichen Ausflüge daraufhin.

Wenigstens entschädigte der allerallerletzte Blick auf die Berge:

Nicht nur mein letzter Blick auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark
Nicht nur mein letzter Blick auf die Berge im Torres del Paine Nationalpark

Wir fuhren zurück zum Schiff mit der Ankündigung: ‚Es erwartet Sie der Bus für eine Fahrt durch den Nationalpark mit vielen Fotostopps an verschiedenen Aussichtspunkten‘. Das war maßlos übertrieben. Es wurde zweimal angehalten, wobei der Reiseleiter uns bei einem davon noch glaubhaft machen wollte, dass dieser spontan von ihm ausgedacht sei, und nicht im Programm steht.

Trotzdem war der Ausflug sicherlich einer der Höhepunkte der Reise. Auch wenn ich die ‚moderate‘ Lösung auch rückwärts laufend mit ein paar Handstand-Überschlägen und Purzelbäumen dazwischen geschafft hätte. Ich bin wahrscheinlich fitter, als die Reiseleitung mich eingeschätzt hatte.

Puerto Natales

Nach der langen Rückfahrt nach Puerto Natales hatte ich Durst. Einen großen. Ein Mitarbeiter vom Schiff hatte mir die Cervecería Baguales empfohlen, die ich sofort stürmte. Hier hatte es mir auf Anhieb gefallen. Das Craft-Bier war gut, und der Wirt war lustig. Der Schlawiner stellte sich hinter mich, ohne dass ich das mitbekommen hatte bei der Aufnahme:

Ein lustiger Wirt und Zinni in der Cervecería Baguales in Puerto Natales

Ich war froh mal abseits der Schiffsszene unterwegs zu sein. Ich verzichtete auf Putenbrust und Co. an Bord, und bestellte mir in der Kneipe mein Abendessen, einen leckeren Hamburger:

Ein Hochheimer isst Hamburger in der Cervecería Baguales in Puerto Natales
Ein Hochheimer isst Hamburger in der Cervecería Baguales in Puerto Natales

Ich blieb lange dort, denn es gab genügend Einheimisches zu probieren:

Ein Prost auf die Cervecería Baguales in Puerto Natales
Ein Prost auf die Cervecería Baguales in Puerto Natales

Auf dem Weg zurück zum Schiff war eine herrliche und mittlerweile nächtliche Stimmung mit einem tollen Licht:

Nachts in Puerto Natales
Nachts in Puerto Natales
Die HANSEATIC nature in der Nacht in Puerto Natales
Die HANSEATIC nature in der Nacht in Puerto Natales

Bis auf das Kulinarische am Mittag ging ein wunderschöner Tag zu Ende. Am nächsten Tag war ein Seetag vorgesehen, und es war Zeit mir die HANSEATIC nature genauer anzusehen. Das Verfassen des Kapitels dazu war für mich eine Herausforderung. Vieles war vom Feinsten, aber einiges auch zu bemängeln.

8 Tage bis zum Game Over: HANSEATIC nature

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 3

Dieses Kapitel war schwierig für mich zu schreiben. Ich berichte lieber über atemberaubende Berge, als über Mängel im Service. Aber wie ich das Schiff empfunden hatte gehört zu einem kompletten Bericht über die Reise.

Rückblick

Airport Kangerlussuaq in Grönland, in 2013: Ich wartete auf den Aufruf für meinen Rückflug mit der Air Greenland nach Dänemark. Der Airport ist klein und urig. Einheimische fliegen mit Angel-Hosen, dicke Parker und Wollmützen, als Handgepäck nehmen sie ihre Waffen mit an Bord. Inmitten dieser Passagiere saßen Kreuzfahrt Gäste mit Frack und Fliege von der MS Europa, eingecheckt für einen LTU Charterflug nach Düsseldorf. Ich hatte selten so etwas Deplatziertes gesehen, und mir vorgenommen nie ein Schiff der Hapag Lloyd Reederei zu betreten. Ich konnte mir nicht vorstellen, mich in so einer Scheinwelt wohl zu fühlen.

Acht Jahre später: Meine Skepsis war geringer geworden. Es ist mittlerweile auf den Schiffen der Reederei legerer, und nicht mehr der Kabinen-Butler entscheidet was man am Abend anzieht, sondern man selbst. Dieser Umstand und die tolle Route hatte mich überzeugt, doch einmal eine Kreuzfahrt mit Hapag Lloyd auszuprobieren.

Der erste Eindruck von der HANSEATIC nature war nicht so toll, das hatte ich nach der Landung in Ushuaia bereits beschrieben. Ich konnte nur hoffen, dass es besser wird. Der Empfang auf dem Schiff war freundlich, und ich konnte relativ schnell meine Kabine beziehen:

Die Kabine

Was für eine elende Behausung:

Meine Kabine auf der MS HANSEATIC nature
Meine Kabine auf der MS HANSEATIC nature

Quatsch. Die Kabine 506 war top, und erfüllte alle meine Ansprüche. Ich hatte eine Panoramakabine, mit ca. einundzwanzig Quadratmeter, was für mich mehr als ausreichend war. Ich hatte stets gut geschlafen (zugegeben mit Bettschwere), und es war sehr sauber und leise. Das Reinigungspersonal (ich vermute aus den Philippinen) war immer gut gelaunt und freundlich. Für mich waren das kleine Engel, die ich in mein Herz geschlossen hatte.

Das große Panorama-Fenster sorgte für tolle Ausblicke nach dem Aufwachen:

Blick aus Kabine 506 auf der MS HANSEATIC nature
Blick aus Kabine 506 auf der MS HANSEATIC nature

Die geliehenen Utensilien wie Fernglas, Northern Walking Stöcke und Rucksack (den mitnehmen zu können nach der Reise ist bei anderen Gesellschaften Standard) nutzte ich nicht. Einmal-Umschläge wurden leider wie bei anderen Reedereien auch unnötig viel zu viel benutzt und entsorgt, schade um das Papier.

Ich vermisste für ein Schiff in dieser Preisklasse ab und zu einmal eine kleine Überraschung. Etwa ein Lesezeichen, ein Reiseführer über die Umgebung, eine kleine Käseplatte oder sowas in der Art. Die proportionalen Kosten zum Reisepreis sind gering, aber die Wirkung immens. Zumindest bei mir.

Mit der Reinigung war ich nur bedingt zufrieden. Ob man morgens um sieben anklopfen muss, um den Zinni in Schlafwäsche seine gereinigten Kleider zu übergeben weiß ich nicht. Beim nächsten Abgeben meiner dreckigen Klamotten war nach drei Tagen noch nichts angeliefert worden. Mittlerweile hatte ich fast einen Notstand an gewaschener Kleidung, und ging an die Rezeption zur Nachfrage.

Danach erschien die Leiterin der Reinigung meiner Kabine. Sie teilte mir mit, dass nichts unternommen wurde, weil in einem Poloshirt von mir ein kleines Loch war. Sie wollte vor der Bearbeitung bestätigt haben, dass dies bereits vorhanden war. Um das zu klären hätte ich in der Kabine sein sollen, ohne ein ‚Bitte nicht stören‘ Schild an der Tür. Mir fällt kein Grund ein was ich da soll. Es gibt ja noch andere Kommunikationsmittel, zum Beispiel eine geschriebene Nachricht.

Ich fühlte mich immer wohl in der Kabine, und sie wurde zu meiner kleinen Heimat während der Fahrt. Nur dort aufhalten wollte ich mich natürlich nicht. Die meisten werden es ahnen, nach meiner Kabine ist stets mein zweiter Gang auf einem Schiff zu einer Bar, wie auch hier. Es gibt drei an Bord, ich hatte mit der im HanseAtrium begonnen:

HanseAtrium

Das HanseAtrium vereint Lounge, Bar und Vortragsraum in einem. Riesige Monitore dienen als Projektionsfläche für Vorträge. Zwischendurch präsentieren sie Fahrtgebiete der Expeditionsschiffe:

Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature
Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature
Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature
Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature

Platz für alle Passagiere sollte sein, nachgezählt hatte ich nicht:

Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature
Das HanseAtrium auf der HANSEATIC nature

Hier fanden Pre- und Recap statt (Vor- und Nachbereitung der Destinationen), Empfänge von dem Kapitän und seiner Crew und Vorträge. Das war für mich mehr Nebensache, ich konzentrierte mich auf die Bar:

Die Bar im HanseAtrium
Die Bar im HanseAtrium

Die Musikbox ist mehr Zier, während meiner Reise sah ich niemanden der sie benutzt hatte. Zum Glück. Ein kurzer Blick auf die Titelliste war das Grauen für meinen Geschmack. Am Abend gab es einen DJ, der gerne nach meinen Wünschen auflegte. Die Tresen wurden mein Wohnzimmer auf der Kreuzfahrt, auch wenn es hier im Gegensatz zu den Plätzen mit Sesseln in der ersten Klasse keine hochwertigen Nüsse (wie mit Wasabi) gab, sondern für das einfache Volk wie mich nur biedere Salzstangen, warum auch immer:

Zinni in der Bar im HanseAtrium
Zinni in der Bar im HanseAtrium

Die nette und immer gut gelaunte Crew versorgte mich natürlich nach Anfrage auch damit.

Mein Lieblings-Getränk wurde schnell ein Dog Watch Gin aus Falkland:

Gin aus Falkland in der Bar im HanseAtrium
Gin aus Falkland in der Bar im HanseAtrium

auch wenn ich beim Trinken davon nie einen Hund gesehen hatte.

Dem Piano-Spieler hörte ich gerne bei seinen Melodien zu:

Pianomelodien in der Bar im HanseAtrium
Pianomelodien in der Bar im HanseAtrium

Leider saß ich trotzdem oft alleine an der Bar, viel los war dort nie. So wechselte ich die Lokation, und ging in die Observation Lounge:

Observation Lounge

Am Eingang der Observation Lounge zieht sich quer über die Wand eine auffällig mattweiße Installation, eine Woge aus Plastikflaschen und -tuben:

Der Eingang der Observation Lounge
Der Eingang der Observation Lounge

Zur Lounge angehörend ist eine Bar und eine gut bestückte Bibliothek, und sie dient als Aussichtsbereich. Die großen Fenster eröffnen eine 180-Grad-Sicht auf die Natur:

In der Observation Lounge auf der HANSEATIC nature
In der Observation Lounge auf der HANSEATIC nature

Wobei die Plätze in der ersten Reihe bei schönem Wetter sehr begehrt waren, frühes kommen war angesagt. Leider gab es auch ‚Handtuchbelegungen‘ wie sonst üblich bei Liegen an Swimming-Pools.

An jedem Abend wurde Piano gespielt:

Piano-Melodien

Der große Relief-Globus stammt von der alten Hanseatic, dem Vorgänger Schiff ohne einen ’nature‘ Zusatz.

Der Service dort war leider ab und zu etwas behäbig. Manchmal wurde ich ignoriert, und Gäste die lange nach mir gekommen waren wurden freundlich mit ‚Wie war der Tag Familie Müller‘ und einem Gläschen Sekt begrüßt. Warum das so war (nicht nur dort) hatte ich nicht herausfinden können. Vielleicht weil ich Single bin, in einer der günstigsten Kabine schlief, den Altersdurchschnitt senkte, oder Statuslos bei der Reederei bin (bei Kreuzfahrten bin ich nicht loyal), keine Ahnung. Merkwürdig fand ich die Antwort von der Bedienung nach der Frage ob ich die Getränke-Karte haben kann: ‚Da sind nur alkoholische Getränke enthalten‘. Was trinkt man denn gewöhnlich in einer Bar? Und wie ein Minderjähriger sehe ich bestimmt nicht aus.

Oft traf ich dort Mitreisende zu einem Schwätzchen, das nächste Thema:

Die Passagiere

Es waren circa zweihundert Passagiere an Bord, damit war das Schiff fast ausgebucht. Die meisten Gäste stammten aus Deutschland, aber auch viele von der Schweiz und aus Österreich. Die Bordsprache war ausschließlich in Deutsch. Viele Gäste waren sehr nett wie dieses Paar, und immer für einen Plausch zu haben:

Nette Gäste auf der MS HANSEATIC nature
Nette Gäste auf der MS HANSEATIC nature

Prost darauf, und vielen Dank an euch beiden für das schöne Bild das ihr von mir aufgenommen habt! Eine andere Passagierin war die Mutter von einem ehemaligen Spieler meines Fußball-Lieblings Vereins, eine sehr nette Frau! Ich hatte nur kurz mit ihr gesprochen, aber bei so einem Sohn kann es nicht anders sein.

Andere Gästen war die HANSEATIC nature heilig. Für diese Klienten ist Hapag Lloyd das Nonplusultra, und Kritik daran wurde nicht akzeptiert. Man fährt ja immerhin schon seit Jahrzehnten nur mit denen, da kann es nichts Besseres geben. Ich ließ sie in ihrem Glauben. Einige der Passagiere hatten bei dem Benehmen lernen nicht aufgepasst, und mischten sich ungefragt in Gespräche ein die sie nichts angingen.

Gerade diese feierten sich selbst, weil sie für eine Weinprobe in Valparaíso 360 Euro ausgegeben hatten, und dass diese das Optimale überhaupt war was man dort unternehmen konnte. Wie so oft: Der Ausflug an dem man nicht dabei war ist immer der Beste … Dass ich das Gleiche (eher mehr) auf eigene Faust für einen Bruchteil der Kosten individuell erlebte interessiere sie nicht.

Noch ein paar Beispiele wo ich nur den Kopf schütteln konnte:

Wie der Zufall so spielt, hatte ich auf einer Tour eine lokale Reiseleiterin, die mit dem Inhaber einer Pension befreundet ist, in der ich vor zwanzig Jahren gewohnt hatte. Das erzählte ich abends einer Passagierin. Diese meinte das steigern zu können. Sie war in Las Vegas bereits zweimal (wow), und beides Mal hatte sie das gleiche! Hotel gebucht. Was für eine Sensation. Nein, verstanden hatte ich den Zusammenhang zu meiner Geschichte nicht, und was da Besonderes dabei gewesen war.

Zu der Person, die in Zeiten von Corona in die Hand nießt, und unmittelbar danach seinen Kumpel umarmt hatte ich danach immer reichlich Abstand gehalten. Dies ist schon in Friedenszeiten nicht zu empfehlen, aber im Krieg gegen die Grippe mehr als verwerflich.

Bei der Sicherheitseinweisung hatte ein Passagier in meiner Nähe gemeint, genau in den zehn Minuten von den achtzehn Tagen laut über etwas Banales zu berichten, so dass niemand in der Umgebung die wissenswerten Anweisungen der Crew verstanden hatte. Ein kurzer und heftiger Einwand von mir stoppte diesen Unfug.

Als Abschluss darüber die Frage:

Woran erkennt man, dass ein Passagier auf der HANSEATIC nature in der Business Klasse angereist war?

Spoiler:
Er erzählt es einem


Kommt bei amerikanischen Luxus-Schiffen wie Silversea und Seabourn bei einem höheren Quotienten wo es zutrifft nie vor. Selbst wenn es die First war, das wird diskret dort an Bord verschwiegen. Der Angeber-Anteil hier war weitaus höher.

Trotz diesen Fällen: Generell ging es an Bord gesitteter und ohne Gedrängel zu als auf anderen deutschen Kreuzfahrt-Schiffen.

Der Eingang zur Brücke war fast immer für die Passagiere geöffnet:

Die Brücke / Technische Daten der HANSEATIC nature

Die Taufe der HANSEATIC nature fand am 4. Mai 2019 am Kreuzfahrt-Terminal in Hamburg-Altona mit Crew und Mitarbeitern der Reederei statt.

Ein paar technische Daten, wenn von Interesse:

Tonnage: 15.651 BRZ
Abmessungen: 139 Meter lang, 22 Meter breit, Tiefgang: 5,75 Meter
Eisklasse: PC6 (höchst mögliche für Passagierschiffe)
Reichweite/Ausdauer: Knapp 15.000 Kilometer *
Bauwerft: Rumpf bei Vard Tulcea (Rumänien), Ausrüstung bei Vard Langsten (Norwegen)
Flagge: Bahamas
Crew: 175
Passagiere: Zwischen 199 und 230 je nach Ziel
Kabinen/Suiten: 120
Passagierdecks: 7
Zodiacs: 17

* Die Reichweite von 15.000 Kilometer reicht für bis zu sechsunddreißig Tagen autonom auf See zu sein. Das erschließt zu Fahrtzielen, die anderen verwehrt sind. Ich hoffe, wenn ich an Bord bin, dass dann auch das Bier reicht.

Natürlich wird bei einem neuen Schiff nicht mit einem sperrigen und großen Steuerrad hantiert, sondern mit modernster Technik gesteuert:

Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature
Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature
Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature
Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature
Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature
Auf der Brücke der MS HANSEATIC nature

Ich war nur einmal kurz dort, denn ich bin nicht ein Technik Freak. Lieber ging ich nach Draußen:

Die Außenbereiche

Im Swimmingpool war ich nie drin, und weiß nicht ob der geheizt war oder nicht. Da ab und zu sich jemand darin verirrte vermute ich ja. Die Pinguine sollen auf das immer größer werdende Problem des Plastikmülls in den Meeren hinweisen. Es wurden Flip-Flops an den Stränden Kenias gesammelt, und in Kunstwerke verwandelt:

Ein Pinguin am Pool der MS HANSEATIC nature
Ein Pinguin am Pool der MS HANSEATIC nature

An der Poolbar hatte ich nur einmal gesessen. Es war mir meist zu frisch, ich fand die Sessel unbequem, und es wurde geraucht dort. Kalt ausgesehen hatten die Getränke:

Getränke von der Poolbar auf der HANSEATIC nature
Getränke von der Poolbar auf der HANSEATIC nature

Ich ließ mich lieber weit weg davon bedienen:

Zinni hatte Durst auf der HANSEATIC nature
Zinni hatte Durst auf der HANSEATIC nature

Platz war stets genug:

Das Außendeck auf der HANSEATIC nature
Das Außendeck auf der HANSEATIC nature

Ein Feature der HANSEATIC nature und ein stetiger Favorit der Passagiere waren die zwei seitlich ausfahrbaren Glasbalkone. Die etwas zehn Meter lange Plattform besteht aus Glas, lässt sich knapp zwei Meter über die Bordwand hinaus nach außen fahren, und bietet einen ungehinderten Blick auf die 14 Meter tiefer liegende Wasseroberfläche:

Der Glasbalkon der MS HANSEATIC nature
Der Glasbalkon der MS HANSEATIC nature

Ich fand es eine sehr gelungene Idee, und etwas Neues:

Zinni in Gefahr und seinem Gang über dem Glasbalkon

Der lange Marsch sorgte für Hunger, und für den zu stillen gab es drei unterschiedliche Restaurants:

Die Restaurants

Hamptons

Eines davon ist das Spezialitätenrestaurant ‚Hamptons‘ mit seinen 44 Sitzplätzen. Die Speisen dort sind inspiriert von der amerikanischen Ostküste, und geprägt von Meeresfrüchten und BBQ, Salaten und Gemüse. Das Restaurant ist reservierungspflichtig, und kostet keinen Aufpreis. Meine Idee am ersten Tag war, dort einzukehren, weil die meisten müde von der Anreise waren, und sich das für spätere Tage aufgehoben hatten. Meine Rechnung ging auf, das Lokal war fast leer:

Im Restaurant 'Hamptons' auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant ‚Hamptons‘ auf der HANSEATIC nature

Ich wurde nicht enttäuscht, die Küchenleistung und der Service waren Spitzenklasse:

Im Restaurant 'Hamptons' auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant ‚Hamptons‘ auf der HANSEATIC nature

Direkt wurde es vor mir als Lieblings-Restaurant an Bord gekürt, ohne die beiden anderen zu kennen. Jetzt kommt leider das große ‚ABER‘: Ich konnte noch an zwei anderen Tagen einen Platz reservieren mit jeweils anderen Menüs, nur spontan dort einkehren war nicht möglich, damit jeder Gast die Möglichkeit hat dort zu speisen. Leuchtet mir ein, widerspricht sich aber mit der Philosophie: ‚Damit sich die Kulinarik nach dem Expeditionserlebnis richtet und nicht umgekehrt, gibt es flexible Tischzeiten und freie Tischplatzwahl, was für alle Restaurants an Bord gilt‚. Eben nicht. Und leider war der dritte Besuch wegen Corona entfallen, schade.

Hanseatic

Im Hauptrestaurant Hanseatic finden bis zu 178 Personen Platz, das Bild zeigt nur einen kleinen Teil davon:

Das Restaurant 'Hanseatic' auf der HANSEATIC nature
Das Restaurant ‚Hanseatic‘ auf der HANSEATIC nature

Die Aussicht durch die großen Panoramafenster war phantastisch:

Zinni im Restaurant 'Hanseatic' auf der HANSEATIC nature
Zinni im Restaurant ‚Hanseatic‘ auf der HANSEATIC nature

Gespeist wurde in einer Sitzung, und die Auswahl der Menüs orientierte sich an den Zielgebieten:

Im Restaurant 'Hanseatic' auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant ‚Hanseatic‘ auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant 'Hanseatic' auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant ‚Hanseatic‘ auf der HANSEATIC nature
Lido

Alles war top, trotzdem war ich nicht oft dort. Zum Frühstück und Mittagessen nicht einmal. Ich bevorzugte lieber das Lido-Restaurant, weil es dort Selbstbedienung gab. Es bietet im Innenbereich 84 Personen und im Außenbereich 100 Personen Platz. Die Speisen waren oft die gleichen wie im Bedienungs-Restaurant, und die Einrichtung war auch schick:

Im Restaurant 'Lido' auf der HANSEATIC nature
Im Restaurant ‚Lido‘ auf der HANSEATIC nature

Ich fühlte mich in meinem ‚Stammbereich‘ wohl, und hatte die nette Bedienung aus dem Schwabenland schnell liebgewonnen. Sie wies mich oft auf Gimmicks hin, die ich Schussel übersehen hatte (Begrüßungs-Cocktail, Grillen im Außenbereich etc.). Die Speisen waren abwechslungsreich, und es gab oft Sonderaktionen wie das Motto ‚Lachs‘:

Variationen vom Lachs im Restaurant 'Lido' auf der HANSEATIC nature
Variationen vom Lachs im Restaurant ‚Lido‘ auf der HANSEATIC nature

oder Sushi:

Sushi im Restaurant 'Lido' auf der HANSEATIC nature
Sushi im Restaurant ‚Lido‘ auf der HANSEATIC nature

Bemerkenswert war die Aufmerksamkeit der Küchen-Crew hinter den Tresen. Jedem Extra-Wunsch wurde nachgegangen, und Fragen wegen Allergienen etc. wurden fachgerecht beantwortet.

An einem Abend ging es mir nicht gut. In der Schule meines Patenkindes gab es einen Verdacht auf Corona. Ich dachte die ganze Zeit an den Kleinen, und betete das er nicht betroffen war. Das hatte eine Mitarbeiterin mitbekommen, und mich mit viel Geschick getröstet und beruhigt. Das war eine klasse Aktion von ihr außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit.

Die Abrechnung der Getränke war ohne Unterschreiben und eine Kopie an den Gast. Ich konnte damit gut leben und sammelte noch nie diese Belege, soviel Platz hatte ich nie in einer Kabine. Ist nur ein Alptraum aller Passagiere, die jede Ausgabe akribisch in ihrem Bordbuch notieren, und am Ende alle aufgehobenen Quittungen mit der Gesamtrechnung vergleichen. Ich würde gerne wissen, wenn zu wenig berechnet wird ob das auch gemeldet wird oder nicht …

Unschön wurde es leider beim Mittagessen und bescheidenen Wetter. Dann strömte alles in das Büffet-Restaurant ins Innere, wofür es nicht ausgelegt ist. 84 Sitzplätze reichen nicht für die zweihundert Passagiere, die Schlangen an den Ausgabestationen waren lang, und im großen Bedien-Restaurant war gähnende Leere. Das Konzept geht auf, wenn das Wetter passt und Destinationen wie die Karibik und das Mittelmeer angefahren werden. Bei einem Expeditionsschiff mit Schwerpunkt Arktis und Antarktis eher nicht.

Auch die Planung der Öffnungszeiten war nicht immer geschickt. An einem Tag gingen Ausflüge um 12:45 los, und das Büffet Restaurant öffnete erst um 12:30. Warum sich jemand so etwas ausdenkt hatte sich mir nicht erschlossen.

Durch das gute Essen an Bord habe ich das Gefühl etwas zugenommen zu haben, auf eine Waage gehen traute ich mich nicht:

Der dicke Zinni am Ende der Reise auf der HANSEATIC nature
Der dicke Zinni am Ende der Reise auf der HANSEATIC nature

Dagegen musste etwas unternommen werden, also ging ich zum Ausflugsbüro um Wanderungen zu buchen:

Ausflugsbüro

Die Damen von der Ausflugs-Beratung und Verkauf waren nett und sachkundig, nur an den beiden ersten Tagen der Fahrt waren die Öffnungszeiten viel zu kurz, und es nur war eine Person im Dienst. Dadurch gab es (vermeidbare) lange Schlangen. Warum die Exkursionen nicht in der bordeigenen App gebucht werden konnten verstand ich nicht, das System war doch so gut wie neu.

Enttäuscht war ich vom Angebot der Ausflüge. Es waren für mich erkennbar nur Standard-Touren zu hohen Preisen verfügbar, die nicht zu einem Expeditions-Charakter passen.

Wie auch der gesamte Ablauf der Kreuzfahrt. Geworben wurde mit ‚Genießen sie einen Champagnerempfang direkt auf einer riesigen Eisscholle. Eine aus Palmenblättern gebaute Eisdiele im kristallklaren Wasser der Südsee. Oder frisches Gletschereis für Ihren Drink‚.

Genau so etwas gab es nicht. Solche Momente fehlten mir. Es gab auf der gesamten Fahrt nur eine Sightseeing-Tour mit Zodiacs, ich hatte viel mehr erwartet. Eine im Vorfeld nicht ausgeschriebene Destination wurde als ‚Spontane Überraschung‘ angekündigt, was mir keiner weißmachen kann. Ich bin mir sicher, dass dies im Vorfeld bereits geplant war. Bei einem anderen Ziel organisierte das Dorf einen kleinen Markt, und die Bürgermeisterin hielt eine Rede. Nur genau zu dem Zeitpunkt, als die meisten Gäste auf einem Ausflug waren. Schade für alle Beteiligten.

Selbst das Gletschereis für einen Drink wurde mir verwehrt:

Gletschereis auf der MS HANSEATIC nature
Gletschereis auf der MS HANSEATIC nature

weil das Eis nicht auf Schadstoffe untersucht werden konnte. Alle minderjährigen Leser bitte das nächste Bild überspringen, Pfui!:

Gletschereis auf der MS HANSEATIC nature
Gletschereis auf der MS HANSEATIC nature

Die Gummistiefel-Waschanlage blieb arbeitslos während der Reise, weil wir keine ’nasse‘ Anlandung hatten:

Gummistiefel-Waschanlage auf der MS HANSEATIC nature
Gummistiefel-Waschanlage auf der MS HANSEATIC nature

Einen wirklichen Expeditions-Charakter hatte die Kreuzfahrt nicht. Das wir nicht zu unberührten Gebieten und von Kreuzfahrt Passagieren noch nie erlebten Destinationen fahren würden war mir im Vorfeld klar, nur etwas mehr Abenteuer hätte es sein können.

Nach so viel Essen, Trinken und Organisieren musste noch mein unermüdlicher Wissensdurst gestillt werden:

Vorträge / Ocean Academy

Ich muss mich outen: Als Banause schwänzte ich sämtliche Vorträge wie ‚Eissorten der Kryosphäre und die Rolle Chilenischer Gletscher darin‘ (die Sorten im Restaurant fand ich interessanter) und Aktivitäten wie ein Tuchbindekurs.

Einmal ging ich zur Ocean Academy:

Die Ocean Academy der MS HANSEATIC nature
Die Ocean Academy der MS HANSEATIC nature

deren Herzstück die Study Wall, eine 6 x 1,8 m große, interaktive Touch-Bildschirmwand mit üppigem Themenangebot ist. Es gab regelmäßig Termine, um dort mit den Experten an Bord Fachgespräche zu führen. Ich weiß nicht ob das angekommen war bei den Passagieren, weil ich nie teilgenommen hatte.

Unbeantwortet blieb meine Frage an die Lektoren, welche Landschaft, die mir sehr bekannt vorkommt, auf diesem Bild dargestellt wird:

Kunst auf der MS HANSEATIC nature
Kunst auf der MS HANSEATIC nature

Ich vermute Ostgrönland, bin mir aber nicht sicher. Mittlerweile habe ich Infos bekommen, dass es eine Landschaft in Island sein sollte, ein Danke auf diesem Wege dafür!

Das war der Überblick wie ich die HANSEATIC nature erlebt hatte. Falls jemand von der Reederei hier mitliest: Die Kritik ist nicht böse gemeint. Die HANSEATIC nature ist super, keine Frage, nur kleine Dinge könnten (zumindest für mich) mit einfachen Mitteln noch verbessert werden.

Diese Kreuzfahrt war meine dreiundvierzigste, und hoffentlich nicht die Letzte an Bord von Hapag Lloyd. Ahoi!

Im kommenden Bericht wird es cool, und schön blau. Und wir werden Flipper treffen:

7 Tage bis zum Game Over: Pío XI-Gletscher & Puerto Edén in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 0

Auf See

Ein Tag unter dem Motto ‚Erholung auf See‘ stand an. Wir hatten auf der Reise mehr Tage als nur am Siebten zu ruhen. Da ich nicht auf der AIDA war (Alle Interessiert Der Alkohol), das Schiff mittlerweile in- und auswendig kannte, die Suche nach der Gangway entfällt und kein Postschiff mit Briefen von den Lieben zuhause zu erwarten war blieb nur eines: Nach draußen zu schauen.

Flache und platte Witze (wie mein Satz darüber), über die keiner lacht werden in Chile übrigens als ‚chistes alemanes‚ (deutsche Witze) betitelt. Und das bereits vor meinem Bericht.

Nach der Bord-Durchsage ‚Auf Backbord ein Uhr sind Delfine zu sehen‘ freuten sich einige Gäste noch etwas im Bett liegen bleiben zu können, bevor sie auf das Deck zum Delfin-Watching gingen. Ich dagegen schaute mir um elf Uhr morgens auf der rechten Steuerbordseite diese tollen Tiere an:

Delfine über dem Wasser in den Fjorden von Chile
Delfine über dem Wasser in den Fjorden von Chile
Delfine über dem Wasser in den Fjorden von Chile
Delfine über dem Wasser in den Fjorden von Chile

Die kleine Schule von Delfinen mit ihrer typisch schwarz-weißen Färbung begleitete uns ein Stück:

Delfine über und unter dem Wasser

Wahrscheinlich handelte es sich um ‚Peale Delfine‘. Da aber niemand ein genaues Foto mit der Färbung aufnehmen konnte, hatten selbst die Experten keine einhundert Prozent Antwort auf die Art.

Chile kann prahlen den Längsten zu haben! Es ist das längste Land (vergleichbar von Norwegen in die Sahara), mit den längsten Grenzen und der längsten Küste. Wie hier gut zu sehen, mit unseren letzten Blicken auf den Torres del Paine Nationalpark:

Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark
Der Torres del Paine Nationalpark

In der Breite ist das Land nur einhundertachtzig Kilometer kurz. Es gibt vom Norden aus keine Straße nach Patagonien, wer mit dem Auto dort hin will muss über Argentinien reisen. Wer in Chile bleiben möchte muss fliegen. Oder unternimmt eine Kreuzfahrt wie wir.

Den Rest des Tages brachte ich unbeschadet hinter mich. Mit viel Essen, Trinken, Lesen und Ruhen. Mit unterschiedlichen Reihenfolgen und Frequenzen.

Pio XI-Gletscher

Enttäuscht war ich beim Studieren vom Programm des nächsten Tages. Ausgeschrieben in den Unterlagen war ‚Passieren des Pio XI-Gletscher‘. Ich dachte an einen ähnlichen Ablauf wie am Garibaldi-Gletscher, mit Zodiac-Fahrten um ihn von der Nähe aus ansehen zu können, und vielleicht sogar aussteigen zu können. Ich habe mich selten so bei einer Prognose getäuscht. Es wurde lediglich annonciert: ‚Vom Schiff aus wollen wir einen Blick in Richtung Gletscher werfen‘. Ich schaute auf einen Kalender: Da kein erster April war dachte ich nicht an einen Scherz, die meinten das im Ernst.

Um sieben Uhr am Morgen legten wir am Gletscher an, noch vor dem Sonnenaufgang. Schon bei dem ersten Blick hatte ich gesehen, dass die Lichtverhältnisse nicht optimal waren für gute Aufnahmen, denn es war wolkig und regnerisch:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

Der eindrucksvolle Pio XI-Gletscher wurde früher auch Anna Maria Gletscher und Brüggen Gletscher genannt. Benannt nun ist er nun nach Papst Pius XI, weil er am 16. Juli 1251 die Erlaubnis erteilt hatte, dass Chile Maria del Carmen zur Schutzpatronin des Landes machen durfte.

Wir sahen auf die vier Kilometer lange Gletscherfront:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

und das Eisfeld lag in seiner ganzen Pracht vor uns:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

Die Eismassen verteilen sich auf über eintausend Quadratkilometer:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

Die Wand aus Eis drückt in den Fjord vor und hat sich auf eine Höhe von fünfundsiebzig Meter aufgetürmt:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

Er ist der längste Gletscher der südlichen Hemisphäre außerhalb der Antarktis, und ist neben dem Perito Moreno der einzige in Patagonien, der nicht schrumpft, sondern wächst. Er hat sich in den vergangenen fünfzig Jahren um zehn Kilometer vorgeschoben:

Blick auf den Pio XI-Gletscher
Blick auf den Pio XI-Gletscher

Trotz alle dieser Supernativen war es nicht richtig spannend oder aufregend. Mehr als diese Blicke wurden uns nicht gegönnt. Die Gletscherfront liegt nicht am Wasser, sondern an einem kleinen Sandstrand. Hapag Lloyd schrieb selbst, dass man von dort zum Eisfeld laufen kann. Warum das nicht für uns organisiert wurde weiß ich nicht. Ich hatte das Gefühl ein Rubbellos gekauft zu haben und eine Niete gezogen zu haben.

Das regnerische Wetter dazu war nicht das Beste, ergab aber eine mystische Stimmung:

Die Landschaft in der Umgebung des Pio XI-Gletscher
Die Landschaft in der Umgebung des Pio XI-Gletscher

Puerto Edén

Für den Nachmittag wurde der bereits im Kapitel über das Schiff erwähnte angebliche ‚Überraschungs-Stopp‘ auf der Insel Puerto Edén angekündigt.

Nun war ich doch noch zu meiner erhofften Zodiac-Fahrt an diesem Tag gekommen, allerdings anders als vorgestellt. Sie diente nur als Transport-Mittel zu der kleinen Ortschaft:

Mit Zodiac unterwegs nach Puerto Edén
Mit Zodiac unterwegs nach Puerto Edén

Ich hatte meine Regenhosen in Deutschland vergessen, zum Glück hatte die Boutique auf dem Schiff so viele, dass sie welche verkauft hatten. Diese war für hier bitter nötig, bereits bei der Fahrt und auch nach der Ankunft:

Ein nasser Empfang in Puerto Edén
Ein nasser Empfang in Puerto Edén

¡Bienvenidos a Puerto Edén!

Willkommen in Puerto Edén
Willkommen in Puerto Edén

Puerto Edén ist der Heimatort der letzten Kawesqarr, eine der vier ethnischen Gruppen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Westpatagonien siedelten. Während vor vierzig Jahren noch über sechshundert Menschen hier gelebt haben, wohnen heute nur noch knapp achtzig Einheimische dort, mit Mitarbeitern der Marine und der Polizei etwas über einhundert:

Blick auf Puerto Edén
Blick auf Puerto Edén

Die Stromversorgung wird durch Dieselgeneratoren sichergestellt, bei begrenzter Einschaltung. Für die restliche Zeit gibt es Kerzen. Die Einwohner leben von der Fischerei:

Blick auf Puerto Edén
Blick auf Puerto Edén

Wir hatten Zeit für einen Spaziergang durch das isolierteste Dorf von Chile, ein gut ausgebauter Boardwalk führte uns durch die Ortschaft:

Der Boardwalk von Puerto Edén
Der Boardwalk von Puerto Edén
Der Boardwalk von Puerto Edén
Der Boardwalk von Puerto Edén
Der Boardwalk von Puerto Edén
Der Boardwalk von Puerto Edén

1937 richtete die Chilenische Luftwaffe hier eine Station zur Betankung und Reparatur von Wasserflugzeugen ein. Seit 1940 ist der Ort auch von Zivilpersonen bewohnt, und offiziell gegründet wurde Puerto Edén erst in 1969.

Die Häuser wirkten für unsere Verhältnisse einfach, ich fand sie wunderbar skurril:

Ein Haus in Puerto Edén
Ein Haus in Puerto Edén

Die Zeit scheint hier still zu stehen. Trotzdem gut zu wissen: Alle sechzig Sekunden vergeht in Puerto Edén eine Minute.

Für die fünfzehn Kinder vor Ort gibt es eine Schule:

Die Schule von Puerto Edén
Die Schule von Puerto Edén

Bei der Unterrichtsstunde: ‚Fotografieren ohne Regentropfen im Bild‘ hätte ich teilnehmen können.

Es gibt mehrere Supermärkte, aus Rücksicht auf die schlechte Infrastruktur wurden wir angehalten den Einheimischen nichts weg zu kaufen. Die kleine Siedlung wird nur einmal in der Woche von Versorgungs-Schiffen angelaufen:

Ein Supermarkt in Puerto Edén
Ein Supermarkt in Puerto Edén

Es gibt auch Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. Allerdings nicht buchbar über Booking.com, ein bemerkenswerter Tourismus hat sich bislang noch nicht entwickelt:

Eine Pension in Puerto Edén
Eine Pension in Puerto Edén

Ich lief an einem kleinen Dorf-Fußball-Platz vorbei:

Der Dorf-Fußball-Platz von Puerto Edén
Der Dorf-Fußball-Platz von Puerto Edén

und als sportliche Alternative wurde am 20. Februar ein Treffen der Angler veranstaltet:

Angler-Treff in Puerto Edén
Angler-Treff in Puerto Edén

Die lokale Bevölkerung organisierte einen kleinen Kunstmarkt:

Ein kleiner Kunstmarkt in Puerto Edén
Ein kleiner Kunstmarkt in Puerto Edén

Viele Vögel wie ein Kolibri, Eisvogel oder Kingfisher waren im Ort zu hören, aber leider nicht zu sehen. Außer hier:

Ein Andenken an Puerto Edén
Ein Andenken an Puerto Edén

Die wenigen Einwohner waren sehr freundlich und offen. Ich hatte sie in mein Herz geschlossen:

Andenken aus Puerto Edén
Andenken aus Puerto Edén
Ein Hundi in Puerto Edén
Ein Hundi in Puerto Edén

Wie auch dieser süße Hund, ich war wieder einmal hin und weg verliebt:

Zinnis neuer Freund

Der Sonnenschein war leider nur in flüssiger Form gekommen, und das Wetter wurde nicht besser. Da niemand den ‚AUS‘-Knopf für Regen drückte, hatte ich nach einer guten Stunde genug von dem Dauerregen, und lief zurück zur Anlegestelle der Zodiacs:

Bye Bye Puerto Edén
Bye Bye Puerto Edén

Der Höhepunkt von Puerto Edén war der durchgehende Nieselregen. Ich kann mich nicht erinnern jemals in meinem Leben so nass gewesen zu sein. Tratsch Nass. Kleidung ist alles, und wer glaubt, er kommt in solchen Gegenden mit einer handelsüblichen Deutsche-Touristen-Funktionsjacke durch, der irrt sich. Im Winter wie im Sommer:

Der nasse Zinni zurück von Puerto Edén
Der nasse Zinni zurück von Puerto Edén

Und nein, das war nicht der Dress mit dem ich danach in das Hamptons-Restaurant im Hintergrund eingekehrt war.

Der Tag war unglücklich verlaufen. Hatte natürlich auch viel mit dem Wetter zu tun, aber auch mit dem vorgegebenen Ablauf der Schiffsleitung.

Der Regen stoppte auch auf der Weiterfahrt nicht:

Regen im Fjord
Regen im Fjord
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In der Nacht waren wir zehn Stunden auf dem offenen Meer, bei Windstärke 8, und sieben Meter hohen Wellen. Geschlafen hatte ich wenig, dafür war es zu unruhig. Man muss den Wind in Patagonien als Freund akzeptieren. Die Luft, die einem ins Gesicht bläst, hat die Antarktis schon einmal gesehen. Wer sich darüber beschwert, wird verlieren:

Sturm im Fjord

Zudem sich ständig durch das Schaukeln selbstständig die Schrankwände öffneten mit dem entsprechenden Lärm und Licht. Seekrank war ich aber nicht geworden.

Der Tag und die Nacht waren anders als ich es mir vorgestellt hatte, und es war dann doch eine Art von Expedition. Nur nicht die Erwartete.

Im nächstes Kapitel geht es um einen Ort, der die Apokalypse bereits hinter sich hat:

5 Tage bis zum Game Over: Chaitén in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 1

Pumalin Douglas Tompkins National Park

Der Sturm der letzten Nacht war für mich von Vorteil: Es wurde eine Probe mit Weinen aus der Region angeboten, auf der ich leider nur auf der Position Sieben der Warteliste gestanden hatte. Am Morgen hatte ich einen Anruf von der Rezeption bekommen, ob ich teilnehmen möchte, denn viele Gäste hatten wegen Übelkeit abgesagt. Klar sagte ich zu. Aber erst einmal ging es zu dem Ort Chaitén.

Erstmals mussten wir wegen Corona bei dem Verlassen vom Schiff einen Fragebogen an Land mitführen ‚Affidavit for Travelers to prevent coronavirus diseases‘: Die besuchten Länder der letzten dreißig Tage sollten wir eingetragen, und ob wir in den letzten Tagen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen etc. hatten:

Chilenischer Corona Fragebogen
Chilenischer Corona Fragebogen

Kontrolliert wurde ich an Land nie auf das Formular.

Das Wasser war ruhig, anders als in der Nacht auf der hohen See:

In einer Badewanne unterwegs Richtung Chaitén
In einer Badewanne unterwegs Richtung Chaitén
Auf der Suche nach Chaitén
Auf der Suche nach Chaitén

Nach einer Tender-Überfahrt erreichten wir die kleine Hafenstadt Chaitén. Der Ort lebte bis 2008 vom Fischfang, da direkt am Golf von Corcovado gelegen, der zwischen der chilenischen Insel Chiloe und dem Festland liegt:

Blick auf den Golf von Corcovado und die HANSEATIC nature
Blick auf den Golf von Corcovado und die HANSEATIC nature

Danach entwickelte sich im kleinen und einsamen Dorf eine zuerst bescheidene touristische Infrastruktur mit Pensionen und Restaurants. Denn die ersten Besucher kamen, und keiner wusste so richtig warum. ‚Por algo sera‘ war der Werbe-Slogan: ‚Wegen irgendwas werden die Fremden schon hier sein‘:

Willkommen in Chaitén
Willkommen in Chaitén

Doch dann fand die Apokalypse für Chaitén statt, ein Unheil mit Schutt und Asche. Am 2. Mai 2008 brach der gleichnamige Vulkan, den man schon für erloschen gehalten hatte, überraschend wieder aus. Eine bis zu zwanzig Kilometer hohe Aschewolke erhob sich über dem Krater. Innerhalb von vier Tagen wurden mehr als sechzig vulkanische Erdbeben ausgelöst, und die Kleinstadt wurde nahezu ausgelöscht. Den Rest gab der Stadt der Fluss Rio Blanco, der sich nach dem Ausbruch ein neues Flussbett suchte, direkt durch das Stadtzentrum …

Später mehr davon, denn zunächst hatte ich eine Tour zu dem Pumalin Douglas Tompkins National Park gebucht. In ihm steht etwa ein Viertel der noch existierenden Bestände der Alerce (die Patagonische Art von Zypressen), aber auch viele andere Baumarten.

Am Eingang des Nationalparks befindet sich ein Schild, dass an den Ausbruch am 2. May 2008 erinnert:

Der Eingang zum Pumalin Douglas Tompkins National Park
Der Eingang zum Pumalin Douglas Tompkins National Park

Der erste Eindruck war düster. Wir sahen abertausende abgestorbene Bäume:

Abgestorbene Bäume im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Abgestorbene Bäume im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Abgestorbene Bäume im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Abgestorbene Bäume im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Die Szenerie wirkte in der Tat apokalyptisch:

Apocalypse Now im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Apocalypse Now im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Apocalypse Now im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Apocalypse Now im Pumalin Douglas Tompkins National Par

Im Hintergrund ist der Verursacher, obwohl er hier auf unschuldig spielt:

Der Vulkan Chaitén
Der Vulkan Chaitén

Aber nicht alles ist heute noch zerstört. Wie diese riesigen Farne:

Farne im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Farne im Pumalin Douglas Tompkins National Park

und Mammutblätter (die auch Riesen-Rhabarber genannt werden, aber nicht verwandt sind mit diesen):

Mammutblätter im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Mammutblätter im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Sie glänzten in ihrer grünen Pracht. Und mittendrin war der Zinni:

Zinni im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Zinni im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Das Projekt Pumalín wurde 1991 von Douglas Tompkins gestartet, einem US-Amerikaner, und Gründer von Esprit. Er wollte die Schönheit und Unberührtheit des Landes bewahren und schützen. Er zeigte vorbildlich, dass viel Geld sinnvoll eingesetzt werden kann, wie hier für die Umwelt. Er starb tragisch im Dezember 2015 nach einem Kajakunfall in Chile an Unterkühlung. Der Park wurde in 2019 dem Staat Chile übergeben.

Die Wege zu den Alercen waren gepflegt:

Ein Wanderpfad im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Ein Wanderpfad im Pumalin Douglas Tompkins National Park

und vielfältig:

Wanderpfade im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Wanderpfade im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Die Wanderung im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Die Bilder und das Video täuschen. Ich war nicht alleine unterwegs, sondern zusammen mit einer Gruppe vom Schiff. Einfach war es nicht, einfach mal alleine zu sein. Was manchmal, aber nicht immer gelungen war. Ich war quasi der Vorreiter für Social Distancing, ohne es zu wissen … Trotzdem machte der Marsch durch den dichten und gemäßigten Regenwald Spaß:

Im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Wir hatten kleine Begleiter, die von allen Richtungen aus hörbar waren. Die kleinen Chucaos waren sehr neugierig und überhaupt nicht scheu. Fotografieren war trotzdem schwer, agil waren sie mit ihren zwei Gramm Körpergewicht. Ich habe schon schärfere Bilder als dieses aufgenommen:

Ein Chucao im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Ein Chucao im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Auch das Video von diesem kleinen Piepmatz ist verbesserungswürdig. Ich bitte den chaotischen Beginn zu ignorieren:

Ein kleiner Vogel im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Ein kleines Suchspiel: Finde den Vogel!

Vogel-Suchspiel

Und dann stand ich vor den fünfzig Meter hohen Zypressen. Ich hatte nicht den einzigen Wow-Effekt an diesem Tag:

Alercen im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Alercen im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Beeindruckend ist das Lebensalter: Der Stammälteste wurde auf rund 3.600 Jahren datiert. Da ist es nicht sehr überraschend, dass trotz der Höhe von bis zu fünfzig Meter die Bäume sehr langsam wachsen:

Alercen im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Alercen im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Ein Stamm kann einen Durchmesser von bis zu fünf Metern erreichen:

Ein Stamm von einer Alerce im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Ein Stamm von einer Alerce im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Die größte Herausforderung des Tages (nein, eher der letzten Wochen) stand noch an: Die Überquerung von dieser gefährlich-abenteuerlich aussehenden Hängebrücke:

Eine Hängebrücke im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Eine Hängebrücke im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Mutig und wagemutig ging ich die Mutprobe an:

Zinnis Lauf über eine Hängebrücke

und fühlte mich wie ein Held nach der Bewältigung dieser immensen Herausforderung:

Zinni auf einer Hängebrücke im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Zinni auf einer Hängebrücke im Pumalin Douglas Tompkins National Park

Das Ganze musste ich ein paarmal wiederholen, weil immer irgendjemand auf dem Video oder im Bild zu sehen war …

Wir sahen uns noch etwas die sehenswerte Landschaft der Umgebung an:

Im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Im Pumalin Douglas Tompkins National Park
Im Pumalin Douglas Tompkins National Park

und fuhren zurück Richtung Chaitén.

Chaitén

Der Ausflug endete in einem Gebiet Richtung Vulkan. Er liegt auf dem Bild links hinter dem Fluss:

Die Umgebung von Chaitén
Die Umgebung von Chaitén

Auf der rechten Seite ist eine Schneise, die der Bösewicht gezogen hatte. Sie wird von den Einheimischen ‚unser Eiffelturm‘ genannt:

Der Eiffelturm von Chaitén
Der Eiffelturm von Chaitén

In dieser Gegend waren die Zerstörungen heftig, alles wurde zerstörte was im Weg war:

Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén

Hier fühlte ich mich wie zu Hause, ähnlich sieht es in meinem Garten aus:

Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén

Ob der Vulkan auch an diesem Wrack daran schuld war weiß ich nicht:

Rent-A-Wreck in Chaitén
Rent-A-Wreck in Chaitén

Der Staat beschloss, den Ort an einer anderen Stelle neu aufzubauen. Einige Bewohner wehrten sich dagegen, und noch bei meinem Besuch war der Ort gefragter als zuvor. Natürlich viel wegen Katastrophen-Tourismus. Absichtlich wurden einige der zerstörten Gebäude nicht saniert oder abgerissen, und verbleiben als Mahnmal an die Zerstörung der Stadt, sowie als Touristen-Attraktion:

Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén
Durch Vulkanaktivitäten zerstörtes Gebäude in Chaitén

Auch das Gefängnis wurde zerstört, die Frage warum so ein kleiner Ort eines benötigte konnte mir aber niemand beantworten. 2008 waren die Pinochet Zeiten ja lange vorbei.

Heute ist in der Innenstadt von dem Vulkanausbruch nur noch wenig oder nichts zu sehen, so wie hier bei der ‚Parish Our Lady of Lourdes‘ Kirche:

Die 'Parish Our Lady of Lourdes' Kirche in Chaitén
Die ‚Parish Our Lady of Lourdes‘ Kirche in Chaitén

Aber sie hat mit ihren 2.500 Einwohnern nur noch etwa ein Viertel der Bewohner wie vor dem Ausbruch. Ein wenig wirkte Chaitén auf mich wie in der Zeit zurückgeblieben, was sie sympathisch für mich machte. Sie ist klein, ruhig und beschaulich, was sich auch auf die Tiere überträgt. Sie haben die Ruhe weg, wie diese Gänse:

Gänse in Chaitén
Gänse in Chaitén

und dieser Hund:

Ein Hundi in Chaitén
Ein Hundi in Chaitén

Leider hatten die besten Pinten geschlossen:

Eine Disco / Pub in Chaitén
Eine Disco / Pub in Chaitén

Den richtigen Riecher für die ‚Best Beer-Bar in Town‘ hatte ich trotzdem. Bei so etwas bin ich gut, ohne mir dabei etwas groß einzubilden. Ich fand schnell ein nettes Lokal, um zum Höhepunkt von jedem Tag zu kommen: Der Biergasmus. Das ist der kurze Moment, wenn ich nach einem anstrengenden Tag den ersten kalten Schluck Bier genießen kann:

Zinni in der Pizzeria Reconquista, Chaitén

Das hatte ich mir verdient, immerhin war ich siebzehntausend Schritte vorher gelaufen.

Ich blieb nicht lange alleine, und setze mich zu der kleinen Gruppe von unserem Schiff links hinten auf dem Bild. Sie hatten tapfer den Vulkan erstiegen, und es verdient sich mit Pizza und Bier nach der anstrengenden Wanderung zu stärken. Nach dem Bier war ich faul, und fuhr mit der Gruppe zur Anlegestelle der Tender, anstatt zu laufen:

Abschied von Chaitén
Abschied von Chaitén

Eine herrliche Landschaft und fantastisches Wetter begleiteten uns noch eine Zeit Richtung Norden auf dem Weg nach Puerto Montt:

Puerto Montt wir kommen!
Puerto Montt wir kommen!

Nach der geselligen Weinprobe (die chilenischen Rotweine mundeten, die weißen gingen eher in das Gefäß zum Ausspucken) gab es am Abend noch das ‚i-Tüpfelchen‘ auf den gelungenen und interessanten Tag. Diese Blicke auf den Sonnenuntergang und auf den Mond waren der Stiftung Warentest die Qualitäts-Note ‚Sehr Gut (1,0)‘ wert:

Die Sonne geht unter in Chile
Die Sonne geht unter in Chile
Die Sonne geht unter in Chile
Die Sonne geht unter in Chile
Der Mond geht auf in Chile
Der Mond geht auf in Chile
Der Mond geht auf in Chile
Der Mond geht auf in Chile

Zufrieden ging ich nach den mittlerweile täglichen Ritualen wie Aperitif, Abendessen und Absacker in die Kabine. Am nächsten Tag sollte es hoch hinaus gehen, zu einem gondeln über schwarzer Asche:

4 Tage bis zum Game Over: Puerto Montt in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 3

Vulkan Osorno

Puerto Montt ist mit über 170.000 Einwohnern das wirtschaftliche und touristische Zentrum im Süden Chiles, etwa 1.100 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Im Norden der Stadt liegt der Vulkan Osorno, der Ziel meines Ausfluges war. Der 2.652 Meter hohe Vulkan gilt wegen seiner ebenmäßigen Form und seines vergletscherten Gipfels als der schönste des Landes. Seine letzte große Eruption war im Jahre 1869. Ich war guter Hoffnung, dass dies so blieb während meines Aufenthaltes.

Ich bin der letzte, der zu einem Ausflugbus stürmt um vorne sitzen zu wollen. Ich weiß nicht mehr die Umstände, aber hier war ich der erste Gast der eingestiegen war. Ich dachte ‚warum nicht‘, und setzte mich in die erste Reihe. Das dies ein Volltreffer war, ahnte ich da noch nicht.

Die Fahrt durch schöne Landschaften war entspannt:

Auf dem Weg zum Vulkan Osorno
Auf dem Weg zum Vulkan Osorno

und wir sahen den 2003 Meter hohen Vulkan Calbuco, der seit 1837 zehnmal ausgebrochen war, zuletzt in 2015:

Der Vulkan Calbuco
Der Vulkan Calbuco

Es wurde von Minute zu Minute spannender je näher wir uns dem Vulkan Osorno näherten:

Auf dem Weg zum Vulkan Osorno
Auf dem Weg zum Vulkan Osorno

Der Busfahrer saß in einem abgetrennten Bereich, ähnlich von einem Cockpit. Er bat mich neben sich zu setzen, damit ich eine bessere Sicht hatte. War cool:

Die Fahrt zum Vulkan Osorno

Der Vulkan Osorno
Der Vulkan Osorno

Die Fahrt endete in 1.240 m Höhe an einer Berghütte, mit einer schönen Aussicht auf die umliegenden Berggipfel:

Blick vom Vulkan Osorno auf die umliegenden Berge
Blick vom Vulkan Osorno auf die umliegenden Berge
Blick vom Vulkan Osorno auf die umliegenden Berge
Blick vom Vulkan Osorno auf die umliegenden Berge

und wieder auf den Vulkan Calbuco:

Blick vom Vulkan Osorno auf den Vulkan Calbuco
Blick vom Vulkan Osorno auf den Vulkan Calbuco

Um den Gipfel näher zu kommen ging es mit einem Sessellift weiter. Wir waren fast die einzigen Besucher, nur für uns wurde die Anlage eingeschaltet:

Der Sessellift zum Vulkan Osorno
Der Sessellift zum Vulkan Osorno

Der Grund war nicht Corona, die Nutzung ist mehr im Winter als Skistadion.

Früher war der Gipfel das ganze Jahr über mit Schnee und Eis bedeckt. Heute gibt es im Sommer viele Lücken, und der Gletscher liegt an vielen Stellen blank. Der Blick darauf war trotzdem atemberaubend:

Der Sessellift zum Vulkan Osorno
Der Sessellift zum Vulkan Osorno
Die Sessellift Fahrt zum Vulkan Osorno

Nach dem wunderbaren gondeln über die schwarze Asche:

Der Sessellift zum Vulkan Osorno
Der Sessellift zum Vulkan Osorno

erreichten wir die 1.300 Meter hohe Station:

Die Sessellift-Station am Vulkan Osorno
Die Sessellift-Station am Vulkan Osorno

mit einen tollen Blick auf den Gipfel:

Der Vulkan Osorno
Der Vulkan Osorno

Er hatte seine letzte große Eruption im Jahr 1869. Eine noch frühere beschrieb Charles Darwin 1835 in seinem Buch ‚The Voyage Of The Beagle‘. Weitere Ausbrüche fanden aber auch im 20. Jahrhundert statt. Aber nur an tiefer gelegenen Nebenkratern, und eine landesweite Fahndung gab es nie.

Nur ein fantastischer Blick auf den Vulkan reichte mir nicht. Ich beschloss in die Luft Höhe zu gehen:

Blick auf den Vulkan Osorno
Blick auf den Vulkan Osorno

Auf teilweise mit Holzplanken gelegte Wege:

Wanderung am Vulkan Osorno
Wanderung am Vulkan Osorno

und über dunkle Felder aus feinem Lavageröll:

Wanderung am Vulkan Osorno
Wanderung am Vulkan Osorno

Der Ausblick von dort oben war phänomenal:

Ausblick vom Vulkan Osorno aus
Ausblick vom Vulkan Osorno aus

In diesem Moment hätte ich gerne ein 360 Grad Kamera in meinem Kopf gehabt anstatt meiner Augen. So wie hier, nur zeitgleich:

Rundumsicht vom Vulkan Osorno

Ich hatte ein Gefühl wie eine Weihnachtsgans: Gänsehaut pur. Selbst der Kloß war dabei, im Hals:

Zinni am Vulkan Osorno
Zinni am Vulkan Osorno

Ich war selten dem Himmel so nah.

Getragen durch diese Euphorie hatte ich den Sessellift rechts liegen lassen:

Zinni und der Vulkan Osorno
Zinni und der Vulkan Osorno

und lief zurück zur Bushaltestelle. Wie man sieht, sah ich dort nichts mehr von der Landschaft:

Tiefe Wolken am Vulkan Osorno
Tiefe Wolken am Vulkan Osorno

Saltos del Petrohue

Die Weiterfahrt ging zu den ‚Saltos del Petrohue‘. Beschrieben mit ‚Eine Ansammlung von Stromschnellen und Wasserfällen, die sich über Lavagestein der umliegenden Vulkane ergießen‘. Hatte sich gut angelesen. War es auch, geschätzt die ersten fünf Minuten lang auf dem Fußweg zu den Fällen wegen meiner Vorfreude, die oft die Schönste ist. Wie auch hier, denn in der Realität angekommen war der Blick darauf eher bescheiden:

Die Saltos de Pedrohue
Die Saltos de Pedrohue

Es war ein Getümmel wie an den Niagara-Fällen:

Die Saltos de Pedrohue
Die Saltos de Pedrohue

270 Kubikmeter Wasser stürzen hier pro Sekunde über die Basalt-Felsen hinab, die bei einem Ausbruch des Osorno entstanden waren. Der Blick auf einen Fall, den ein Detektiv niemals lösen kann:

Die Saltos de Pedrohue

Einen netten Aussichtspunkt fand ich dann doch:

Die Saltos de Pedrohue
Die Saltos de Pedrohue
Die Saltos de Pedrohue

Das Beste in diesem Gebiet war der Blick auf meinen neuen Freund Osorno:

Der gewaltige Vulkan Osorno und die moderaten Saltos de Pedrohue
Der gewaltige Vulkan Osorno und die moderaten Saltos de Pedrohue

Für jemand der noch nie einen Wasserfall gesehen hat, und gerne unter Menschen ist kann ich die Fälle uneingeschränkt empfehlen. Für den Rest nur bedingt. Und schade, dass im Ausflugsprogramm mit einem Bild beworben wird, wo man im Rahmen der Tour keine Chance hat hinzukommen.

Dies ließ meine gute Laune aber nicht verderben, der Tag war noch lange nicht beendet. Der nächste Stopp war das Mittagessen. Ein Besuch von einem Restaurant zusammen mit Busladungen von Touristen graut mir in der Regel, meist schwänze ich solche Ereignisse und gehe spazieren. Aber hier wurde ich positiv überrascht. Ein Lokal, dass trotz der Massen ein vernünftiges Büffet mit Vorspeisen wie Algensalat und Sushi, als Hauptgang allerlei Fleisch vom Spieß:

Typische chilenische Kalorienbomben
Typische chilenische Kalorienbomben

und vielen weiteren einheimischen Spezialitäten hinbekommt. Dazu ein nettes Personal, und für Getränke wurde auch reichlich gesorgt. Was für ein Gegensatz zu dem Schrott in Ushuaia und Torres del Paine. Geht doch, man muss nur wollen.

Die Spuren der deutschen Kolonisierung waren bei der Weiterfahrt nicht zu übersehen. Je näher wir Richtung Puerto Varas fuhren, desto stärker wurde der deutsche Einfluss. Überall gab es ‚Kuchen‘, die Mehrzahl davon dort ‚Kuchenes‘ genannt. Auch die Aussprache ist unterschiedlich: ‚kuu-chen‘ verstehe niemand, sondern ‚kuchén‘!

In dieser schicken Pension hatte ich im Jahr 2002 übernachtet:

Hotel-Residenz am See in Frutillar im Jahr 2002
Hotel-Residenz am See in Frutillar im Jahr 2002

Sie existiert heute noch. Unsere Reiseleiterin ist mit dem heutigen Inhaber befreundet, wie klein doch die Welt ist.

Puerto Varas

Wir hatten trotz dem langen Tag noch Zeit, uns in Puerto Varas umzusehen, die Stadt der Rosen. Sie liegt direkt am Lago Llanquihue, Chiles zweitgrößtem See:

Lago Llanquihue und Puerto Varas
Lago Llanquihue und Puerto Varas
Lago Llanquihue und Puerto Varas
Lago Llanquihue und Puerto Varas

Dieser nette Mann:

Wir sind die Roboter in Puerto Varas
Wir sind die Roboter in Puerto Varas

zeigte mir noch einmal einen wunderschönen Ausblick auf den Bilderbuch-Vulkan:

Der Vulkan Osorno
Der Vulkan Osorno

So klar sah ich das nicht immer. Denn ich habe eine südamerikanische Augenkrankheit, ich chile:

Chilen in Puerto Varas
Chilen in Puerto Varas

Der Osorno wirkt sehr exotisch an einem Ort, wo deutsche Traditionen noch intensiv gepflegt werden:

Die Feuerwehr von Puerto Varas
Die Feuerwehr von Puerto Varas

Denn der Süden von Chile wurde im 19. Jahrhundert die neue Heimat tausender Deutscher Emigranten. Das wirkt sich natürlich auch auf die Gastronomie aus:

Gulasch im Cafe Hausmann, Puerto Varas
Gulasch im Cafe Hausmann, Puerto Varas

Darauf ein Prost!

Zinni im Cafe Hausmann, Puerto Varas
Zinni im Cafe Hausmann, Puerto Varas

Keine Angst vor Deutschen, sondern vor Demonstranten hatten viele Geschäfte, öffentliche Einrichtungen und die Banken:

Schutz vor Demonstranten in Puerto Varas
Schutz vor Demonstranten in Puerto Varas

Die Proteste hatten im Oktober 2019 in der Hauptstadt Santiago de Chile begonnen, wurde auf andere Städten erweitert, und richten sich gegen die soziale Ungleichheit im Land, die durch Kostenerhöhungen im öffentlichen Dienst ausgelöst wurden. Ich hatte während der Reise bis auf die Schutzmaßnahmen nichts mitbekommen. Zudem spielt das Coronavirus den Mächtigen in die Karten, denn es hat dem nun ein Ende gesetzt.

Angelmó / Puerto Montt

Nach der Rückkehr in Puerto Montt hatte der lange Tag für mich immer noch kein Ende. Die Tenderstation war nur zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, ich blieb aber in Angelmó, dem Fischerdorf direkt am Hafen. Viele Kunsthandwerksläden säumten die Straße zum Fischmarkt:

Kunsthandwerksläden in Angelmó / Puerto Montt
Kunsthandwerksläden in Angelmó / Puerto Montt

Diese hatten oft kreative und landestypische Motive von Meerestieren als Zierde, die gut sichtbar waren außerhalb der Öffnungszeiten:

Wal-Bemalung im Hafen in Angelmó / Puerto Montt
Wal-Bemalung im Hafen in Angelmó / Puerto Montt

Es hatte mir sehr viel Spaß gemacht diese ‚zu sammeln‘:

Sammlung von Meerestier-Bemalungen in Angelmó / Puerto Montt
Sammlung von Meerestier-Bemalungen in Angelmó / Puerto Montt

Am Ende dieser Ladenzeilen befindet sich der Fischmarkt von Angelmó. Die Geschäfte bieten abwechslungsreiches vom Fisch an:

Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Auf dem Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt

Den Mut wie einige Mitpassagiere hier etwas zu probieren hatte ich allerdings nicht. Kein Feigling war ich auf der Suche nach einem Bier. Lokale dazu gab es jede Menge, wie dieses in das Meer gebaute:

Ein Restaurant im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Ein Restaurant im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt

mit Plätzen außen:

Ein Restaurant im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Ein Restaurant im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt

und einer Aussicht auf die Insel Tenglo:

Blick auf die Insel Tenglo
Blick auf die Insel Tenglo

oder die Stadt:

Blick auf Puerto Montt
Blick auf Puerto Montt

Die wollten nur keinen Nur-Bier-Trinkenden-Zinni haben trotz gähnender Leere. Es gab keine urigen Kneipen, und ich musste lange suchen, um nur ein Bier zu trinken. Und dann gab es auch noch nur das schreckliche Corona, das Attribut hat nichts mit der Grippe zu tun … Ich bin normal gut im Löschen von Durst, hier hatte ich mich schwergetan:

Corona (die Biersorte) im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt
Corona (die Biersorte) im Fischmarkt von Angelmó / Puerto Montt

Eines davon reichte mir, und ich lief zurück zur Anlegestelle der Tender.

Nach dem Ablegen Richtung Norden endete der klasse Tag mit einem tollen Blick auf das Festland:

Auf Wiedersehen Puerto Montt
Auf Wiedersehen Puerto Mont

der einsetzenden Dämmerung:

Dämmerung an der chilenischen Küste
Dämmerung an der chilenischen Küste

und diesem wunderschönen Sonnenuntergang. Ich kann mich nie daran satt sehen an Szenen wie diese:

Sonnenuntergang an der chilenischen Küste
Sonnenuntergang an der chilenischen Küste

Dazu ein kaltes Bier, und hatte für die Sorte mir die Weißbier-Ikone Waldemar Hartmann als Berater genommen. Nach so einem aufregenden Tag beruhigt Weizenbier die Seele, und enthält auch noch reichlich Vitamin B. Wohl bekomm’s!

Wohl bekomm's: Weizenbier auf der HANSEATIC nature
Wohl bekomm’s: Weizenbier auf der HANSEATIC nature

Ich war reif für die Insel. Auf ‚Isla Grande de Chiloé‘, unsere nächste Destination. Dort war ich mir wie Indiana Jones vorgekommen.

3 Tage bis zum Game Over: Isla Grande de Chiloé in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 2

Guten Morgen Chiloé

Die Insel Chiloé begrüßte uns mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang:

Guten Morgen Chiloé
Guten Morgen Chiloé
Guten Morgen Chiloé
Guten Morgen Chiloé
Guten Morgen Chiloé
Guten Morgen Chiloé

Mein Erstbesuch stand dort an. Die Insel ist von der Größe vergleichbar mit Korsika, und nach Feuerland die zweitgrößte des südamerikanischen Kontinents. Wir hatten leider viel zu wenig Zeit, um sie sich intensiv anschauen zu können. Bereits um 13:00 hieß es wieder Leinen los, und wir lagen auf Reede, was immer Zeit kostet. Mein Plan, auf eigene Faust zu der kleinen Insel Puñihuil zu fahren war leider aus Zeitgründen nicht möglich. Schade, es ist der einzige Ort auf der Welt, an dem Humboldt- und Magellan-Pinguine nebeneinander leben.

Meine zweite Option, eine anspruchsvolle Wanderung durch ein Waldgebiet, scheiterte an einer leichten Verstauchung meines Fußes. Am Vortag war ich während dem Spaziergang auf dem Vulkan etwas ins Rutschen gekommen. Nichts Dramatisches, aber belasten wollte ich ihn auch nicht zu viel. Es blieb mir noch eine Landschaftsfahrt zur Festung Agüi. Das hatte sich nicht wirklich spektakulär angelesen, war mir aber lieber als nur in Ancud, der nördlichsten und größten Stadt von Chiloé zu bleiben.

Museo Pre-Historici de Puente Quilo

Die Chilenen halten die Chiloéten für starrköpfig und dumm, weshalb sie früher einen Dummkopf ‚Chilote‘ nannten. Wie so einer sah unser lokaler Guide Jamie nicht aus. Er ist mit 64 Jahren noch super drauf, war früher ein Künstler, und spricht ein gutes Deutsch. Vom Hafen aus fuhren wir (überraschend, da nicht im Programm erwähnt) zu einem sehr skurrilen Ort, dem ‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

Ich hatte wenig erwartet, eher gepflegte Langeweile. Und wurde überrascht, denn es war abseits des Mainstreams und ungewöhnlich. Bereits am Eingang ist unübersehbar ein Skelett von einem Wal:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

Ein erster Vorgeschmack, was uns Innen erwarten würde. Dort wurde es bizarr, und ähnelte einer Geisterbahn. Die ausgestellten Fossilien und Skelettreste wirkten exotisch:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

unheimlich:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

furchteinwirkend:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

und trotzdem hochinteressant auf mich:

'Museo Pre-Historici de Puente Quilo', Chiloé
‚Museo Pre-Historici de Puente Quilo‘, Chiloé

Senor Serafin Gontales hat diese Sammlung über Jahrzehnte erweitert, nachdem er 1988 die ersten archäologischen Fundstücke im Patio seines Hauses entdeckt hatte. Er ließ sie analysieren, und zu aller Überraschung datierten sie ins vierte vorchristliche Jahrtausend.

Aber auch draußen wurde es ungewohnt originell. Wir konnten Bauern bei der Algen-Ernte zuschauen:

Algen-Ernte in Chiloé
Algen-Ernte in Chiloé

und erfuhren allerlei wissenswertes über die Pflanzen und ihren langen Tentakeln, die an den Strand gespült werden:

Algen-Ernte in Chiloé
Algen-Ernte in Chiloé
Algen-Ernte in Chiloé
Algen-Ernte in Chiloé

Auch über die Nutzung, hier als schrullige Perücke:

Eine Perücke a la Chiloé (aus Algen)
Eine Perücke a la Chiloé (aus Algen)

Der Stopp dort hatte was für mich und war äußerst ungewöhnlich. Ich befürchte aber nicht für die Mehrheit der anderen Gäste an Bord auf Grund ihrer Reaktionen.

Nach der Fahrt durch eine einsame Landschaft:

Unterwegs in Chiloé
Unterwegs in Chiloé

mit schönen Ausblicken:

Unterwegs in Chiloé
Unterwegs in Chiloé
Fahrt über die Insel Chiloé

erreichten wir den Eingang zur Festung Agüi.

Festung Agüi

Zuerst sahen wir nur Strand pur:

Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé
Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé

und wir hatten Zeit etwas die Küste entlang zu laufen:

Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé
Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé

Zum Baden was es natürlich zu kalt:

Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé
Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé

Hier fühlte ich mich fast nach Thailand versetzt:

Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé
Ein Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé

Vögel sahen wir genug, sei es am Strand:

Vögel am Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé
Vögel am Strand nahe der Festung Agüi in Chiloé

oder auf dem Weg zum Fort:

Unter Geiern
Unter Geiern

Die Festung Agüi war eine der letzten spanischen Bastionen in Südamerika, von wo aus die einstmaligen Eroberer im Jahre 1826 endgültig vertrieben worden sind:

Festung Agüi in Chiloé
Festung Agüi in Chiloé

Die Schlacht von Agüi wurde hier am 18. Februar 1820 zwischen chilenischen Patrioten und spanischen Royalisten während des chilenischen Unabhängigkeitskrieges ausgetragen:

Festung Agüi in Chiloé
Festung Agüi in Chiloé

Erstaunlich ist, dass an der Ausstattung des spanischen Forts auch holländische Piraten mitgewirkt haben. Die Geschützbatterie stammt von ihnen:

Ein Geschütz in der Festung Agüi in Chiloé
Ein Geschütz in der Festung Agüi in Chiloé

Zum Glück wurde die HANSEATIC nature von Böllerschüssen verschont, obwohl wir in der Richtung der Kanone lagen.

Die Aussichten waren gut:

Eine Bucht bei der Festung Agüi in Chiloé
Eine Bucht bei der Festung Agüi in Chiloé

und die See lag uns zu Füssen. Einfach war es wohl nicht, mit Segelschiffen das Gewässer bei einem schlechteren Wetter als bei uns zu befahren.

Ich fand im Gegensatz zu meinen Mitreisenden den Ort interessant und sehenswert, bevor ich den unerwarteten Höhepunkt noch nicht einmal ahnte. Unser Guide teilte mir mit, dass ich einen Graben entlanglaufen kann, der durch die vergangene Zeit verwildert und voller Pflanzen bewachsen ist. Gespannt ging ich zum Eingang, und war von der ersten Sekunde an begeistert:

Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé
Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé

Ich ging mutterseelenalleine in einer gespenstischen Ruhe durch die bizarr wirkende Szenerie:

Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé
Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé

Ich fühlte mich dabei wie Indiana Jones, und befürchtete ständig, dass eine Steinkugel angerollt kommt:

Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé
Ein Graben in der Festung Agüi in Chiloé

Das machte mir so viel Spaß, dass ich es ein paarmal wiederholt hatte, ohne dass es eine Sekunde langweilig dadurch war:

Der Lauf durch einen Graben in der Festung Agüi in Chiloé

Das war einmal ganz etwas anders. Vielen Dank an meinen Guide Jamie für den Hinweis, und an die anderen Passagiere die dabei waren, dass sie seinen tollen Tipp nicht gefolgt waren:

Der Lauf durch einen Graben in der Festung Agüi in Chiloé

Faro Corona

Nach dem coolen Aufenthalt im Fort ging es weiter zu dem Faro Corona (ist spanisch, die Wörter auf Deutsch sind Leuchtturm und Krone). Willkommen waren wir nicht, der Eingang war abgesperrt:

Der Eingang zum Faro Corona auf Chiloé
Der Eingang zum Faro Corona auf Chiloé

und wir dachten, dass es bei dem Namen Corona vielleicht besser wäre dort nicht reinzugehen. Nach einem Anruf bei den Betreibern erschien jemand und öffnete uns. Das Areal war gesperrt, weil Teile davon renoviert wurden. Der Leuchtturm ist seit 1859 in Betrieb:

Der Faro Corona auf Chiloé
Der Faro Corona auf Chiloé

und gilt als eines der zwölf ‚Wunder‘ in der Region. Er belegt sogar den zweiten Platz in der Rangliste, direkt nach den Saltos del Petrohué. Betreten durften wir ihn wegen Malerarbeiten nicht, nur ansehen und davorstehen:

Zinni und der Faro Corona auf Chiloé
Zinni und der Faro Corona auf Chiloé

Wobei ich die Ausflug-Beschreibung ‚Von oben bieten sich ebenfalls tolle Ausblicke auf die Küste‘ etwas übertrieben fand. Ich vermute, dass bei der geringen Höhe die Aussicht trotz Turm nicht viel anders gewesen wäre:

Blick auf die See vom Faro Corona auf Chiloé aus
Blick auf die See vom Faro Corona auf Chiloé aus

Der Grund warum der Leuchtturm noch in Betrieb ist, sind nicht einige neugierige Kreuzfahrt-Touristen, sondern die Telekommunikation, die vom Militär betrieben wird:

Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé
Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé
Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé
Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé
Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé
Telekommunikation am Faro Corona auf Chiloé

Unsere viel zu kurze Tour endete mit einem Mini-Aufenthalt in der Hauptstadt der Insel, Ancud. Fünf Minuten reichten gerade für diese drei Bilder, und leider nicht mehr:

In der Innenstadt von Ancud
In der Innenstadt von Ancud
In der Innenstadt von Ancud
In der Innenstadt von Ancud
In der Innenstadt von Ancud
In der Innenstadt von Ancud

und schon ging es zurück zum Schiff. Ich hatte leider nur reingerochen in die Insel Chiloé, mehr nicht.

Auf diesem Wege ein Dankeschön an meine drei Reiseleiter auf den Ausflügen in Chiles nördliche Fjordwelt: Patricia, Margret und Jamie. Ist seit tolle Menschen, jeder auf seine Art. Euer Arbeitgeber Travelart kann stolz auf euch sein.

Zurück auf dem Schiff hatte ich die Nachricht erhalten, dass wegen Corona unser Team auf der Arbeit nicht mehr das Büro betreten darf, und wir nur noch im Homeoffice arbeiten müssen. Ich verstand langsam, dass nach meiner Rückkehr nicht mehr alles so wird wie es vorher war.

Der Abend endete am Himmel so schön wie er begonnen hatte:

Sonnenuntergang in Chile
Sonnenuntergang in Chile

Ich genoss den Ausblick mit einem trockenen Rotwein des Landes.:

Prost Chile
Prost Chile

Wobei ich mir eine Kirschsaft-Schorle bestellen wollte, aus Versehen wurde es aber das. So etwas verwechsle ich oft, warum auch immer.

Am nächsten Ziel war ich alleine unterwegs. Ich buchte eine individuelle Tour in Valparaíso, und hatte keine Ahnung wo es dort hinging. Vorweg: Die Spannung hatte sich gelohnt.

1 Tag bis zum Game Over: Valparaíso in Chile

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 2

Standseilbahn / Valparaíso

Ich organisiere gerne Ausflüge auf eigene Faust, was bei dieser Kreuzfahrt nicht einfach war. Mein Spanisch ist bescheiden, und die Entfernungen zu den Sehenswürdigkeiten waren oft weit entfernt von der Anlegestelle. Verstanden möchte ich werden, und es sollte bezahlbar sein. In Valparaíso war es einfach.

Ein lieber Bekannter gab mir den Tipp für ‚The German Pirates‘, ein Team von drei Deutschen die maßgeschneiderte Touren und Exkursionen in und um Valparaíso anbieten. Ich wurde mit denen schnell einig, und hatte ein Tagesausflug in die Umgebung von Valparaíso gebucht. Wo es genau hingeht war offen, was sich später als Glücksgriff erwies.

Nach der Ankunft in Valparaíso wartete Michael, einer der drei Piraten, im Kreuzfahrt-Terminal auf mich. Seine Vorschläge was wir uns den Tag über anschauen wollen nahm ich ohne eine Diskussion an, ich denke er kennt sich dort besser aus als ich. Ist aber auch keine Kunst, ich war noch nie dort.

Wir starteten mit einem kurzen Spaziergang in der Hafennähe von Valparaíso. Die Bedeutung verdankte sie der günstigen geografischen Lage am Pazifik. Nach wochenlangen Seereisen von Europa aus war sie nach der Gründung 1544 der erste größere Hafen für die europäischen Seefahrer. Sie ist auch die ‚Stadt der Standseilbahnen‘. 1883 wurde die erste Seilbahn in die hoch am Hang gelegenen Viertel eröffnet, in den 1920er Jahre waren es schon über dreißig. Heute gibt es noch fünfzehn der traditionellen ‚Ascensores‘. Neun Aufzüge funktionieren noch, sechs gammeln vor sich hin. Eine Fahrt damit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen:

Fahrstuhl fahren in Valparaíso
Fahrstuhl fahren in Valparaíso
Fahrstuhl fahren in Valparaíso
Fahrstuhl fahren in Valparaíso
Fahrstuhl fahren in Valparaíso

In Schuss gehalten werden sie von den ‚Ascensoristas‘. Der Mitarbeiter von dieser Station macht anscheinend seinen Job gewissenhaft, es sah im Maschinenraum sehr sauber und gepflegt aus:

Der Maschinenraum von einem Fahrstuhl in Valparaíso
Der Maschinenraum von einem Fahrstuhl in Valparaíso
Ein Maschinenraum von einem Fahrstuhl in Valparaíso

Bereits in diesem Moment bereute ich nicht die Entscheidung, die Tour bei Michael gebucht zu haben. Nicht nur hier konnte ich sehenswerte Orte erkunden, wo ein normaler Tourist nie hinkommt, und die nicht in Reiseführern aufgeführt sind. Durch seine jahrelange Erfahrung hat er Kontakte, die ihm bereitwillig Tür und Tor öffnen.

Casablanca Valley

Am Nachmittag sah ich noch mehr von der Stadt, später mehr dazu. Erst einmal ging es raus auf das Land. Es war morgens um elf, die beste Zeit für eine Weinprobe. Dazu fuhren wir in das Casablanca Valley, ein Weingebiet mit idealen Anbaubedingungen. Der erste Halt war die Casa Valle Viñamar, ein Blick auf die Weinberge:

Die Weinberge der Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley
Die Weinberge der Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley

und das Stammhaus:

Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley
Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley

Die Weingüter im Casablanca Valley haben nichts mit den Familien-Betrieben in meiner Heimat- und Weinstadt zu tun. Die Weinberge dort sind riesig dagegen, und die Gebäude opulenter. Auch sehen unsere Straußwirtschaften etwas bescheidener aus als diese Weinstube:

Indomita Vineyard / Casablanca Valley
Indomita Vineyard / Casablanca Valley

Wein wird vom Fass angeboten:

Wein vom Fass / Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley
Wein vom Fass / Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley

und die Geschmacksnuancen eines Weines wurden ausdrucksvoll präsentiert:

Geschmacksnuancen von Weinen / Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley
Geschmacksnuancen von Weinen / Casa Valle Viñamar / Casablanca Valley

Auch das zweite Weingut ‚Indomita Vineyard‘ wirkte nicht gerade bescheiden auf mich:

Zinni und der Indomita Vineyard / Casablanca Valley
Zinni und der Indomita Vineyard / Casablanca Valley

Die Sicht auf das Tal von Casablanca war eindrucksvoll:

Blick auf die Weinberge / Indomita Vineyard / Casablanca Valley
Blick auf die Weinberge / Indomita Vineyard / Casablanca Valley

Die schicke Architektur begeisterte mich, sowie die angebotenen Weinproben:

Zinni der Weintester / Indomita Vineyard / Casablanca Valley
Zinni der Weintester / Indomita Vineyard / Casablanca Valley

Mit genug Wein intus wurde es mysteriös bei der Fahrt zum nächsten Ziel. Michael hatte mir eine Überraschung versprochen, ohne mehr darüber zu verraten. Die Fahrt endete in der gleichnamigen Stadt des Tals, Casablanca. ‚Wo war ich denn hier angekommen‘ war mein erster Gedanke beim Blick auf die Gassen:

Streets of Casablanca
Streets of Casablanca
Streets of Casablanca
Streets of Casablanca

Museo Julio Munizaga

Es sah urig aus, ich fragte mich trotzdem warum wir dort waren. Wir liefen zu diesem originellen Gebäude mit der Kuppel eines Himmelsobservatoriums:

Julios Haus in Casablanca
Julios Haus in Casablanca

Der Hausherr Julio empfing uns in seinem Wohnzimmer, das voller Pflanzen und Statuen ist:

Julios Wohnzimmer
Julios Wohnzimmer

Er begrüßte uns mit einem Lächeln, und bot mir einen Handschlag an. Ich konnte dies nicht ablehnen, obwohl das in Zeiten von Corona wohl vernünftiger gewesen wäre. Ich befürchtete aber, dass er dies als schwere Unhöflichkeit verstanden hätte:

Julio und Zinni in seinem Haus in Casablanca
Julio und Zinni in seinem Haus in Casablanca

Julio ist dreiundneunzig Jahre alt, und mag alle Menschen. Das sollten uns allen ein Beispiel sein. Gerade als ich dachte ‚es ist sehr nett hier‘, wurde ich aufgefordert für mich unerwartet ihn zu seinem Museum! zu begleiten. Es ist ein dreizimmeriges Gebäude mit den Ergebnissen von Julios Leidenschaft für das Bauen und Sammeln, wie dieser große Modell-Dampfzug aus Metall:

Ein Modell-Dampfzug im Museo Julio Munizaga
Ein Modell-Dampfzug im Museo Julio Munizaga

In der Sternwarte steht ein altes Holz- und Messingteleskop auf einem Stativ:

Die Sternwarte von Julio in Casablanca
Die Sternwarte von Julio in Casablanca

Ich sah einen Puma der nicht mehr unter uns weilte:

Ein Puma im Julio Munizaga Museum
Ein Puma im Julio Munizaga Museum

Julio erstellte jede Menge Modelle von Schiffen der Seegeschichte:

Schiffsmodelle im Julio Munizaga Museum
Schiffsmodelle im Julio Munizaga Museum

mit kleinen Arbeitsmotoren, die durch die abgeschnittenen Rümpfe sichtbar waren:

Arbeitsmotoren im Julio Munizaga Museum

Er hat Fossilien, die sein Bruder und er in der Atacama-Wüste gesammelt hatten:

Eine Schlange im Julio Munizaga Museum
Eine Schlange im Julio Munizaga Museum

Ich sah Skelette die aus Katzen-, Hunde- und Schweineknochen hergestellt wurden:

Ein Skelett im Julio Munizaga Museum
Ein Skelett im Julio Munizaga Museum

und ein Haifischkiefer extrapoliert aus versteinerten Haifischzähnen:

Ein Haifischkiefer in Julios Museum in Casablanca
Ein Haifischkiefer in Julios Museum in Casablanca

Wo man legal ein Embryo erwerben kann traute ich mich nicht ihn zu fragen:

Ein Embryo in Julios Museum in Casablanca
Ein Embryo in Julios Museum in Casablanca

Es war alles unglaublich. War das Pre-Historic Museum in Chiloé schon skurril, wurde das hier noch weit übertroffen. Was für ein herrlicher Ort! Julio hat sich ein einzigartiges Lebenswerk erschaffen, und ich bin so froh dies gesehen zu haben. Ein echter Höhepunkt der Reise, und eine wahre Expedition zu einer neuen Welt für mich.

Casablanca

In der Nähe von Julios Museum stand dieses Auto. Es gehörte nicht zu dem Komplex, und hätte eher zu meiner Garage zu Hause gepasst:

Ein Auto ähnlich wie dem von Zinni in Casablanca
Ein Auto ähnlich wie dem von Zinni in Casablanca

Aber nicht nur das Sammelsurium von Julio war in Casablanca sehenswert. Was für ein Ort, mit tollen Häusern:

Architektur in Casablanca
Architektur in Casablanca
Architektur in Casablanca
Architektur in Casablanca
Architektur in Casablanca
Architektur in Casablanca

und mit schönen Blicken auf das Meer:

Am Strand von Casablanca
Am Strand von Casablanca

Ich traf einen neuen Freund:

Mein neuer Freund in Casablanca
Mein neuer Freund in Casablanca
Mein neuer Freund in Casablanca

sah viele Felsen und Vögel:

Ein Felsen mit Vögel in Casablanca
Ein Felsen mit Vögel in Casablanca

und blickte auf Casablanca:

Blick auf Casablanca
Blick auf Casablanca
Blick auf Casablanca
Blick auf Casablanca

Casablanca wirkte im Gegensatz zum hektischen marokkanischen Pendant verschlafen schön auf mich:

In Casablanca
In Casablanca

Es war eine tolle Idee von Micheal mich dorthin zu bringen. War stark, vielen Dank dafür!

Valparaíso

Wir fuhren wieder zurück nach Valparaíso. Von einem Punkt aus hatte ich eine gute Sicht auf die Stadt. Sie liegt in einer Bucht, die von Hügeln und Bergen umgeben ist und in der sich die meisten Einwohner der Stadt konzentrieren:

Blick auf Valparaíso
Blick auf Valparaíso

In den besten Wohnlagen wohnen die ärmsten der Stadt. Die Hügel, die sich nur einen Kilometer von der Küste entfernt zu erheben beginnen, sind dicht mit bunten Holzhäusern besiedelt. Über zwanzig Prozent der Bevölkerung der Stadt lebt unterhalb der Armutsgrenze, und Valparaíso ist eines der Gebiete in Chile mit der größten Anzahl von Familien, die in Slums leben. Früher lebten die Reichen oben und die Armen unten, heute ist es umgekehrt.

Dieses Gebiet ging noch:

Ein Wohngebiet in den Hügeln von Valparaíso
Ein Wohngebiet in den Hügeln von Valparaíso

Aber auch hier: Obacht geben, länger leben. Bitte das Gesprochene von Michael anhören:

Die Fahrt mit Michael durch ein Wohngebiet von Valparaíso

Das Stadtzentrum ist am Tag über einigermaßen sicher:

Blick auf das Zentrum von Valparaíso
Blick auf das Zentrum von Valparaíso

Aber am Abend und in der Nacht auch eher zu meiden. Bitte zuhören, was Michael mir erzählt hatte:

Fahrt mit Michael durch Valparaíso

Auffallend in der City ist dieses Gebäude:

Der Nationalkongress von Chile in Valparaíso
Der Nationalkongress von Chile in Valparaíso

Am Ende der Ära Pinochet wurde in 1990 der chilenische Nationalkongress nach Valparaíso verlegt. Der Sitz ist ein echter Eyecatcher, denn er ähnelt einem Triumphbogen.

Wie liefen dann zu Fuß durch die kleinen Sträßchen und Gassen der Stadt:

Unterwegs in Valparaíso
Unterwegs in Valparaíso

und das hatte sich gelohnt. Auf Grund der geografischen Lage gibt es kein einfaches Straßenmuster im Schachbrettstil:

Unterwegs in Valparaíso
Unterwegs in Valparaíso

Die Stadt gilt als die kulturelle Hauptstadt von Chile. Künstler haben an den Häusern wunderbare Werke geschaffen, hinter jeder Ecke fand ich etwas Neues:

Kunst in Valparaíso
Kunst in Valparaíso

Auch die Piraten Michael & Co haben dazu beigetragen:

Piraten-Kunst in Valparaíso
Piraten-Kunst in Valparaíso

Und diese Kunst lebt. Ständig entstehen neue Werke, oder alte werden weiterentwickelt oder ersetzt. Nicht nur in Guatemala gibt es in Amerika Menschen die gut malen können. Sie sprühten vor Freude:

Werdende Kunst in Valparaíso
Werdende Kunst in Valparaíso

Die Kunst gibt der Stadt ein Gesicht. Ganz anders als bei uns, wo jeder Graffiti-Künstler fürchten muss im Gefängnis zu landen.

Zwei krönende Abschlüsse gab es noch. Michael führte mich zu dieser Dachterrasse mit einer umwerfenden Aussicht:

Zinni auf der Dachterrasse vom Casa Galos Hotel in Valparaíso
Zinni auf der Dachterrasse vom Casa Galos Hotel in Valparaíso

und da dort die Bar geschlossen war zu einem der schönsten Lokale in dem ich je gesessen hatte. Und ohne darauf stolz zu sein, hat das bei mir etwas zu sagen:

Ein wunderschönes Lokal in Valparaíso
Ein wunderschönes Lokal in Valparaíso

Valparaíso hat wie auch hier ein Einwohner pro Kopf. In diesem Sinne Salud:

Zinni in einem wunderschönen Lokal in Valparaíso
Zinni in einem wunderschönen Lokal in Valparaíso

Der Besuch war für mich eine Reise in die Vergangenheit. Angestaubt, etwas heruntergekommen und alt. Aber mit Charme. Den kriminellen Teil muss man sich wegdenken.

Michael brachte mich zum Kreuzfahrt-Terminal zurück. Ich bedankte mich bei ihm für den schönen Tag:

Auf Wiedersehen mein neuer Freund
Auf Wiedersehen mein neuer Freund

All the Daumen nach oben lieber Michael, vielen Dank für die tolle Tour! Wer in der Zukunft wann auch immer vor Ort ist empfehle ich ihn zu kontaktieren, er ist leicht über ‚The German Pirates Valparaíso‘ im Internet zu finden.

Mich beschlich kurz danach eine Vorahnung wegen Corona, und ich dachte daran das Schiff an diesem Tag noch zu verlassen. Alle Grenzen waren offen, Flüge in die Heimat buchbar, und Michael hätte mich bestimmt zum Flughafen nach Santiago gebracht. Nachher weiß man es besser, ich hätte meinem Gespür folgen sollen.

Wir liefen mit Zinni aus zur Fahrt Richtung Peru:

Auf Wiedersehen Valparaíso
Auf Wiedersehen Valparaíso
Auf Wiedersehen Valparaíso
Auf Wiedersehen Valparaíso
Die Abfahrt in Valparaíso

Bei Lesen der Programmpunkte für den nächsten Tag war ich erneut enttäuscht, dass beim ‚Kreuzen vor der Isla Chanaral‘ wieder keine Zodiac Fahrt organisiert wurde. Angeboten wurde lediglich ein Ausflug mit lokalen Großraumbooten, anstatt individuell mit unseren kleinen Gummibooten durch die Inselwelt zu kreuzen. Die Reise war eine sehr gute Kreuzfahrt, aber bestimmt keine Expedition. Schade.

Das dies letztendlich keine Rolle am Folgetag spielte, an einem Freitag den dreizehnten, ahnte ich da noch nicht:

Game Over

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 6

Es war ein Freitag, der dreizehnter. Ich lag noch im Bett. Der Traum war aus nach der Bordansage, dass die Kreuzfahrt abgebrochen wird. Die Regierung von Peru lässt uns nicht einreisen, und wir müssen nach Valparaíso in Chile zurückkehren. Das war aber nur ein Zwischenstand, ob die uns wieder reinlassen ins Land war unklar.

Ich hatte meine An- und Abreise von und nach Südamerika auf eigene Faust gebucht, und musste meine Rückreise von dort aus selbst organisieren. Das war nicht einfach mit dem lahmen Internet an Bord. Wo ich für einen Vorgang normal ein paar Minuten benötige, dauerte das quälende gefühlte Stunden, mit zwischenzeitlichen Abbrüchen und Neuanfang. Alle meine Schimpfworte an diesem Morgen waren nicht jugendfrei. Geduld ist eine Erfindung von leidenschaftslosen Menschen, und diese Fähigkeit hatte ich damals mit Sicherheit nicht.

Da der Flughafen von Santiago de Chile nicht von der Lufthansa angeflogen wird, musste ich umsteigen auf dem Weg nach Hause. Und da gab es nur wenige Optionen wo ich einreisen durfte. Zuerst wollte ich über Argentinien nach Frankfurt fliegen. Nach Buenos Aires wäre ich gekommen, aber von dort aus waren keine Plätze verfügbar, und die Strecke wurde ein Tag später eingestellt.

Das war mir viel zu riskant dort zu stranden. Ich entschied mich nach Sao Paulo in Brasilien zu fliegen, das erschien mir die sinnvollste, sicherste und einfachste Variante. Erschwerend war, dass ich von der Reiseleitung keine verbindlichen Zeiten bekommen hatte, ab welcher Abflugzeit ich die Flüge buchen kann. Ich war in einer Zwickmühle. Buche ich zu früh, bekomme ich den Anschluss-Flug nicht, zu spät muss ich den Weiterflug nach Europa einen Tag später fliegen, und dann ist vielleicht der Flughafen schon gesperrt. Möglich war alles.

Nachdem ich die hoffentlich bestmögliche Lösung umgesetzt hatte, stand mir der Rest des Tages zur freien Verfügung. Die Reederei tischte mittags und abends in ihren Restaurants das Beste auf was sie zu bieten hatte. Ich vermute, dass die Gerichte für ein Abschieds-Essen angedacht waren und kurzfristig angeboten wurden.

Wie hier die Muscheln zum Mittag:

Muscheln zum Mittagessen auf der HANSEATIC nature
Muscheln zum Mittagessen auf der HANSEATIC nature

und Kaviar, Hummer und leckeres Dessert zum Abendessen:

Kaviar und Co. auf der HANSEATIC nature
Kaviar und Co. auf der HANSEATIC nature

Ansonsten war ich an der Bar, um 1-2 ‚Seelentröster‘ zu trinken. Später wurde mir gesagt, dass man 12 ohne einen Bindestrich schreibt, meine mentale Verfassung war Besäufnis erregend. Das ‚Kein Bier vor Vier‘ bezog sich am diesem Tag auf das Alter, nicht die Uhrzeit.

Ganz so niedergeschlagen wie es auf dem Bild aussieht war ich aber auch nicht. Meine Laune auf dem Bild ist gestellt, und Oscar verdächtig war die schauspielerische Leistung von mir nicht:

Der niedergeschlagene Zinni an der Bar von der HANSEATIC nature
Der niedergeschlagene Zinni an der Bar von der HANSEATIC nature

Mir ging es gar nicht so schlimm, das einzige war die Unsicherheit wie es weiterging. Der Kapitän hielt eine Rede, und bedauerte es, dass wir nicht zusammen nach Hamburg mit der HANSEATIC nature zurückfahren können. Dem Beifall nach der Frage warum nicht ließ darauf schließen, dass die meisten am liebsten an Bord geblieben wären. Wenn mein Chef bei einer Anfrage nicht mit der Entlassung droht, und das Finanzielle klar ging hätte ich dies vielleicht auch gemacht. Wir fühlten uns am sichersten Corona-freien Ort der Welt. Aber wir waren leider nicht in der Fernsehsendung ‚Wünsch dir was‘.

Nachdem ich mich bei der tollen Crew der Bar verabschiedet hatte ging ich in meine Kabine, und konnte überraschend gut schlafen. Leider nur zur kurz.

Um neun Uhr am nächsten Morgen sollten wir das Schiff verlassen, was bei neunzig Minuten Fahrzeit locker für den 12:30 Flug nach Sao Paulo und dem Anschluss nach Frankfurt gereicht hätte. Fast alle saßen pünktlich im Bus, aber wir mussten ewig auf zwei Passagiere warten, und konnten erst nach zehn Uhr abfahren. Am frühen Morgen hatte ich gedacht, es wäre besser ein Taxi zu nehmen. Hätte ich das nur gemacht. Wie so oft: Man hat einen Plan für 100 Alternativen, und die Nummer 101 tritt ein.

Endlich am ‚Aeropuerto Internacional Comodoro Arturo Merino Benítez‘ angekommen war es für meinen geplanten Flug ein paar Minuten zu spät. Ich sah die Abfertigung einer Maschine der Iberia nach Madrid. Sie hätten mich mitgenommen, natürlich nur mit einem Ticket. Leider bemerkte ich, dass ich den Token für mein Flugbuchungstool im Shuttle-Bus vergessen hatte. Ohne diesen hätte ich sehr schwerlich neue Flug-Buchungen und weiteres durchführen können, Mist.

Hier war die Agentur Travelart, die Hapag Lloyd mit der Betreuung am Flughafen beauftragt hatte, mein Retter in der Not. Vielen Dank an die Mitarbeiterin Ulrike, und weitere hilfreiche Personen des Unternehmens, die mir die Wiedergabe des Token ermöglicht hatten. Einfach war es nicht, der Bus war bereits Richtung Kreuzfahrtschiff unterwegs. Wie sie die Wiedergabe an mich hinbekommen hatten weiß ich nicht, es war eine Top-Leistung von dem Team von Travelart, das mir bereits positiv bei den Ausflügen aufgefallen war.

Die nächste Möglichkeit wegzukommen war um drei Uhr nachmittags mit LATAM Airlines nach Sao Paulo, jedoch ohne danach einen Anschluss nach Europa zu bekommen. Aber besser als in Chile zu bleiben. Der Flug war mit einem Passagier überbucht, und ich wurde nur auf der Warteliste angenommen. Erfahrungsgemäß gibt es meist mehr Noshow Gäste als einen (Passagiere die trotz Buchung nicht erscheinen, gerade unter den Corona Umständen), das sah ich relativ gelassen. Und kurz vor Abflug wurde ich auch akzeptiert.

Der Flug war ätzend, denn meine Nachbarn waren Idioten. Das naive Frauenzimmer zu meiner linken Seite bildete aus einer Zeitschrift einen Fächer, und wollte damit den verschwitzten Kopf ihres Freundes kühlen. Nur blöd, dass ich das alles zur Frontseite abbekommen hatte. Eine Superidee in Zeiten von Corona. Das machte sie zwei Sekunden, nicht länger. Meine bösen Worte waren anscheinend die richtigen, so dass sie die restliche Zeit nicht mehr auf diese bescheuerte Idee gekommen war.

Das Wort Corona (die Grippe) sollte ihnen bekannt gewesen sein, denn sie trugen Masken. Für das Anlegen empfehle ich den beiden Deppen einen VHS oder Google-Kurs, dauert nicht lange um das zu verstehen. Das Essen war Fraß, in der Kabine war es warm, und der Sitz war eng. Trotzdem war ich natürlich froh an Bord zu sein, auch wenn die etwas über drei Stunden Flug sich ewig gezogen hatten.

Die Kontrollen nach der Landung waren überraschend locker, ohne Fragen oder gar eine Quarantäne. Ich übernachtete in dem Marriott Airport Hotel in Sao Paulo. Ich hatte einen harten Tag hinter mir, und hatte zu allem Lust nur nicht in den Moloch rein zu fahren.

Nachdem ich erleichtert angekommen war, und für ein paar Sekunden den Blick auf die Stadt-Autobahn von meinem Zimmer aus faszinierend verfolgt hatte:

Blick aus dem Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo
Blick aus dem Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo

musste ich natürlich das lokale Bier an der Bar testen:

Zinni an der Bar vom Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo
Zinni an der Bar vom Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo

Mein deutschsprachiger Sitznachbar war ähnlich doof wie die Deppen vom Flugzeug. Ich ließ ihn labern, Hauptsache das Bier und der Cachaça hatten geschmeckt. Beides sorgte für eine durchgeschlafenen Nacht.

Ich nahm gerne das mir angebotene Late-Check-Out Angebot am nächsten Morgen an, und schlief lange da es Frühstück bis elf gab. Danach ging ich bis zur Fahrt zum Flughafen in mein Zimmer zurück um weiter auszuruhen, trotz diesem schönen Pool:

Der Pool vom Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo
Der Pool vom Marriott Hotel am Flughafen von Sao Paulo

Der Shuttle zum Flughafen war ohne einen Stau, ein sehr seltenes Ereignis laut dem Fahrer. Eingecheckt hatte ich für den Flug online am Vortag, denoch war ich angespannt ob nicht doch noch etwas dazwischenkommt. Vieles war möglich, vom Schließen der Grenzen bis zum Ausfall aus technischen Gründen. Das Koffer abgeben verlief ohne Überraschungen, und die Kontrollen waren relativ zügig. Danach saß ich an der Bar in der Nähe des Gates, um bei Bierpreisen für sechs Euro für eine Flasche (war mir aber auch egal) meinen Durst zu löschen. Ich hoffte in zwei Stunden bei der Lufthansa einsteigen zu können:

Zinni in der 'Sports Drinks N' Bar im Airport Sao Paulo
Zinni in der ‚Sports Drinks N‘ Bar im Airport Sao Paulo

Das kühle Nass schmeckte vor Erleichterung und Vorfreude auf die Rückreise.

Auf dem Weg zum Gate blickte ich auf das Rollfeld mit einer faszinierenden Abenddämmerung:

Blick auf das Rollfeld / Airport Sao Paulo
Blick auf das Rollfeld / Airport Sao Paulo

aber ich freute mich noch mehr (und selten wie nie) auf meinen ‚Flüchtlingshelfer‘:

Blick auf einen Lufthansa Jumbo und das Rollfeld vom Airport Sao Paulo
Blick auf einen Lufthansa Jumbo und das Rollfeld vom Airport Sao Paulo

Meine unliebsamen befürchteten Nachrichten blieben aus. Der Flug wurde aufgerufen, und ich konnte einsteigen. Die Crew war zu meiner Überraschung gelassen, und führte den Service souverän und aufmerksam durch. Serviert wurde mir unter anderem Wein aus Chile, ein passender gastronomischer Abschied vom Land. Ich bestellte mir gleich eine Flasche:

Chilenischer Wein an Bord der Lufthansa
Chilenischer Wein an Bord der Lufthansa

und rotweinte mich in den Schlaf. Im Gegensatz zu dem Flug mit der LATAM Airlines hätte ich hier ewig weiter fliegen können, weit abseits der Corona-Welt.

Dreißig Minuten vor der geplanten Ankunft flogen wir über den Süden von Deutschland:

Blick auf den Süden von Deutschland
Blick auf den Süden von Deutschland

und landeten pünktlich. Die Ausweiskontrolle ging schnell, und bis auf unseren Flug waren die Gepäckausgaben verwaist. Warum auch immer dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mein Gepäck hatte.

Mein indischer Taxifahrer war unerwartet gut gelaunt und sehr nett. Aber eines vermisste ich: den Verkehr. Nun wurde mein Fahrer in der Tonart trauriger. Staus gebe es schon seit ein paar Tagen nicht mehr. Er hätte nur noch wenige Fahrten, und es würde sich nicht mehr lohnen. Ich war zurück in Deutschland, und mitten im Corona Chaos.

Game Over

8 Tage nach Game Over: Schlechte Zeiten

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 2

Die letzten Tage der Reise waren nicht mehr wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, eher wie Darmspiegelung und Wurzelbehandlung am Stück. Aus dem Abenteuer- und Comedy-Film wurde es einer mit Horror-Elementen. Und nach der Landung wartete das Abenteuer ‚Deutschland in Corona Zeiten‘ auf mich …

Das öffentliche Leben war dort so gut wie stilgelegt. Wo an schönen Tagen Scharen von Kindern spielen, Passanten spazieren gehen und man immer jemand zu einem Schwätzchen findet war es nun gespenstisch verweist. Die Spielplätze waren gesperrt:

Schlechte Zeiten - Geschlossene Spielplätze
Schlechte Zeiten – Geschlossene Spielplätze

Planen machten sich unheimlich selbstständig:

Schlechte Zeiten - Verlorene Planen
Schlechte Zeiten – Verlorene Planen

und Orte die man von täglichen Staumeldungen aus dem Radio kennt waren frei von Automobilen:

Schlechte Zeiten - Leere Autobahnen
Schlechte Zeiten – Leere Autobahnen

Fast zeitgleich mit meiner ursprünglich geplanten Landung aus Bogota in Kolumbien wurden dann am 21. März auch noch die Restaurants, Gaststätten und Eisdielen in Hessen um 15 Uhr geschlossen.

Ich blieb bis zum letzten bitteren Ende:

Schlechte Zeiten - Geschlossene Gaststätten
Schlechte Zeiten – Geschlossene Gaststätten

Meine Expedition fand nicht im Dschungel von Südamerika statt, sondern im eigenen Land.

Ich hatte für Ostern und im Mai zwei Kreuzfahrten gebucht, beide wurden abgesagt. Ende April warte ich zusammen mit anderen Forderungen immer noch auf die Rückzahlungen, obwohl die mir rechtlich schon lange zustehen. Natürlich werde ich in der Zukunft eher die Unternehmen unterstützen, die mir zeitnah die Kosten rückerstattet hatten (auch die gab es), und nicht die viel versprechen aber nichts halten. Ehrlichkeit ist mir wichtiger als unnötige Beschwichtigungen.

Update vom 1.5.2020: Eine Rückerstattung von allen drei Kreuzfahrten habe ich mittlerweile bekommen, wahrscheinlich wegen der Androhung eines Mahnverfahrens. Und zwei Gutscheine für Flüge innerhalb von Südamerika, einlösbar bis Ende 2021. Diese bringen mir wenig.

Bei der Bearbeitung von den Bildern der Reise war ich mir vorgekommen wie in einer anderen Welt. Unbekümmerte Personen tanzten ohne Distanz, umarmten sich mit Fremden und lebten unbekümmert in den Tag hinein. Ich hatte etwa sechstausend Fotos auf dieser Reise aufgenommen, fast siebenhundert davon fanden den Weg in diesen Bericht. Ich hoffe die richtigen ausgewählt zu haben, und würde mich freuen, wenn das Mitreisen gefallen hat.

Ein Reisebericht aus 2019 ist noch offen, eine etwas verpatzte Kreuzfahrt in Kroatien. Ich hatte ihn immer nach hinten verschoben, weil es auch um Menschen geht, von denen ich keiner vorführen möchte. Wenn ich die passenden Worte dazu in Zeiten von Corona finde veröffentliche ich ihn noch, ansonsten bleibt es mein unvollendeter.

Leider ist ein neuer nicht in Sicht. Ich vermisse alles was mit Reisen zusammenhängt. Für wie lange? Oder für immer? Wer weiß. Was mir bleibt sind die Andenken und Erinnerungen:

Zinnis Andenken an Argentinien und Chile
Zinnis Andenken an Argentinien und Chile

Aber was sind das alles für Sorgen, wenn man über den Tellerrand schaut.

49 Tage nach Game Over: Epilog

Anzahl der Worte ‚Corona‘: 2

Die Prämiere des im Prolog erwähnten neuen James Bond Film wurde auf den 25. November 2020 verlegt. Damit schließt sich der Kreis, der vor einem Jahr in der Karibik angefangen hatte.

Durch Homeoffice habe ich mittlerweile wunderschöne Blicke auf Sonnenaufgänge, die trotz Corona immer noch pünktlich stattfinden:

Hochheim am Morgen
Hochheim am Morgen
Hochheim am Morgen
Hochheim am Morgen
Hochheim am Morgen
Hochheim am Morgen

Durch Kurzarbeit habe ich viel Zeit Bekanntes in meiner Stadt anzusehen: