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Reisebericht: Mit der HANSEATIC inspiration unterwegs in der Arktis auf den Spuren der Entdecker

Die „Nord-West Side Story“ in Grönland und Kanada

1.8.2022: Hannover, GPS 52° 22′ 33.24 N 9° 43′ 55.2 E

Willkommen bei meinem Bericht über eine Reise in die Arktis mit der HANSEATIC inspiration. Ein Besuch in Grönland vermisse ich seit vier Jahren, auf der weltweit größten Insel war ich bereits vor dieser Reise vierzehnmal. Doch verschiedene Begleitumstände machten es lange 47 Monate nicht möglich, dieses großartige Land zu besuchen und das nicht nur wegen Corona. Ich ahnte dies bereits bei meiner bislang letzten Reise dorthin im Jahr 2018 auf dem Rückweg vom Icefjord in Ilulissat zurück zur Stadt.

Die Crew von Zinni-auf-Reisen berichtete natürlich live und exklusiv darüber:

Als ich beschlossen hatte, wieder zurück in den Ort zu laufen, hatte ich das Gefühl das letzte Mal dort zu sein. Erklären warum konnte ich es mir nicht.

So war ich hocherfreut, eine Kreuzfahrt mit der HANSEATIC inspiration in die Arktis entdeckt zu haben, die nicht nur die nördlichen Teile dieser Insel abdeckt, sondern auch über die Baffin Bay hinweg nach Kanada führen sollte.

Hier die geplante Route in der Arktis mit der HANSEATIC inspiration:

Die geplante Route in der Arktis mit der MS HANSEATIC inspiration
Die geplante Route in der Arktis mit der HANSEATIC inspiration

Copyright und Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von
Hapag-Lloyd Cruises

Nordwärts zwischen Kanada und Grönland mit einer flexiblen Route unterwegs, die ein Schiff mit höchster Eisklasse ermöglicht. Es waren für mich einige neue Ziele dabei, und insgeheim hoffte ich auf meine erste Sichtung eines Eisbären. Aber nur vom Schiff aus, und nicht während einer Wanderung. Natürlich dazu auch auf nächtliche Nordlichter im Süden der Route. Das hatte sich spannend angelesen, und wurde gebucht.

Im Preis inbegriffen war die Anreise, mit einem Flug von Hannover nach Kangerlussuaq, gelegen inmitten von Grönland. In Hannover liegt der Sitz der TUI, der Sitz des Veranstalters. Das wird wohl der Grund gewesen sein, den Sonderflug von dort aus zu starten. Gebucht wurde trotzdem, mit einer Bahn-Anreise ab dem Rhein-Main-Gebiet einen Tag vorher.

Zwei Wochen vor der Kreuzfahrt zeigte meine Corona-Warn-App die Farbe Rot an wegen einer Risiko-Begegnung, und ich war zufällig an einem Testcenter vorbeigekommen. So ließ ich mich vorsichtshalber kontrollieren, ohne mir dabei große Gedanken zu machen. Ich war kurz danach sehr überrascht, dass ich ein positives Ergebnis bekommen hatte. Die ganze Familie hatte bei nachfolgenden Untersuchungen das gleiche Resultat, wer die anderen angesteckt hatte, blieb offen. Zum Glück hatten wir alle nahezu keine Symptome.

Nun war ich in einem Dilemma. Auf dem Gesundheits-Formular für die Kreuzfahrt war eine Frage, ob ich zwei Wochen vorher Corona positiv getestet wurde. Natürlich wollte ich diese nicht falsch beantworten, und informierte den Veranstalter, ob ich trotzdem an Bord gehen konnte nach einem negativen Ergebnis. Hapag Lloyd gab das okay, und acht Tage danach war ich nach langen Bangen die Pest wieder los. Das Zittern hatte sechs Tage vor der Abfahrt zum Glück geendet.

Am 1.8.2022 ging es los, an einem Tag, wo es sich wieder jährt, dass ich einmal die Sonne umrundet hatte. Ich fuhr an diesem Ehrentag mit dem Zug von Frankfurt nach Hannover, ohne ein nennenswertes Problem. Die Ansage: „Im Bistro gibt es heute nur ein eingeschränktes Angebot“ galt zum Glück nicht für mein kaltes Bier, das mir trotz hoher Belegung an den Platz gebracht wurde:

Genuss auf ganzer Strecke von Frankfurt nach Hannover
Genuss auf ganzer Strecke von Frankfurt nach Hannover

Ich prostete allein auf meinen Geburtstag an, und nahm nach der Ankunft in Hannover ein Taxi zum
Maritim-Hotel, das direkt in Fußentfernung am dortigen Flughafen liegt. Wenn ich in ein Hotel komme, suche ich nicht aus Vernunft als Erstes den Noteingang, sondern die Bar. Und das war dort einfach, eine lag unübersehbar direkt vor der Rezeption. Diese wurde genutzt, bis kein Zuschlag zum early Check-in zu zahlen war, das war somit günstiger.

Zum Einschiffen waren drei Coronatests nötig, einer 48 Stunden vor Abfahrt, den hatte ich noch zu Hause durchgeführt. Dann einer 24 Stunden davor, dafür nutzte ich das Testcenter am Flughafen. Die Prüfung dort war schnell erledigt, ohne Wartezeit und mit super Personal. Vielen Dank auf diesem Weg. Der letzte Check war dann an Bord nach dem Betreten der HANSEATIC inspiration auf dem Weg zur Arktis.

Ich hatte individuell das Hotel gebucht, und zufällig brachte die Reederei auch dort ihre Gäste unter, die ein Anreisepaket hatten. Diese Passagiere wurden von dem Schiffs-Personal betreut, somit konnte auch ich am Abend vor der Abreise bereits meine Dokumente und Coronatests prüfen lassen.

Bei diesem Vorgang hatte ich verwundert festgestellt, dass ich keine Sitzplatzauswahl für meinen Flug nach Grönland hatte. Aufgrund meines Jubiläums-Tages gönnte ich mir die Business-Klasse, mein Fensterwunsch bei der Buchung wurde aber leider ignoriert. Ich wurde in der Mitte im Flugzeug in die Reihe Eins neben der Toilette platziert und war damit alles andere als begeistert über diese unangenehme Geburtstags-Überraschung. Das teilte ich dem Personal auch mit, die sich zuerst wenig hilfsbereit erklärten, um dieses zu ändern.

Trotzdem feierte ich gelassen und gut gelaunt im Hotel meinen Geburtstag zusammen mit Reise-Bekannten.

Zinni im Grönland-Look in Hannover
Zinni im Grönland-Look in Hannover

„Wenn Freunde etwas Schönes schenken, ist immer toll!“

Der Autor

2.8.2022: Kangerlussuaq, GPS 52° 22′ 33.24 N 9° 43′ 55.2 E

Das Einchecken hatte sich gezogen am nächsten Morgen. Es gab einen Priority-Schalter, die Wartezeit war aber länger als an den normalen Schaltern, weil an diesem zuerst die Eisbären-Wächter für diese Kreuzfahrt abgefertigt wurden, und dieser Vorgang lange dauerte wegen der aufgegebenen Waffen. Wenigstens hatte der Veranstalter ein Einsehen, und mir einen Fensterplatz organisiert.

Nach dem langen Anstehen am Check-in fand ich anschließend keine Fast Lane bei der Sicherheitskontrolle. Nach meiner Frage, ob es eine gibt, war die Antwort der unfähigsten Flughafen-Mitarbeiterin meines Lebens ein Witz: „Es gibt in diesem Terminal keine Business-Klasse Flüge“. Als ich ihr meine Bordkarte zeigte, meinte sie, dass dies Pseudo wäre und es auf meinem Flug nur eine Economy-Klasse gibt. Und dass zusätzlich bei Nicht-Schenken-Flüge eine Fast Lane gesetzlich verboten ist. Ich weiß nicht, wie sie darauf kommt, sie war mit Sicherheit nicht eine wahre Expertin in ihrem Fach. Hier wäre eine Schulung angebracht, ein Rat an die Zuständigen am Flughafen in Hannover.

Danach im Abflugbereich gab es leider auch keine Lounge, das ganze Drumherum um den Flug hatte ich mir anders vorgestellt. Ich benötigte sehr viel Zeit, den Orientierungssinn eines Fähnlein Fieselschweif und mehr Gelassenheit als ein erfahrener Club-Schlangen-Steher, um das Gate zu erreichen.

Nach gefühlt unendlicher Zeit konnte ich endlich den Finnair Airbus A330 betreten:

Finnair A330 in Hannover
Finnair A330 in Hannover

Wenn mir jemand ein paar Wochen vorher erzählt hätte, dass ich am 2.8.2022 mit Finnair von Hannover nach Kangerlussuaq auf Grönland fliegen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

An Bord war mein Sitzplatz Interkontinental-Standard mit einem Flatsitz. Das war aber das einzige Privileg der Business-Klasse. Es gab keinen Begrüßungs-Cocktail, keine Zeitschriften, keine Spirituosen etc. Der Service war 1:1 wie in der Economy-Klasse. Dafür war der Aufpreis für den 4 1/2 Stunden langen Flug sehr happig.

Immerhin gab es Champagner (in allen Klassen an Bord), und welche Überraschung für meine Leser, die Cola auf dem Bild rechts gehört nicht zu mir:

Champagner-Service an Bord der Finnair
Champagner-Service an Bord der Finnair

Später gab Bier aus Finnland, nur leider ohne Wodka:

Bier-Service an Bord der Finnair
Bier-Service an Bord der Finnair

Mich gibt es in zwei Zuständen: Ich trinke, oder ich will trinken.

Vielleicht hat der Kapitän den Schnaps ausgetrunken, denn wir hatten uns danach nach Bayern verflogen:

Blau-Weiße Aussicht an Bord der Finnair
Blau-Weiße Aussicht an Bord der Finnair

Immerhin gab es wunderschöne Ausblicke auf Grönland:

Auf dem Weg nach Kangerlussuaq
Auf dem Weg nach Kangerlussuaq
Schnee und Berge auf dem Weg nach Kangerlussuaq
Schnee und Berge auf dem Weg nach Kangerlussuaq

Wir erreichten anschließend den Kangerlussuaq-Fjord beim Lande-Anflug, auf Deutsch großer Fjord:

Der Kangerlussuaq-Fjord
Der Kangerlussuaq-Fjord

Das ist spannender als jedes Unterhaltungs-Programm an Bord eines Flugzeuges:

Kein Wasser im Kangerlussuaq-Fjord
Kein Wasser im Kangerlussuaq-Fjord

und landeten auf dem Flughafen Kangerlussuaq, der am Ende des etwa 163 Kilometer langen gleichnamigen Fjords liegt:

Ein Finnair A330 in Kangerlussuaq
Ein Finnair A330 in Kangerlussuaq

Er entstand durch die Errichtung der US-amerikanischen Militärbasis Bluie West Eight, die ab dem Jahr 1941 in Betrieb war. Er hat keine große Zukunft. In der Hauptstadt Nuuk und im Touristen-Mekka Ilulissat mit dem Welterbe Eisfjord sind derzeit Bauarbeiten für neue Flughäfen, über die in der Zukunft die Verbindungen nach Dänemark durchgeführt werden. Das ist dort, wo die meisten Menschen wohnen und fast alle Touristen hin wollen.Das derzeitige Drehkreuz der Air Greenland wird danach nicht mehr benötigt, da dort nur Angestellte und die Angehörigen wohnen, und kein weiteres Aufkommen besteht.

Nach dem Bustransfer am Hafen angekommen gab es einen Tender-Service zur HANSEATIC inspiration, danach den dritten Coronatest innerhalb von drei Tagen und nach dem negativen Ergebnis konnte ich endlich die ersten Getränke an Bord genießen auf unserer Fahrt in der Arktis:

Begrüßungsgetränke in Grönland
Begrüßungsgetränke in Grönland

Zum Glück wurde Nachschub für unsere Kreuzfahrt vor Ort geladen:

Nachschub für die HANSEATIC inspiration in Kangerlussuaq in der Arktis
Nachschub für die HANSEATIC inspiration in Kangerlussuaq in der Arktis

Leider nicht ausreichend, wie ich später leidvoll feststellen musste.

Ich hatte eine Grenze überschritten, und war wieder auf Grönland, endlich. Danke Gott. Wie ein Lied von Cat Stevens: „Look at me, I am old, but I’m happy“:

Zinni zurück in Grönland
Zinni zurück in Grönland

Ich war wieder hier, in meinem Revier.

Wir verließen den Hafen von Kangerlussuaq:

Der Hafen von Kangerlussuaq
Der Hafen von Kangerlussuaq

und genossen die prächtige Stimmung am Abend:

Abendliche Stimmung im Kangerlussuaq-Fjord
Abendliche Stimmung im Kangerlussuaq-Fjord

sowie die Fahrt durch den Fjord:

Unterwegs im Kangerlussuaq-Fjord
Unterwegs im Kangerlussuaq-Fjord

Das Licht und die Stimmung dort machten bereits Lust auf mehr:

Abendliche Stimmung im Kangerlussuaq-Fjord
Abendliche Stimmung im Kangerlussuaq-Fjord

auch nach dem Blick auf die Gletscher dort. Willkommen Arktis:

Ein Gletscher im Kangerlussuaq-Fjord
Ein Gletscher im Kangerlussuaq-Fjord

Die Länge des Fjords beträgt etwa 165 Kilometer bei einer Breite von 1,5 bis 5 Kilometer:

Fahrt durch den Kangerlussuaq-Fjord
Fahrt durch den Kangerlussuaq-Fjord

Nach diesen Ausblicken:

Blaues Grönland
Blaues Grönland
Abendliche Stimmung in Grönland
Abendliche Stimmung in Grönland

war ich in meiner Kabine schnell eingeschlafen nach dem anstrengenden Tag, der Start war gelungen:

Meine Kabine auf der HANSEATIC inspiration
Meine Kabine auf der HANSEATIC inspiration

Ich musste nicht ein Deck weiter unten zu nehmen, um tief schlafen zu können.

Am Ende eines Tages werde ich manchmal Fridtjof Nansen zitieren. Er war unter anderem ein Polarforscher, und dabei durchquerte er im Jahr 1888 als Erster Grönland über das Inlandeis und stellte während einer Nordpolarexpedition mit einer geografischen Breite von 86° 13,6′ N einen neuen Rekord in der Annäherung an den geografischen Nordpol auf.

„Ein schweres Leben wird erträglich, sobald man ein Ziel hat!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

3.8.2022: Seetag, 68° 5′ N 50° 57′ W

Ausgeschlafen und mit diesem Ausblick wachte ich am nächsten Morgen auf, wie schön:

Morgendliche Stimmung in Grönland
Morgendliche Stimmung in Grönland

Am ersten Seetag wurde die tolle Stimmung etwas gemindert, als wir von einer Routenänderung erfahren hatten. Wir konnten nicht, wie geplant, direkt nach Kanada fahren. Die vorhergesehenen Ziele dort waren wegen zu viel Eis nicht schiffbar:

Eine Eiskarte der Baffin Bay vom 3.8.2022
Eine Eiskarte der Baffin Bay vom 3.8.2022

Die roten markierten Stellen waren trotz unserer höchsten Eis-Klasse nicht befahrbar, und genau dort wollten wir hin.

So fuhren wir zuerst Richtung Norden die Küste von Grönland entlang Richtung Uummannaq anstatt direkt nach Kanada. Damit war leider der Kurs in den Smith Sound zwischen Grönland und Kanada ausgefallen, dafür wurden neue Ziele auf Grönland geplant. Das galt nicht für mich, denn ich war bereits ausgiebig in Uummannaq und Upernavik. Aber wir waren ja nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern bei „So ist es“.

Wir erhielten danach unsere Parkas gegen den Kälte- und Regenschutz sowie Gummistiefel für nasse Anlandungen mit den Zodiacs. Anschließend gab es eine Einweisung für die Sicherheits- und Verhaltensregeln in der Arktis. Ich vermisste nur die Pizza Kaltzone im Restaurant.

„Schwierige Dinge sollte man sofort erledigen, unmögliche Dinge ein wenig später!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

4.8.2022: Uummannaq, GPS 70° 42′ 28.19 N -52° 7′ 31.20 W

Nach einer ruhigen See in der Nacht erreichten wir am nächsten Morgen Uummannaq. Das ist der Moment, wo man aufwacht, und feststellt, dass das Leben schön ist:

Morgendlicher Ausblick auf die Insel Uummannaq
Morgendlicher Ausblick auf die Insel Uummannaq

Auch wenn die Sonne sich nicht sehen gelassen hatte. Es gibt Schlimmeres. Er ist einer der wenigen Orte, der nicht von der Silhouette moderner Wohnsilos beherrscht wird auf Grönland:

Die Stadt Uummannaq
Die Stadt Uummannaq

Die Farben der Häuser hatten in der Vergangenheit eine Bedeutung, damit Besucher der Ortschaften sofort erkennen können, wo das Gesuchte liegt. Fabriken waren blau, Krankenhäuser gelb, Kommunikations-Einrichtungen wie eine Radiostation grün, Kirchen und Geschäfte rot und Polizei-Gebäude waren schwarz. Diese Regelung gilt aber heute nicht mehr.

Die farbenfrohen Häuser und der herzförmige, rötlich schimmernden Berg dort prägen das Bild der Insel:

Ausblick auf Uummannaq
Ausblick auf Uummannaq

Das Aussehen des Berges gab es Insel ihren Namen, der Robbenherzförmige:

Der Berg Uummannaq
Der Berg Uummannaq

Mein erstes Ziel war ein Guesthouse, welches ich mir vor einigen Jahren für mich gemietet hatte:

Mein Guesthouse auf Uummannaq
Mein Guesthouse auf Uummannaq

Hier der Bericht und die Bilder dazu:

Die im Jahr 1935 erbaute Granitsteinkirche ist das Wahrzeichen der Stadt:

Die Kirche von Uummannaq
Die Kirche von Uummannaq

Mir war aufgefallen, dass auf den Straßen viel weniger Hunde als bei meinen vorherigen Besuchen zu sehen waren, die Zwinger wurden nach außerhalb der Stadt ausgelagert:

Grönlandhund auf Uummannaq
Grönlandhund auf Uummannaq

Viel mehr konnte ich leider nicht unternehmen. Zum Wandern hatte ich keine Kraft, ich bin nun mal Anfang ranzig.

Der Ort selbst ist sehr übersichtlich, und vor allem: Die Kneipe hatte noch zu.

Trotzdem freute ich mich bei Temperaturen bis zu fünf Grad auf die Weiterreise auf der HANSEATIC inspiration durch die Arktis

Eisiges Uummannaq
Eisiges Uummannaq

denn zu Hause in Deutschland gab es Temperaturen bis zu 40 Grad am selben Tag. Ich hätte nicht tauschen wollen.

Ich fuhr zufrieden wieder zurück auf das Schiff:

Zurück zur HANSEATIC inspiration zur Weiterfahrt in die Arktis
Zurück zur HANSEATIC inspiration zur Weiterfahrt in die Arktis

Im Bordprogramm stand eine kleine Einweisung in die grönländische Sprache, à la Guten Tag auf Deutsch heißt dort Tikilluarit. Was dabei fehlte, war das längste Wort, das es auf Grönländisch gibt. Es sollte „Nalunaarasuartaatilioqateeraliorfinnialikkersaatiginialikkersaatilillaranatagoorunarsuarrooq“ sein, auf Deutsch in etwa: „Sie versuchten erneut, einen Radiosender zu bauen, aber anscheinend ist es immer noch nur auf dem Reißbrett“. Das ist vielleicht bei der eine Milliarde Frage bei Jauch nützlich zu wissen.

„Das Schwierigste tun wir heute, das Unmögliche morgen, und übermorgen tun wir das, was uns Spaß macht!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

4.8.2022: Salliaruseq, GPS 70° 41′ 17.99 N -51° 49′ 59.99 W

Zu meiner Freude wurde das ursprünglich geplante Ziel Upernavik, dass ich bereits vor einigen Jahren ausgiebig erkundet hatte:

gegen zwei mir unbekannte Destinationen ausgetauscht, auf die ich mich mehr freute als auf etwas bekanntes.

Das erste war die unbewohnte Insel Salliaruseq, die mit 130 Quadratkilometer eine der größeren Inseln im Uummannaq-Fjordsystem ist.

Aber dahin mussten wir erst einmal hinkommen. Auf dieser Kreuzfahrt wurden dazu das erste Mal Zodiacs eingesetzt. Diese Schlauchboote wurden bei Anlandungen eingesetzt, wo es kein Pier gibt und nicht das Tenderboot eingesetzt werden kann:

Auf dem Zodiac unterwegs nach Salliaruseq
Auf dem Zodiac unterwegs nach Salliaruseq

Mein ausgesprochenes Cool im Zodiac zu meinen Mitreisenden wurde von ihnen wie erhofft verstanden. Es war kein jugendsprachlicher Anglizismus von mir, sondern damit wirklich die 1:1 Übersetzung des Wortes aus dem Englischen gemeint: Kalt. Und nass dazu:

Auf dem Zodiac unterwegs nach Salliaruseq
Auf dem Zodiac unterwegs nach Salliaruseq

Die Insel ist sehr bergig, mit steilen Hängen. Der höchste Punkt der Insel ist Inussugtalik mit einer Höhe von 1.418 Meter. Sie hat warme Erdtöne, die auf das Vorkommen von Mineralien hindeuten:

Erdtöne auf Salliaruseq
Erdtöne auf Salliaruseq
Blick auf Erde und Strand auf Salliaruseq
Blick auf Erde und Strand auf Salliaruseq

Unsere Bärenwächter an Bord hatten ihren ersten Einsatz auf unserer Kreuzfahrt. Ich kann es vorwegnehmen: Während der Fahrt hatten sie an Land zum Glück nie einen gesichtet:

Bärenwächter im Einsatz auf Salliaruseq
Bärenwächter im Einsatz auf Salliaruseq

Leider regnete es dort, die Aussicht auf die Eisberge war trotzdem toll:

Eisberge vor Salliaruseq
Eisberge vor Salliaruseq

Die Insel ist karg und wird nicht zu Unrecht auch Wüsteninsel genannt:

Die Küste von Salliaruseq
Die Küste von Salliaruseq
Blick auf Salliaruseq
Blick auf Salliaruseq

„Oh, so wohltuend und still! Welche Erholung für die Gedanken! Frei von dem betäubenden Lärm der Menschen!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

5.8.2022: Maarmorilik, GPS 71° 7′ 21.00 N -51° 16′ 24.00 W

Am nächsten Morgen konnten wir kurz vor dem Anlegen in Maarmorilik bei völliger Windstille und Sonnenschein fantastische Spiegelungen sehen:

Eine tolle Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik
Eine tolle Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik

Da musste ich noch vor dem Frühstück auf das Oberdeck bei so schönen Ausblicken:

Wie schön: Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik
Wie schön: Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik

Meine Augen waren feucht dabei:

Feuchte Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik auf beiden Seiten
Feuchte Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik auf beiden Seiten

„An Tagen wir diesen“ von den Toten Hosen hatte ich dabei im Kopf:

Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik
Wasser-Spiegelung nahe Maarmorilik

Danach erreichten wir Maarmorilik, ein „Lost Place“ und äußerst kurioser Ort:

Ausblick auf Maarmorilik
Ausblick auf Maarmorilik

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts gab es hier Bergbau. Die Black Angel Mine dort war von den Jahren 1973 bis 1990 in Betrieb. Bis zu 350 Menschen hatten dort gearbeitet. Alle Einwohner wurden nach der Einstellung umgesiedelt, und seit dem Jahr 1993 ist der Ort verlassen. Abgebaut wurde nicht alles, und vieles wurde einfach dort gelassen:

Aufgegebenes Haus auf Maarmorilik
Aufgegebenes Haus auf Maarmorilik

Wer damals Lust hatte, konnte Bob beim Suchen seiner leeren Bierdosen helfen:

Bobs Biersuche auf Maarmorilik
Bobs Biersuche auf Maarmorilik

Auch lagen viele Fässer herum, ob die zu Schäden der Natur dort führt, konnte ich nicht herausfinden:

Verlassene Fässer auf Maarmorilik
Verlassene Fässer auf Maarmorilik

Der Zugang zur Mine war mit einer Seilbahn gewährleistet:

Die Seilbahn zur Mine auf Maarmorilik
Die Seilbahn zur Mine auf Maarmorilik

Im Innern der Station finden sich allerlei Gerümpel, aber zum Teil auch neue Maschinen und Gegenstände:

In der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik
In der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik
In der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik
In der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik

Ob die Firma SISAG jemals ihr Geld für das geleistete bekommen hat?

Deutsche Wertarbeit in der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik
Deutsche Wertarbeit in der Seilbahn-Station zur Mine auf Maarmorilik

Links unten auf diesem Bild sind die beiden Gondeln der Station zu sehen:

Ausblick auf Maarmorilik und die Hanseatic inspiration
Ausblick auf Maarmorilik und die Hanseatic inspiration

Der Name der Mine kommt von einer dunklen Schieferformation direkt über dem Eingang zur Mine. Sie hat mit sehr viel Fantasie oder vorherigen Alkoholgenuss die Form eines Engels:

Der Engel von Maarmorilik
Der Engel von Maarmorilik

Der Norden hält die Menschen frisch, ich hatte zwei Jacken zu viel dabei:

Zinni auf Maarmorilik
Zinni auf Maarmorilik

Wenn mir etwas gefällt, analysiere ich das nicht wie einige Passagiere an Bord, sondern genieße es erst einmal.

Wir verabschiedeten uns von dieser skurrilen Lokation:

Die HANSEATIC inspiration vor Maarmorilik
Die HANSEATIC inspiration vor Maarmorilik

blickten noch einmal auf die Küste von Grönland:

Blick von der HANSEATIC inspiration auf die Arktis
Blick von der HANSEATIC inspiration auf die Arktis

sagten Grönland erst einmal Auf Wiedersehen und fuhren anschließend Richtung Kanada:

Auf Wiedersehen Grönland, Kanada wir kommen!
Auf Wiedersehen Grönland, Kanada wir kommen!

„Die Menschen sind wahrhaftig nicht erschaffen worden, um in Städten zu leben!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

6.8.2022: Seetag, GPS 73° 36′ N 65° 2′ W

Mitten in der Nacht wachte ich auf, und war sehr überrascht, wie schön es draußen ausgesehen hatte:

Sonnenaufgang in der Arktis
Sonnenaufgang in der Arktis

Es war die Arktis pur auf der HANSEATIC inspiration in der Baffin-Bay auf dem Weg nach Kanada zu sehen:

Eisberge in der Arktis
Eisberge in der Arktis

wenn auch noch keine Robben und Gummibärchen Eisbären zu sehen waren.

Gut gelaunt fand ich danach in der Kabine ein Formular zur Anmeldung für einen Hubschrauberflug zum Eisfjord Gletscher in Ilulissat mit einem Stopp dort. Dieses Erlebnis fehlte mir noch. Die Nachfrage war groß, und es gab nur neun Plätze für alle Passagiere an Bord. Bis sich andere das noch überlegten, schlug ich schnell zu und meldete mich an:

Mein Ticket zum Hubschrauberflug
Mein Ticket zum Hubschrauberflug

Daraufhin gönnte ich mir am Abend kostenpflichtigen Kaviar, Champagner und Wodka. Das war es mir wert:

Kaviar auf der HANSEATIC inspiration
Kaviar auf der HANSEATIC inspiration

Ich ernähre mich übrigens bewusst, den bewusstlos kann zumindest ich nicht essen!

„Ein größerer Geist muss kommen, der den Zug umlenkt und höher hinauf … Kommt er nicht, dann gehen die Menschen zugrunde!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

7.8.2022: Tay Sound, GPS 72° 6′ 3.60 N -78° 59′ 52.80 W

Am nächsten Morgen hatten wir eine Anlandung in Pond Inlet, eine an der Nordküste der Baffin-Insel gelegene Siedlung mit etwa 1.600 Einwohnern im Territorium Nunavut:

Blick auf Pond Inlet
Blick auf Pond Inlet

Das war der Erstbesuch in Kanada der HANSEATIC inspiration. Die Bezeichnung Kanada stammt von dem indianischen Wort „kanata“ und bedeutet Siedlung.

Es war nicht zu übersehen, am welchem Ort wir angelegt hatten:

Ausblick auf Pond Inlet
Ausblick auf Pond Inlet

Die Siedlung ist der östliche Eingang zur Nordwestpassage:

Die Ortschaft Pond Inlet
Die Ortschaft Pond Inlet

Wir konnten aber leider nicht von Bord gehen, nur für die Eindeklarierung waren Behörden am Bord. Diese wurden gezielt eingeflogen, da es vor Ort kein Personal gibt, die dies durchführen konnten. Weiterhin hatten wir einen Inuk als neuer Passagier bekommen, von dem später in diesem Bericht noch die Rede sein soll.

Zur Erläuterung, wenn nicht bekannt: Inuit sind die zirkumpolare Jagdvölker. Inuk ist die Einzahl davon, also ein Mensch.

Bei der Fahrt durch den Tay Sound (der kein Sound ist trotz des Namens, sondern ein Fjord, da er nur einen Ein- und Ausgang hat) sahen wir zuerst eine kahle Hochebene mit schroffen Felsen aus Gneis:

Felsen im Tay Sound
Felsen im Tay Sound

und anschließend eine sanfte Hügellandschaft, dicht bewachsen und grün:

Sanfte Tundra im Tay Sound
Sanfte Tundra im Tay Sound

Bei so viel Schönheit hieß es nur „Augen zu und durch“:

Augen zu und durch im Tay Sound
Augen zu und durch im Tay Sound

Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, ein Stück Land am Ende des Tay Sound. Dazu wurden die bordeigenen Zodiacs bereitgestellt:

Bereitstellung der Zodiacs im Tay Sound
Bereitstellung der Zodiacs im Tay Sound

und wir fuhren zur Anlegestelle:

Die Anlegestelle der HANSEATIC inspiration im Tay Sound
Die Anlegestelle der HANSEATIC inspiration im Tay Sound
Die Anlegestelle der HANSEATIC inspiration im Tay Sound
Die Anlegestelle der HANSEATIC inspiration im Tay Sound

Direkt dort befinden sich verfallene Jagdhütten:

Eine verfallene Jagdhütte im Tay Sound
Eine verfallene Jagdhütte im Tay Sound
Verfallene Jagdhütten im Tay Sound
Verfallene Jagdhütten im Tay Sound

Viel unternehmen konnte ich dort nicht. An die angebotene Wanderung über den Hügel zu einem See hinter den Hütten war mit meinen kaputten Knochen nicht ansatzweise zu denken, und das Gebiet, das von den Eisbärwächtern freigegeben wurde, war übersichtlich:

Ein Eisbärwächter im Tay Sound
Ein Eisbärwächter im Tay Sound
Die Küste im Tay Sound
Die Küste im Tay Sound

und daher fuhr ich auch bald wieder zurück auf die HANSEATIC inspiration zur Weiterfahrt durch die Arktis:

Bye Bye Tay Sound
Bye Bye Tay Sound

„Glückliches Kind, du ahnst noch nicht, wie wunderbar verwickelt und wechselvoll das Leben ist!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

8.8.2022: Seetag, 72° 34′ N 82° 50′ W

Das Aufwachen am nächsten Morgen lohnte sich:

Guten Morgen Grönland
Guten Morgen Grönland

Der Ablauf an Seetagen auf dieser Reise war fast immer gleich bei mir: Ausschlafen, zusammen sein, Trinken, feste Feste feiern und gelegentlich eine Kleinigkeit essen.

Auf dieser Kreuzfahrt waren noch als Höhepunkt die Kommentare mancher Mitreisenden dazu gekommen, wie „Eine Frechheit, dass wir hier nicht anlegen konnten!“ und das bei Windstärke Acht und Zodiac-Anlandung.

Unglaublich, traurig, aber auch in gewisser Art unterhaltsam. Weitere folgen an manchem Ende eines Kapitels. Und mein Mitleid hatte sich in Grenzen gehalten. Ich dagegen vermisste nur die Beach-Bars. Auch kurios, ich weiß. Und nicht ernst gemeint, keine Bange. Als Nordmann kennt man sich etwas aus.

Der Höhepunkt des Tages war die Sichtung von einem Eisbären auf einer Eisscholle. Er war mein Erster in der Natur gesehener:

Eisbär voraus
Eisbär voraus

und ein wohlgenährtes, etwa fünf Jahre altes Männchen.

Bitte das nicht vorhandene Talent gute Tier-Bilder aufzunehmen seitens des Fotografen zu entschuldigen. Dafür haben meine Freunde an Bord, mit denen ich bereits meinen Geburtstag gefeiert hatte, diese tolle Aufnahme gemacht:

Ein Eisbär auf Eisscholle
Ein Eisbär auf Eisscholle

Copyright und Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von befreundeten Passagieren.

„Ich breche die Brücken hinter mir ab. Man verliert dann keine Zeit mit Rückblicken, wo es schon genug Mühe macht, die Augen nach vorn zu richten. Es gibt also keine andere Wahl, als vorwärts zu gehen!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

9.8.2022: Beechey Island, GPS 74° 42′ 59.99″ N -91° 50′ 59.99″ W

Am nächsten Morgen sollten wir auf Beechey Island anlegen. Sie ist nur bei Flut eine Insel, liegt 75 Kilometer östlich der Resolute Bay und unmittelbar vor Devon Island, mit dem sie durch eine Nehrung verbunden ist.

Sie wurde im Jahr 1819 von Captain William Edward Parry entdeckt. Den Namen William Beechey erhielt sie von seinem Sohn, der auch als erster Offizier an der Expedition teilnahm.

Es sah vor dem Frühstück und die anschließende geplante Anlandung nicht gut aus. Es war dichter Nebel und die Sicht war gegen null. Doch etwas später tauchte die Insel doch mystisch aus dem Nebel auf:

Nebel auf Beechey Island
Nebel auf Beechey Island

Kurz später hatte sich der Nebel zum Glück verzogen, und wir konnten anlanden:

Die HANSEATIC inspiration bei Beechey Island
Die HANSEATIC inspiration bei Beechey Island

Die Anlegestelle lag nicht weit von Gräbern entfernt:

Gräber auf Beechey Island
Gräber auf Beechey Island

Die betroffene Franklin-Expedition hatte die Aufgabe, nach 300 Jahren vergeblicher Anläufe, die letzten noch unbekannten 500 Kilometer der Nordwestpassage durchzusegeln und zu kartieren. Der geschützte Hafen der Insel wurde dabei als Winterlager im Jahr 1845 genutzt.

Die Suche danach glückte damals nicht, das Schiff galt als verschollen. Suchmannschaften entdeckten im Jahr 1852 dort die Gräber. Sie gehörten den drei Mitgliedern der Mannschaft, die während des Winters gestorben waren:

Franklin-Gräber auf Beechey Island
Franklin-Gräber auf Beechey Island

Ich kann seit neustem auch zählen, keine Bange. Denn es starb auch dort ein Mitglied der Rettungsmannschaft, das ebenfalls dort beerdigt wurde. Es ist das vom Seemann Thomas Morgan, der zur Mannschaft der HMS Investigator gehört hatte. Das Schiff wurde aufgeben und die Crew erreichte zu Fuß die Insel, wo er vermutlich an Skorbut verstarb:

Das Grab von Thomas Morgan auf Beechey Island
Das Grab von Thomas Morgan auf Beechey Island

In diesem Bereich waren noch mehr Monumente:

Monument auf Beechey Island
Monument auf Beechey Island

Die HMCS Cormorant war vor der Küste auf der Suche nach John Franklin gesunken:

HMCS Cormorant Ehrung auf Beechey Island
HMCS Cormorant Ehrung auf Beechey Island

Eine Ehrung an John Franklin von den Bürgern von Spilsby, wo er im Jahr 1786 geboren wurde:

Die Bürger von Spilsby ehren John Franklin auf Beechey Island
Die Bürger von Spilsby ehren John Franklin auf Beechey Island

Und eine Widmung für Otto Sverdrup. Unter seiner Leitung in den Jahren 1898 bis 1902 erforschte die zweite norwegische Polarexpedition mit der Fram die kanadische Inselwelt westlich der Ellesmere-Insel:

Widmung für Otto Sverdrup auf Beechey Island
Widmung für Otto Sverdrup auf Beechey Island

Die Oberfläche der Insel selbst ist von feinem, schiefrigen Kalkstein bedeckt:

Kalkstein auf Beechey Island
Kalkstein auf Beechey Island

und Vegetation ist dort fast nicht zu finden:

Keine Vegetation auf Beechey Island
Keine Vegetation auf Beechey Island

Ein Passagier und ein Crewmitglied wollten ernsthaft dort baden gehen, wie bei fast jeden Hafen auf dieser Kreuzfahrt. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen, denn dort gibt es keine heißen Quellen, sondern Wassertemperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Ich würde nicht für 10.000 € dort hineingehen. Ab einer Million kann man aber mit mir reden:

Der Strand von Beechey Island
Der Strand von Beechey Island

Es gab einen relativ großen Bereich, der von den Eisbärwächtern freigegeben wurde und abgelaufen werden konnte:

Unterwegs auf Beechey Island
Unterwegs auf Beechey Island

was auch von den vielen Passagieren genutzt wurde:

Hapag-Lloyd Passagiere auf Beechey Island
Hapag-Lloyd Passagiere auf Beechey Island

Was mir wie so oft selbst auf dieser Reise wegen fehlender Hardware im Körper nicht gelungen war. Ich fand den Ausflug dorthin trotzdem gelungen und interessant.

Nach dem Übersetzen mit dem Zodiac zurück auf die HANSEATIC inspiration:

Abschied von Beechey Island
Abschied von Beechey Island

fuhren wir anschließend auf den Weg zur Eiskante, in der Hoffnung Tiere zu finden:

Tiersuche an der Eiskante im Norden von Kanada
Tiersuche an der Eiskante im Norden von Kanada

Auf einer kleinen Eisscholle sahen wir zuerst ein Walross:

Walrosse an der Eiskante im Norden von Kanada
Walrosse an der Eiskante im Norden von Kanada

und kurz darauf zwei:

Zwei Walrosse bei Beechey Island
Zwei Walrosse bei Beechey Island

Ich hatte den Eindruck, dass sie sich nicht von uns gestört fühlten.

Weiterhin wurde von der Crew und den meisten Passagieren noch eine Eisbären-Mutter mit ihren zwei Kindern gesehen. Bis ich an Deck war, waren sie aber leider nicht mehr zu sehen. Aber meine Freunde haben es dokumentiert:

Eisbär-Mutter mit Kinder bei Beechey Island
Eisbär-Mutter mit Kinder bei Beechey Island

Copyright und Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von befreundeten Passagieren.

Ein fantastischer Tag ging leider viel zu schnell zu Ende.

„Es nützt nichts, gegen den Strom zu arbeiten!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

10.8.2022: Croker Bay / Devon Island, GPS 74° 42′ 0.00 N -83° 14′ 24.00 W

Devon Island ist die zweitgrößte der Königin-Elisabeth-Inseln und gehört zum Territorium Nunavut. Sie gilt auch als „The Last Stop Before Mars“. Dort legten wir an zwei Destinationen an einem Tag ein, zuerst in der Croker Bay, ein 35 Kilometer tiefer cooler Fjord an der Südküste der Insel:

Blick auf die Croker Bay
Blick auf die Croker Bay

Die Bucht wird von 450 Meter hohen Tafelbergen flankiert:

Ein Tafelberg in der Croker Bay
Ein Tafelberg in der Croker Bay

und ist ein 35 Kilometer tiefer Fjord an der Südküste der Insel. Eine Gletscherfront treibt riesige Eismengen in die Bucht:

Eine Gletscherfront in der Croker Bay
Eine Gletscherfront in der Croker Bay

Das bordeigene Zodiac-Ballett wurde vorbereitet auf eine Rundfahrt durch die Gegend:

Zodiac-Ballett in der Croker Bay
Zodiac-Ballett in der Croker Bay

In diesen Zodiacs konnten wir nahe an die Eisberge der Region uns nähern:

Eisberge in der Croker Bay
Eisberge in der Croker Bay

sowie auch zum Gletscherrand:

Zum Gletscherrand mit Zodiac in der Croker Bay
Zum Gletscherrand mit Zodiac in der Croker Bay

Im Wasser lagen viele kleine und größere Eisberge in den tollsten Formationen, zwischen grün-schwarz:

Grün-Schwarze Eisberge in der Croker Bay
Grün-Schwarze Eisberge in der Croker Bay

und blauen war alles dabei:

Blaue Eisberge in der Croker Bay
Blaue Eisberge in der Croker Bay

die sich zudem noch im Wasser spiegelten:

Eisberg-Wasserspiegelungen in der Croker Bay
Eisberg-Wasserspiegelungen in der Croker Bay

das war ein cooles Ereignis für mich:

Coole Eisberge in der Croker Bay
Coole Eisberge in der Croker Bay

Was für ein tolles Fantasiespiel. Daneben erscheint „World of Warcraft“ wie ein Reality-Format:

Die Croker Bay ist cool!
Die Croker Bay ist cool!

Die Fahrt war Top, und erneut ein Höhepunkt auf der Arktis-Reise der HANSEATIC inspiration.

„Heute kein Eisbär auf einer Eisscholle vor uns!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Klar, ausgestopft wäre das möglich zu organisieren, ist aber auch nicht das Wahre.

10.8.2022: Dundas Harbour / Devon Island, GPS 74° 30′ 59.99 N -82° 22′ 59.99 W

Am Nachmittag fuhren wir auf der gleichen Insel zu der etwas weiter auf einer Landzunge liegenden verlassenen Gemeinde Dundas Harbour:

Blick auf die verlassene Gemeinde Dundas Harbour
Blick auf die verlassene Gemeinde Dundas Harbour

Die Geisterstadt wurde über verschiedene Epochen hinweg von verschiedenen Völkern bewohnt. Die verfallenen Holzgebäude gehörten der Royal Canadian Mounted Police und der Hudson Bay Company, die in den Jahren von 1920 bis 1950 dort Außenstellen hatten:

Ein verfallenes Holzgebäude in Dundas Harbour
Ein verfallenes Holzgebäude in Dundas Harbour

In den Hütten befinden sich noch Relikte der „Mounties“ Epoche:

In einer Hütte der „Mounties“ in Dundas Harbour
In einer Hütte der „Mounties“ in Dundas Harbour

Durch einen Sturm änderte sich die Lage des Bodens und der Decke dieser Bretterbude schlagartig:

Haus auf dem Kopf in Dundas Harbour
Haus auf dem Kopf in Dundas Harbour

Wir waren nicht allein dort, der Ort hat auch einen Campingplatz:

Zelten auf Dundas Harbour
Zelten auf Dundas Harbour

Das waren aber keine Interrail-Jugendliche auf Tour, sondern Einheimische, die in der Umgebung wohnen und dort auf Robben-Jagd gehen.

Die Umgebung ist eine Tundra, mit einem Strand aus roten Sand, der aus Granatsteinchen besteht:

Die Beach ohne Bar von Dundas Harbour
Die Beach ohne Bar von Dundas Harbour

Es war aufschlussreich, in welchen verlassenen Gegenden die Royal Canadian Mounted Police ihre Außenstellen hatte.

Zurück auf dem Schiff verließen wir anschließend den schrägen Ort bei Regen:

Regen beim Abschied von Dundas Harbour
Regen beim Abschied von Dundas Harbour

„Das sind ja nur ein paar Hütten in diesem Kaff!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Es stimmt sogar, New York ist etwas größer.

11.8.2022: Seetag zur Packeisgrenze, 77° 3′ N 72° 40′ W

Der Morgen am Seetag war ereignislos, doch nach dem Mittagessen hatte die Brücke einen Eisbären weit entfernt vom Land oder einer Eisscholle entdeckt:

Ein Eisbär im Norden von Grönland
Ein Eisbär im Norden von Grönland

Da er schnell beschlossen hatte, dass wir für ihn nicht essbar sind, wendete er sich leider wieder ab, und ward nicht mehr gesehen.

Zu diesem Zeitpunkt war von der Packeis-Grenze noch nicht viel zu sehen:

Auf dem Weg zur Packeis-Grenze im Norden von Grönland
Auf dem Weg zur Packeis-Grenze im Norden von Grönland

Dieser Wasserfall glänzte dabei besonders:

Ein Wasserfall im Nordmeer von Grönland
Ein Wasserfall im Nordmeer von Grönland

Quatsch, keine Ahnung wie das Bild entstanden ist, und welcher Effekt es war.

Die Packeis-Lage änderte sich schnell, und sie wurde von Minute zu Minute mehr:

Packeis im Norden von Grönland
Packeis im Norden von Grönland

Die Suche zum Durchkommen war wie ein Eintausend-Teile-Puzzle nur mit blauem Himmel. Knifflig, aber mühsam machbar:

Die Packeis-Grenze im Norden von Grönland
Die Packeis-Grenze im Norden von Grönland

Wir erreichten ans anschließend den nördlichsten Punkt unserer Reise bei 78°16,4′ N, und der, den die HANSEATIC inspiration jemals in der Arktis erreicht hat:

Blick auf die Packeis-Grenze im Norden von Grönland
Blick auf die Packeis-Grenze im Norden von Grönland

Schön blau war es dort:

Blau auf Weiß am Packeis von Grönland
Blau auf Weiß am Packeis von Grönland

Es gab an Bord einen sogenannten Inspiration-Walk am Heck auf unserem Schiff:

Das Packeis, gesehen vom Inspiration-Walk auf der HANSEATIC inspiration aus
Das Packeis, gesehen vom Inspiration-Walk auf der HANSEATIC inspiration aus

an dem sich bei solchen Momenten meist die Passagiere drängten:

Passagiere schauen auf das Packeis
Passagiere schauen auf das Packeis

So ganz verstanden warum hatte ich das nicht, weiter oben hatte man seine Ruhe und mehr Übersicht. Mir sollte es recht sein.

Ich bewunderte auch die Gelassenheit des Passagiers etwas links von der Mitte des Bildes aus. Wenn der geahnt hätte, wie schlecht der Glühwein ist, hätte er anders reagiert. Solche Ausreißer kamen aber zum Glück selten vor an Bord.

Die Auswirkungen auf den Wein waren bei mir trotzdem anzusehen. Auf diesem Bild haben sich 1,34 Promille Alkohol versteckt:

Der verkaterte Zinni von den Gebrüder Lambrusco nach dem Glühwein auf der HANSEATIC inspiration
Der verkaterte Zinni von den Gebrüder Lambrusco nach dem Glühwein auf der HANSEATIC inspiration

Kleiner Foto-Aufnahmetipp von mir: Bei Porträts kein Ultra-Weitwinkelobjektiv verwenden.

Das war ein tolles Erlebnis in der Packeis-Grenze, und der Nachtisch beim Abendessen danach passte zu der Umgebung und mir:

Der blaue Nachtisch passte zu mir
Der blaue Nachtisch passte zu mir

„Ich glaube, daß, wenn wir auf die sich in der Natur selbst vorfindenden Kräfte Acht geben und versuchen, mit denselben und nicht gegen sie zu arbeiten, wir den sichersten und leichtesten Weg zum Pole finden werden!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

12.8.2022: Siorapaluk, GPS 77° 46′ 59.9 N -70° 45′ 59.99 W

Am nächsten Vormittag wollten wir den größten Ort der Region, Qaanaaq, besuchen. Bei der Durchsage „Wir prüfen gerade, ob wir in Qaanaaq anlegen können“ dachte ich mir bereits, dass dies eine vorsichtige Warnung für „Der Aufenthalt fällt aus“ war. Als ich ein Zodiac im Wasser gesehen hatte, war ich mir selbst nicht sicher, ob ich da überhaupt einsteigen möchte.

Und wie von mir geahnt, konnte wegen Wind, Böen bis Windstärke 7 und Wellen die Anlandung nicht zugelassen werden. Groß traurig darüber war ich nicht bei diesem Wetter.

Quizfragen:

Ich war auf den Azoren auf acht von den neun bewohnten Inseln vor einer Kreuzfahrt im Jahr 2022 mit Hapag Lloyd, und alle neun waren geplant.

Welche wurde gestrichen?

Drei Monate später:

Mir fehlt noch eine Stadt auf Grönland für einen Besuch.

Welche konnte auf dieser Fahrt trotz mehreren Versuchen nicht angelegt werden?

Das Leben kann hart sein, gibt aber Schlimmeres.

Die anschließende Anlandung in der Siedlung Siorapaluk am Nachmittag konnte zum Glück durchgeführt werden:

Blick auf Siorapaluk
Blick auf Siorapaluk

Etwa fünfzig Menschen leben hier, 1.262 Kilometer vom Nordpol entfernt:

Die Siedlung Siorapaluk
Die Siedlung Siorapaluk

oder sind dort beerdigt:

Der Friedhof von Siorapaluk
Der Friedhof von Siorapaluk

Viele Passagiere liefen gezielt zum Haus eines Einheimischen:

Das Haus des Achate-Verkäufers auf Siorapaluk
Das Haus des Achate-Verkäufers auf Siorapaluk

Für wenig Geld und erstaunlicherweise auch in Euro hatte er dort die wohl nördlichsten Achate der Welt angeboten:

Der steinreiche Händler von Siorapaluk
Der steinreiche Händler von Siorapaluk

Die Einwohner leben aber nicht nur davon, sondern hauptsächlich von der Jagd auf Wale, Robben, Moschusochsen und Walrosse. Dies war gut zu sehen, im Ort lagen vor fast allen Häusern die Skelette von der Beute:

Der Schädel eines Moschusochsen auf Siorapaluk
Der Schädel eines Moschusochsen auf Siorapaluk
Gestorben in Siorapaluk
Gestorben in Siorapaluk
Jägerbeute in Siorapaluk
Jägerbeute in Siorapaluk

oder ein frischer Fang:

Erfolgreiche Robbenjagd auf Siorapaluk
Erfolgreiche Robbenjagd auf Siorapaluk

Ich wurde vor diesem Haus:

Ein Haus auf Siorapaluk
Ein Haus auf Siorapaluk

sehr freundlich von einem Inuk begrüßt:

Ein Inuk aus Siorapaluk und Zinni
Ein Inuk aus Siorapaluk und Zinni

Ungefragt zeigte er mir seine Wohnung und Bilder von seinen Jagd-Erfolgen, unter anderem ein Eisbär:

Die Wohnung von einem Inuk auf Siorapaluk
Die Wohnung von einem Inuk auf Siorapaluk

Nicht nur er wurde mein neuer Freund dort, sondern auch dieser süße Welpe:

Mein neuer Freund in Siorapaluk
Mein neuer Freund in Siorapaluk

Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen nach Hause. Aber ich habe ihn natürlich lieber vor Ort bei Mutter weiter wachsen lassen:

Ein Grönlandhund-Welpe hat Hunger auf Siorapaluk
Ein Grönlandhund-Welpe hat Hunger auf Siorapaluk

Dieses Hunde-Bild musste ich aus unappetitlichen Gründen bearbeiten, und ein Teil davon editieren:

Hundies in Siorapaluk
Hundies in Siorapaluk

Da es im Ort keine Müllabfuhr gibt, liegt vor den Häusern vieles ausgedientes herum:

Fässer auf Siorapaluk
Fässer auf Siorapaluk

Kein schöner Anblick, aber bewerten oder gar kritisieren ist hier nicht angebracht. Eine Alternative wäre gewesen, das Schiff zu verlassen, und den nächsten Hubschrauber-Flug der Air Greenland zu nehmen:

Der Hubschrauber-Landeplatz auf Siorapaluk
Der Hubschrauber-Landeplatz auf Siorapaluk

Das kam natürlich nicht infrage. Siorapaluk war ein Ort, wie ich Grönland kenne und liebe:

Die Siedlung Siorapaluk
Die Siedlung Siorapaluk

Ohne ein kühles Bad vor Ort:

Der Strand von Siorapaluk
Der Strand von Siorapaluk

fuhr ich glücklich dort gewesen zu sein zurück auf das Schiff:

Die HANSEATIC inspiration vor Siorapaluk
Die HANSEATIC inspiration vor Siorapaluk

Mir ist bekannt, dass ich anders bin als andere. Das ist okay, ich kann damit leben. An diesem Abend hatte mir sogar dieses Wetter und die Wellen dazu gefallen und es genossen. Die meisten anderen Passagieren nicht:

Sturm im Nordmeer am Abend
Sturm im Nordmeer am Abend

Das ist wohl Geschmackssache. Für mich war auf dieser Kreuzfahrt bislang gewissermaßen jeder Tag wie ein Endspiel. Gibt dir das Leben Zitronen, mach eine Limonade daraus.

„Wir möchten zurück in die Antarktis!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Hoffentlich kommen sie bald dort an, und lassen uns ihren Spaß mit der HANSEATIC inspiration in der Arktis unterwegs zu sein.

13.8.2022: Parker Snow Bay, GPS 76° 8′ 51.0 N 68° 32′ 21.0 W

Am nächsten Morgen sollten wir in der Parker Snow Bay anlegen. Als ich trotz langem Baraufenthalt am Abend zuvor morgens um vier überraschend früh aufgewacht war, schaute ich nach draußen und wusste warum. Ich sah dieses vom Vortag gewohnte Bild:

Sturm im Nordmeer am Morgen
Sturm im Nordmeer am Morgen

Da ahnte ich bereits, dass wir keine Chance auf eine Anlandung hatten. Zwei bis drei Meter hohe Wellen, Windböen bis Stärke 8, Nebel und heftiger Regen. Das würden nur Wahnsinnige tun. Also doch etwas für mich. Unsinn, bei dem Wetter wäre ich auch nicht übergesetzt, selbst wenn die Freigabe gekommen wäre. Ich wollte kein Hobbit der Schlacht der fünf Meere sein. Ich legte mich wieder in mein Bett, alterte vor mich her, und war hoch motiviert an dem Tag so wenig wie möglich zu tun.

Das änderte sich, als wir am Mittag das Cape York passierten. Trotz noch immer mit einem Kampf mit den Wellen. Viele Lust nach Außen zu gehen hatte ich dadurch nicht, und lies meine Spiegelreflexkamera zur Sicherheit in der Kabine.

Aber mit dem Smartphone konnte ich wagemutig ein paar Fotos von dem Eisbergfriedhof dort aufnehmen:

Willkommen im Eisbergfriedhof am Cape York
Willkommen im Eisbergfriedhof am Cape York

Wir konnten Eisberge in den verschiedensten Formen bewundern:

Der Eisbergfriedhof am Cape York
Der Eisbergfriedhof am Cape York

Das Cape York befindet sich an der Südspitze einer langen schmalen Halbinsel:

Cape York und sein Eisbergfriedhof
Cape York und sein Eisbergfriedhof

wo dadurch die Giganten auf ihrem Weg nach Süden gestoppt werden:

Eisberggiganten am Cape York
Eisberggiganten am Cape York

Nicht nur ich Weichei zog es anschließend vor, das coole Geschehen in der Arktis vom Innern der HANSEATIC inspiration aus beobachten zu können.

Aus trockener und windfreier Sicht, und mit Bier vom Fass:

Der Eisbergfriedhof am Cape York von Innen gesehen
Der Eisbergfriedhof am Cape York von Innen gesehen

Am Nachmittag war der Spuk vorbei, und die See war wieder ruhig:

Die HANSEATIC inspiration auf dem Weg nach Qullissat
Die HANSEATIC inspiration auf dem Weg nach Qullissat

„Wir haben noch keine Wale gesehen und sind enttäuscht!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Das ist Natur und zum Glück nicht planbar.

14.8.2022: Qullissat, GPS 70° 5′ 3 N 53° 0′ 2 W

Am nächsten Tag lag fast ein Seetag vor uns. Und der hatte es in sich, wir mussten ständig gegen Wellen, die bis zu drei Meter hoch waren, kämpfen. Das Schiff stampfte, viele lagen im Bett, waren müde und fühlten sich unwohl. Ich nicht, und hatte fast allein beim Frühstück gesessen.

Mein Respekt für den Passagier, der sich traute, den Inspiration-Walk bei diesem Wetter zu betreten:

Einer geht noch, einer geht noch raus
Einer geht noch, einer geht noch raus

Am Nachmittag gab es Hoffnung auf eine Besserung, denn wir fuhren in eine Meeresstraße zwischen dem Festland und der Disko-Insel ein. Dort hatten wir Landschutz und das Meer wurde wieder ruhiger.

So konnten wir doch noch wie geplant nach dem Abendessen in der verlassenen Stadt Qullissat anlegen,
unser erster Aufenthalt in Grönland nach dem Abstecher in Kanada:

Ausblick von der HANSEATIC inspiration aus auf die ehemalige Bergbausiedlung Qullissatt
Ausblick von der HANSEATIC inspiration aus auf die ehemalige Bergbausiedlung Qullissatt

Die Stadt wurde im Jahr 1924 als Heimat für Minenarbeiter gegründet. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war sie eine der größten des Landes. Im Jahr 1972 wurde die letzte Kohlemine geschlossen, und die letzten Bewohner verließen Qullissatt. Sie ist die einzige aufgegebene Stadt im Land, alle andere waren nur Orte.

Von weiten aus sahen die Häuser noch intakt aus, fast wie Ferienhäuser:

Blick auf Qullissat
Blick auf Qullissat

Vom Nahen aus war der Verfall aber deutlich zu sehen, so ähnlich wie bei mir:

Ruinen auf Qullissat
Ruinen auf Qullissat

Das Geisterdorf war trotzdem sehr interessant:

Blick auf Qullissat
Blick auf Qullissat

mit den vielen verfallenen Häuser:

Das Geisterdorf Qullissat
Das Geisterdorf Qullissat

Überraschend war eine Gruppe von Geologen vor Ort, mit Maschinen sowie sogar zwei Hubschrauber. Sie führen geologische Kartierungen durch, und machen dies sehr geheimnisvoll. Sie hatten uns nicht verraten, für welche Firma sie suchen, und wollten nicht fotografiert werden. Uns aber nahmen sie auf, ohne zu fragen.

Nach der Rückkehr auf die HANSEATIC inspiration hatte ich zusammen mit dem Bürgermeister von Pond Inlet auf Nunavut in Kanada an der Bar gesessen. Seine Aufgabe an Bord war zu untersuchen, warum Kreuzfahrten wie unsere HANSEATIC inspiration zur Arktis kommen, und was die Passagiere interessiert. Dadurch hoffe er, seine Heimatstadt attraktiver für Kreuzfahrten-Anlandungen zu machen. Er schaute aber auch, dass wir in Kanada nichts Verbotenes anstellen. Er ist cool, und ein neuer Freund von mir. Okay, das ist leicht. Ein Feind zu werden von mir aber auch, wenn mir jemand mein Bier abnimmt oder so etwas, was hier natürlich nicht passierte:

Zinni und sein neuer Inuk-Freund auf der HANSEATIC inspiration
Zinni und sein neuer Inuk-Freund auf der HANSEATIC inspiration

Wenn von Interesse, hier ein Interview der Reederei mit ihm an Bord:

Expedition Arktis mit der HANSEATIC inspiration: Der Bürgermeister von Pond Inlet im Interview

Er ist ein toller Mensch, es hatte viel Spaß gemacht und war interessant, sich mit ihm zu unterhalten.

Wie auch auf dem Weg zu meiner Kabine noch einmal nach draußen zum Schauen. Die Antwort auf die Frage, ob deutsche Männer weinen dürfen, war mir egal. Ich hatte vor Freude Tränen in den Augen:

Grönland bei Nacht
Grönland bei Nacht

„Wir besuchten heute nicht Qullissat. Wir kennen doch schon ein solcher Ort in Grönland, einer reicht. Sie sind doch alle gleich!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Sprachlos in Grönland.

15.8.2022: Ilulissat, GPS 69° 13′ 0.12 N 51° 6′ 0 W

Satz mit X, war wohl nichts. Der Morgen in Ilulissat begann nach dem Ausbooten mit einer Enttäuschung für mich. Mein gebuchter Hubschrauberflug wurde leider wegen eines medizinischen Notfalls gestrichen. Schade, aber das geht natürlich vor.

Ich musste umplanen, das war aber einfach. Denn eine Wanderung zum Eisfjord ist immer wieder ein Erlebnis dort. Auch wenn mir klar war, dass ich ihn nur eingeschränkt besuchen konnte aus den bekannten Gründen.

So nahm ich den angebotenen Shuttle-Dienst der Reederei, und lief von der Bus-Endhaltestelle im Ort den Holzsteg entlang in die Richtung des weltweit schönsten Fjordes:

Walkway zum Ilulissat-Eisfjord
Walkway zum Ilulissat-Eisfjord

Der Name Ilulissat ist Programm, er bedeutet auf Deutsch Eisberg. Ilulissat ist die drittgrößte Stadt auf Grönland mit seinen knapp fünftausend Einwohner. Außer von Fischen und Jagen lebt die Stadt auch von den Touristen, die den Icefjord besichtigen möchten. So wie ich unzählige Mal, ich war glücklich, dass ich endlich wieder einmal dort war:

Zinni ist wieder am Ilulissat-Eisfjord
Zinni ist wieder am Ilulissat-Eisfjord

Mit Mühen stieg ich zum Aussichtspunkt auf, von dem aus der Fjord am einfachsten zu sehen ist:

Blick auf den Ilulissat-Eisfjord
Blick auf den Ilulissat-Eisfjord

Ich war dabei natürlich nicht allein:

Besucher im Ilulissat-Eisfjord
Besucher im Ilulissat-Eisfjord

und hoffe, dass es meinen Mitbesuchern so gut gefallen hat wie mir:

Faszination Ilulissat-Eisfjord
Faszination Ilulissat-Eisfjord

Mein bekanntes Leid sorgt davor, dass ich dort die kürzeste Wanderung von meinen vielen bisherigen Aufenthalten unternommen hatte. Mehr war leider nicht möglich. So lief ich zurück zur Stadt.

Dort kehrte ich wieder einmal im Inuit Café ein, das von einem Deutschen und seiner Frau aus Sri Lanka betrieben wird. Ich hatte dort Weißbiere aus Grönland gerettet, das in einer Flasche gefangen waren:

Weißbier aus Grönland
Weißbier aus Grönland

Ich bestehe übrigens zu 70 Prozent aus Durst, der Rest ist Reisen und die Planung dazu.

Einfacher wurde es am Nachmittag mit der angebotenen Zodiac-Tour. Da musste ich nur auf das Boot einsteigen, das hatte ich hinbekommen.

Unterwegs im Ilulissat-Eisfjord
Unterwegs im Ilulissat-Eisfjord

und schnell sahen wir erwartungsgemäß viele Eisberge:

Ausblick auf Eisberge im Ilulissat-Eisfjord
Ausblick auf Eisberge im Ilulissat-Eisfjord

in vielerlei Variationen:

Ein Eisberg im Ilulissat-Eisfjord
Ein Eisberg im Ilulissat-Eisfjord

auch mal schön blau, meine Lieblingsfarbe:

Schön blau: Eisberge im Ilulissat-Eisfjord
Schön blau: Eisberge im Ilulissat-Eisfjord

Das Wetter passte, und sorgte für eine fantastische Stimmung:

Cooler Eisberg im Ilulissat-Eisfjord
Cooler Eisberg im Ilulissat-Eisfjord

Ich kann mich nie sattsehen an diesen Giganten, und jede Fahrt dorthin ist immer wieder anders:

Eisberg-Gigant im Ilulissat-Eisfjord
Eisberg-Gigant im Ilulissat-Eisfjord

Auf dieser Tour war noch die Sichtung von einigen Walen dazugekommen:

Wale im Ilulissat-Eisfjord
Wale im Ilulissat-Eisfjord

und wir hatten alle Meer mehr verdient:

Zwei Wale im Ilulissat-Eisfjord
Zwei Wale im Ilulissat-Eisfjord

und bekommen:

Ein Wal im Ilulissat-Eisfjord
Ein Wal im Ilulissat-Eisfjord

Es war eine Wonne, das Spektakel anzuschauen:

Wal voraus im Ilulissat-Eisfjord
Wal voraus im Ilulissat-Eisfjord

Andere Zodiacs fuhren näher zu den Walen, unser Fahrer wollte dies nicht. Das hatten wir alle im Zodiac akzeptiert, und hatten auch keine Wal Wahl:

Ein Wal und Zodiacs im Ilulissat-Eisfjord
Ein Wal und Zodiacs im Ilulissat-Eisfjord

Weiterhin war meine Position auf dem Zodiac war nicht die Erste, sondern die Economy-Klasse, sodass es nicht immer einfach war, ein Bild ohne Personen aufnehmen zu können:

Hier saß ich nicht in der ersten Reihe
Hier saß ich nicht in der ersten Reihe

Trotzdem war die Fahrt sensationell. Es war ein Tag voller Wendungen, alles war dabei, mit Tops und Flops. Und meine erste gesehene Fata Morgana als Abschied, es war unfassbar:

Eine Fata Morgana im Ilulissat-Eisfjord
Eine Fata Morgana im Ilulissat-Eisfjord

Grönland löst alles ein, was die andere nur versprechen.

„Die Natur, stark und wild, ist wie eine alte, in Schnee gemeißelte Sage, die manchmal in so feiner und zarter Stimmung ist wie ein Gedicht!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

16.8.2022: Seetag, 65° 52′ N 53° 47′ W

Am nächsten Tag nur auf See war etwas faul: Ich. Wie auch in diesem Kapitel zum Schreiben.

Ich mache auf witzefrei, und schwänzte an Bord alle Dokumentarfilme, Vorträge wie „Aberglaube oder Realität – Der Einfluss der Gestirne auf die Natur“, Erzählungen, was wir alles über die „Seemeile“ wissen müssen und den klassischen Piano-Abend zu dem Thema „Classics on the rocks“ ohne Getränke-Service. Und ich war trotzdem zufrieden.

Langweiliger Chronologie-Pflicht-Modus ein:

Wir waren 176 Passagiere und 164 Crew-Mitarbeiter. Vier Gäste waren aus Österreich, vier aus den Niederlanden, elf auf der Schweiz und einer aus London. Die restlichen Passagiere waren aus Deutschland.

Die Arktis verdankt übrigens ihren Namen dem Sternbild des großen Bären, eine ausgezeichnete Orientierungshilfe für den Norden. Bär heißt im Altgriechischen Arktas.

Trotz der niedrigen Temperaturen draußen war leider das Bier im Restaurant nicht immer kalt, schade. Nach Beschwerden von mir wurde es mit einem Service à la Hapag Lloyd serviert:

Bier-Service a la Hapag Lloyd
Bier-Service a la Hapag Lloyd

Der Boden eines Iglus nennt sich Eisdielen.

Langweiliger Chronologie-Pflicht-Modus aus

„Soviel Seetage hatten wir nicht erwartet!“

Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Die Anzahl der Seetage stand in allen Beschreibungen.

17.8.2022: Ivittuut, GPS 61° 12′ 22.03 N 48° 10′ 25.72 W

Am nächsten Morgen empfing uns eine graue Suppe nach Art der grönländischen Landfrauen, nordich und derb:

Grönland bei Nebel
Grönland bei Nebel

Ich hoffte, dass wir danach bei der Anlandung auf Ivittuut ein besseres Wetter haben. Und in der Tat besserte sich langsam die Sicht. Ich musste bei diesem Anblick:

Mit Wolken bedeckte Berge auf dem Weg nach Ivittuut
Mit Wolken bedeckte Berge auf dem Weg nach Ivittuut

an das Lied Brothers in Arms von Dire Straits denken:

„These mist covered mountains
Are a home now for me“

Der Berg Kuunnaat ist das Wahrzeichen des befahrenen Arsukfjordes mit seiner Höhe von 472 Meter:

Der Berg Kuunnaat
Der Berg Kuunnaat

Danach erreichten wir die Geisterstadt Ivittuut. Direkt an der Anlegestelle befindet sich die einzige Straße in Grönland, die zwei Gemeinden verbindet. Auch wenn eine davon aufgegeben wurde:

Die Straße von Ivittuut nach Kangilinnguit
Die Straße von Ivittuut nach Kangilinnguit

Was war das für ein bizarrer Ort:

Ausblick auf Ivittuut
Ausblick auf Ivittuut

Ivittuut war die weltweit einzige Grube, die Kryolith förderte, ein selten vorkommendes Mineral. Aber auch Erz wurde abgebaut:

Früherer Erzabbau in Ivittuut
Früherer Erzabbau in Ivittuut

Früher wurde der Ort von rund 120 Personen im Sommer und 60 im Winter bewohnt. Die Bergleute waren meist junge unausgebildete Dänen, die gerade ihren Wehrdienst geleistet hatten, sie wohnten in Häusern wie diesen:

Ein Haus in Ivittuut
Ein Haus in Ivittuut

Innen sah es dort aus wie in der Garage vom Lehmann-Nachbar:

Die Garage vom Lehmann-Nachbar in Ivittuut
Die Garage vom Lehmann-Nachbar in Ivittuut

Es wurde aufgebaut, eingerichtet, benutzt, verlassen und den Krempel anschließend liegen gelassen:

Aufgabe in Ivittuut
Aufgabe in Ivittuut

Der Ort wirkt verkommen:

Scherben in Ivittuut
Scherben in Ivittuut

hatte aber für mich auch auf einen gewissen Flair:

Ein verlassenes Gebäude in Ivittuut
Ein verlassenes Gebäude in Ivittuut

obwohl natürlich heute alles aufgegeben ist:

Kaputte Scheiben in Ivittuut
Kaputte Scheiben in Ivittuut

Mir fehlen die Worte, ob ich die Ortschaft als absonderlich, ausgefallen, befremdend, bizarr, eigenartig, exotisch oder extravagant nennen soll. Ich war fasziniert dort und lebte in einer neu entdeckten Welt.

Die Weiterfahrt war Wahnsinn, reiner Wahnsinn, bei dieser tollen Landschaft dort:

Die Gegend um Ivittuut
Die Gegend um Ivittuut

und schönen Bergen:

Die Umgebung um Ivittuut
Die Umgebung um Ivittuut

Die Stimmung am Abend war prima:

Am Abend in Grönland
Am Abend in Grönland

Aber schade, das waren noch keine Polarlichter, als ich am Deck nach Außen geschaut hatte:

Keine Polarlichter über Grönland
Keine Polarlichter über Grönland

Als ich anschließend bereits im Bett gelegen hatte, wurde ich durch eine Lautsprecherdurchsage geweckt mit dem Hinweis auf Polarlichter! Leider war ich körperlich nicht in der Lage aufzustehen, die Knochen machten nicht mit. Das war zu viel Belastung für sie. Dafür hat man ja Freunde an Bord, die dies belegen können:

Polarlichter über Grönland
Polarlichter über Grönland

Zu schön wie das ja dort bestimmt war, aber mich zu quälen mit eventuellen Folgeschäden hätten ja nichts gebracht:

Aurora Borealis über Grönland
Aurora Borealis über Grönland

Copyright und Quelle der letzten beiden Bildern: Mit freundlicher Genehmigung von befreundeten Passagieren.

„Wir brauchen Mut, um die alten Kleider wegzuwerfen, die ihre besten Tage hinter sich haben!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

18.8.2022: Prins Christian Sund, GPS 71° 14′ 18.00 N -53° 33′ 59.99 W

Am nächsten Tat fuhren wir in den Prins Christian Sund ein:

Guten Morgen Prins Christian Sund
Guten Morgen Prins Christian Sund

Die Landschaft dort war fantastisch schön:

Im Prins Christian Sund
Im Prins Christian Sund

Dieser über 100 Kilometer lange und an vielen Stellen nur 300 Meter breite Kanal trennt das grönländische Festland von einer Inselgruppe mit dem Kap Farvel im Süden:

Unterwegs im Prins Christian Sund
Unterwegs im Prins Christian Sund

Es war eine Wonne, diese tolle Landschaft zu genießen. Zunächst lagen die steil aufragenden Berge noch im Schatten, aber später lagen sie in der Sonne:

Die Landschaft im Prins Christian Sund
Die Landschaft im Prins Christian Sund

Bei der Aufnahme von diesem Bild waren alle Schmerzen vergessen, auch weil das Bild von unserem Bordarzt aufgenommen wurde:

Zinni geht es gut nach dem Besuch im Prins Christian Sund
Zinni geht es gut nach dem Besuch im Prins Christian Sund

Frei von mir nach einem berühmten Entdecker, der seine Hunde behalten wollt:

„Behaltet mein Auto, nehmt mir die Wohnung, mein Geld könnt ihr auch haben, aber lasst mir die Urlaubsfreude!“

Nach der Anlandung:

Zodiac-Fahrer warten auf Passagiere im Prins Christian Sund
Zodiac-Fahrer warten auf Passagiere im Prins Christian Sund

blieb ich an Bord. Es war ein weiter Weg bis zum dortigen Gletscher, den ich unmöglich geschafft hätte. Ich konnte ihn auch von Bord aus gut sehen:

Ein Gletscher im Prins Christian Sund
Ein Gletscher im Prins Christian Sund

Irgendwann hatte ich Angst, dass ich aufwache und merke, dass die alles nur ein Traum war:

Eisberge im Prins Christian Sund
Eisberge im Prins Christian Sund

denn die Eisberge und die Gegend waren ultracool:

Ein Eisberg in Illorsuit
Ein Eisberg in Illorsuit

Darauf ein Prost:

Ein zufriedener Zinni fernab von Schmerzen an Bord der HANSEATIC inspiration
Ein zufriedener Zinni fernab von Schmerzen an Bord der HANSEATIC inspiration

Während andere mitten im Leben stehen, schaue ich immer, wo ich mich für ein Getränk setzen kann. Ich bin nun mal ein alter Mann.

Der Sonnenuntergang war erneut der Hammer. Im Gegensatz zu Hitchcock lege ich Wert auf Farben:

Sonnenuntergang in Illorsuit
Sonnenuntergang in Illorsuit

Wir waren im Süden von Grönland angekommen, das hatte man an den Aldi Finalen erkannt. Und es war ein wunderschöner Tag, mit einer tollen Stimmung am Abend:

Es wird Nacht in Grönland
Es wird Nacht in Grönland

Aber am Abend erreichte mich eine Schreckensnachricht: Das Fassbier war am Ausgehen. Ob das mit an mir lag, hatte ich nicht herausfinden können. Aber zum Glück gab es Alternativen.

Nach dem letzten Gin and Tonic an diesem Tag sagte ich der tollen Crew Gute Nacht:

Crew und Zinni
Crew und Zinni

„Nächstenliebe ist die einzig mögliche Realpolitik!“

Fridtjof Nansen, Polarforscher

19.8.2022: Skjoldungensund, GPS 63° 28′ 00.01 N 42° 0′ 00.00 W

Skjoldungen ist eine große unbewohnte Insel an der Südostküste Grönlands. Die bergige Insel ist etwa 49 Kilometer lang und 14 Kilometer breit:

Gletscherlandschaft im Skjoldungensund
Gletscherlandschaft im Skjoldungensund

Die höchste Erhebung ist dort mit 1.738 Meter der Pandebrasken im Nordwesten. Selbst Expeditionsschiffe kommen dort kaum vorbei:

Spiegelungen im Skjoldungensund
Spiegelungen im Skjoldungensund

Wir fuhren über zwei Stunden lang quer durch diese grandiose, einsame Bergkulisse aus nacktem Felsen:

Die Landschaft im Skjoldungensund
Die Landschaft im Skjoldungensund

Es war relativ warm, und wir konnten ohne den blauen Parka nach Außen gehen, um dieser wunderbaren Spiegelungen anschauen zu können:

Spiegelungen im Skjoldungensund
Spiegelungen im Skjoldungensund

Die Berge dort waren zwischen 1.000 und 2.000 Meter hoch.

Dieser Gletscher hat seine besten Tage hinter sich, er ist in der Phase des Absterbens:

Ein Gletscher in meinem Alter im Skjoldungensund
Ein Gletscher in meinem Alter im Skjoldungensund

So wie ich. Dadurch hatte ich schweren Herzens beschlossen, an Bord zu bleiben. Die Knochen hatten sich umgehend bedankt.

Die Eisberge in der Umgebung waren als Entschädigung auch herrlich:

Eisberge im Skjoldungensund
Eisberge im Skjoldungensund

und dieser Gletscher natürlich auch:

Ein Gletscher im Skjoldungensund
Ein Gletscher im Skjoldungensund

Die Umgebung war wunderschön dort:

Coole Eisberge im Skjoldungensund
Coole Eisberge im Skjoldungensund

Ich war erneut ohne Worte auf dieser Reise:

Zinni war bei diesem Anblick sprachlos im Skjoldungensund
Zinni war bei diesem Anblick sprachlos im Skjoldungensund

Um zwölf Uhr verließen wir diesen wunderbaren Platz auf Grönland und machen uns auf den Sund hinaus, Richtung Westen nach Island. Die gesamte Flotte von Hapag Lloyd war im Norden von Europa unterwegs an diesem Abend:

Hanseatic Schiffe im Norden von Europa unterwegs
Hanseatic Schiffe im Norden von Europa unterwegs

„The hardest part of going to Greenland is leaving!“

Ein unbekannter Autor

Mein Kommentar: in der Tat. Grönland ist wie ein Magnet. Ich komme zurück von dort nach Hause, und will sofort wieder hin.

20.8.2022: Harry Potter und die Kabine des Schreckens, GPS 63° 55′ N 30° 59′ W

Ein Sorry an alle Harry Potter Fans, mit ihm hat dieses Kapitel wenig zu tun. Es liest sich aber spannender an als es ist, wenn er erwähnt wird.

Die letzten Tage lief es nicht so schön. Während eines lang andauernden Sturms war ich mir vorgekommen wie der Held in „Game of Thrones“, der in der Schlacht der Bastarde allein gegen eine gesamte Armee antritt. Diese bestand hier aus heftigen Wind von allen Seiten. Die Fahrt war wie ein schlechter Braten, der zu viel Zeit im Ofen bekommt: Sie drohte, zäh zu werden.

Ich hatte den Tag und die Nacht durchgemacht, und mir durchgehend die Decke der Kabine angestarrt. Es rollte und stampfte am Stück:

Sturm mit der HANSEATIC inspiration in der Arktis
Sturm mit der HANSEATIC inspiration in der Arktis

Wie hoch die Wellen waren weiß ich nicht, sie werden vom Schiff aus leicht überschätzt. Das Schiff wackelte mehr als ein durchschnittlicher Zinni um neun Uhr am Abend auf der Weihnachtsfeier.

Obwohl mein Körper unter Denkmalschutz steht, stürzte ich mehrfach, mit Auswirkungen wie diese:

„Aua“ auf der HANSEATIC inspiration in der Arktis
„Aua“ auf der HANSEATIC inspiration in der Arktis

sowie mehrere blaue Flecken und einem Schaden am Handy. Das was mein einziges Mitbringsel von der Reise. Es sah aber schlimmer aus, als es war. Der Bluterguss tat einfach nur verdammt weh. Es gibt Schlimmeres.

Ich hatte mir wieder einmal dabei vorgenommen, nie mehr erneut eine Hochsee-Kreuzfahrt zu buchen, aber das heißt bei mir nicht viel. Aber bereits jetzt habe ich mein Leben an eine Filmproduktions-Firma verkauft. Der Titel des Films wird sein: „Das lange Leiden des alten Zinnis“.

Am Abend hatte es sich etwas gelegt. Nur die Regenflecken auf den Scheiben waren noch die Zeugen der Vorgänge am Tag:

Ruhe auf der HANSEATIC inspiration in der Arktis
Ruhe auf der HANSEATIC inspiration in der Arktis

„Das Laden meiner Tageszeitung aus dem Internet dauert ewig, und das ist nicht zumutbar!“
Ein unbekannter Passagier auf der HANSEATIC inspiration

Mein Kommentar: Ich dagegen war froh, dass ich überhaupt fast immer etwas senden und empfangen konnte mit dem bordeigenen Wi-Fi.

21.-23.8.2022: Reykjavik, GPS 64° 7′ 59.999″ N 21° 55′ 59.999″ W0

Der Sturm ging herum, und ich konnte immerhin etwas schlafen. Am nächsten Morgen schaute ich nach dem Aufstehen auf den alten Hafen in Reykjavik, das letzte Ziel dieser Kreuzfahrt:

Blick auf den alten Hafen in Reykjavik
Blick auf den alten Hafen in Reykjavik

Die Kabine musste bis neun Uhr verlassen werden, und das Frühstück war im Tages-Programm bis halb zehn ausgeschrieben. Als ich um halb neun den Frühstücks-Raum betreten hatte, war aber schon alles abgeräumt. Schade, kein schöner Abschied von der HANSEATIC inspiration auf meiner Reise durch die Arktis. Ansonsten war ich aber mehr als zufrieden mit dem Service.

Da mein Handy durch den Sturz während des Sturms nicht mehr funktionstüchtig war, hatte ich keine Unterlagen für mein gebuchtes Hotel. Ich hatte nur noch etwas mit „Center“ im Namen in Erinnerung, aber so nennen sich viele Hotels dort. Im ersten ausgesuchten Hotel fand das Personal keine Buchung, und gab mir auch keinen Zugriff auf das Internet, um dort meine Buchung im Mailsystem zu finden. Internet-Cafés sind ausgestorben dort, so war guter Rat teuer. Mich könnte man überall auf der Welt aussetzen, ich komme nirgendwo zurecht.

Aber zum Glück konnte mir die Touristeninformation helfen. Das gebuchte Hotel zu finden, war für mich keine leichte Aufgabe. Aber da ich dies doch mehr oder weniger hinbekommen hatte, kümmere ich mich bei meiner nächsten um den Weltfrieden.

Die nächste Herausforderung war die Reparatur meines Handys. Ich musste einiges laufen, um ein Geschäft dort zu finden, das die passenden Teile hat. Da das Handy nicht mehr funktionstüchtig war, konnte ich dieses nicht vorher am Telefon klären. 450 € und viel Zeit kostete der Spaß.

Und die Stadt Reykjavik selbst war proppenvoll mit Menschenmassen wegen einiger Events. Sie hat sich meiner Meinung nach auch sonst verschlechtert, und wird eine 08/15-Stadt wie viele andere auch mit den ständig gleichen Restaurants (mittlerweile mehr Asiaten als andere), austauschbare Shops mit den gleichen Artikeln, die es überall gibt, Souvenir-Kitch und Billig-Hotels, wo niemand wirklich schlafen möchte. Schade.

Ich tröstete mich dafür mit Erfrischungsgetränken in der tollen Skúli-Craft Bar:

Zinni in der Skúli-Craft Bar in Reykjavik
Zinni in der Skúli-Craft Bar in Reykjavik

Der Mensch, der den Sauerbraten erfunden hat, war ein schlauer Mann, aber der mit dem Bier ein Genie.

Am Abreisetag bestellte ich über die Rezeption ein Taxi zum Flughafen nach Kefjavik, was aber nicht erschienen war. Die Buchung wurde vom Taxi-Unternehmen bestätigt, das hatte aber keines verfügbar. Ich würde die Kontakte mit solchen Firmen streichen, wenn ich im Hotel etwas zu sagen hätte. Zum Glück fand ich eine Alternative.

Anschließend am Flughafen angekommen war die Wartezeit zum Koffer aufgeben und die Sicherheitskontrolle danach unter fünf Minuten, sodass ich noch Zeit für ein letztes Bier auf Island hatte:

Das letzte Bier von Zinni in Island
Das letzte Bier von Zinni in Island

Durst zu haben, gehört zu meiner Persönlichkeit.

Und dabei den schönen Himmel über dem Flughafen Kefjavik betrachten zu können:

Der Himmel über Kefjavik
Der Himmel über Kefjavik

Zurück zu Hause nach einem ereignislosen Flug hatte ich gelesen, dass ich nicht mehr so oft verreisen soll. Damit waren aber keine Horoskope gemeint, sondern die Erkenntnisse nach einem Blick auf meine Kontoauszüge.

Also blickte ich sehnsuchtsvoll auf die wunderbaren Bilder dieser Reise:

Unterwegs im Ilulissat-Eisfjord
Unterwegs im Ilulissat-Eisfjord

Die Kreuzfahrt war sensationell, eine geniale Route auf einem klasse Schiff mit vielen neuen Destinationen für mich. Hanseatic und Grönland haben eines gemeinsam: Man verlässt sie, und möchte zu Hause angekommen sofort wieder zurück. Beide wirken wie ein Magnet auf mich.

Ob es weitere Berichte auf meinen Webseiten gibt, ist noch offen. Elon Musk hat mir ein Angebot in Höhe von sieben US-Dollar gemacht, um „Zinni auf Reisen“ zu übernehmen. Doch ob ihm die Übernahme von „Deutschland wenigst besuchter Reisebericht-Seite“ gelingt, ist noch offen.

Ich hoffe, dass der Bericht gefallen hat. Und keine Bange, ich werde weiterhin von meinen Reisen berichten, wenn es denn möglich ist.

Und das letzte Wort haben keine Passagiere oder Forscher, sondern natürlich ich. Mit einem gut gemeinten Ratschlag:

„Come with me, my love, to the sea, the sea of north!“

Der Autor
Zinni ist zufrieden im Ilulissat-Eisfjord
Zinni ist zufrieden im Ilulissat-Eisfjord

Galerien über die Ziele

Ilulissat

lulissat Eisfjord mit Boot

Ilulissat Eisfjord zu Fuß

Kangerlussuaq

Nunavut

Uummannaq

6 Replies to “Reisebericht: Mit der HANSEATIC inspiration unterwegs in der Arktis auf den Spuren der Entdecker”

  1. Ach, herrlich 😊
    Habe nach dem Lesen akutes Fernweh 😫

    Und spannend, dass es auch auf der Hanseatic Inspiration so viele Menschen gibt, die keine Ahnung haben, was sie gebucht haben und wo sie eigentlich sind…

    Liebe Grüße

    1. Danke für den Kommentar. War schon krass, dass über viele Seetage gemeckert wurde, diese aber vorher bereits im Programm standen.

      Mal schauen ob es ab morgen ähnlich wird auf der inspiration Fahrt von Tromsö nach Hamburg.

      Gruß aus Norwegen Zinni

  2. Lieber Zinni
    Ein cooler Bericht aus einer kühlen Region. Wie immer gut beschrieben und bebildert.
    Es soll sogar Kreuzfahrt Passagiere geben, die „selbst“ in der Antarktis keinen einzigen Eisbären gesehen haben! Dafür wahrscheinlich Wolpertinger!
    Bis zum nächsten Bericht, viele Grüße

    1. Danke Rüdiger,

      schön, dass der Bericht und die Bilder gefallen haben. Wir hatten in Grönland auch keine Pinguine gesehen, was für ein Skandal.

      Gruß von der Mack Brauerei in Trömso, ich bin am Taxi bestellen zur HANSEATIC inspiration auf dem Weg nach Hamburg. Leider ist das Wetter bescheiden, und die Vorhersage für die nächsten Tage ist nicht die beste.

      Gruß Gerald

  3. Moin Gerald,
    Samstagmorgen und ich habe Ruhe und Zeit deinen Reisebericht zu studieren.
    Wieder mal großartige Bilder, versehen mit deinen „typischen“ Kommentaren. 🙂
    Ich habe die Zeit genossen, in der ich deinen Reisebericht gelesen habe und wurde dann immer wieder mal neidisch, da ich weiß, ich werde das niemals live sehen. 🙁
    Viele Grüße, Frank

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