Wiederentdeckt: Mit der MS Belvedere unterwegs in den Niederlande

Eine interessante und abwechslungsreiche Kreuzfahrt von Amsterdam nach Köln

Die Reiseplanung, die Anreise und Den Haag

Rückblick, zwanzig Jahren zuvor: Ich saß mit meinen Eltern zusammen, und sie erzählten mir dass sie eine Fluss-Kreuzfahrt durch die Niederlande und Belgien vorhatten. Ich hatte noch jede Menge Urlaub, und überlegte mir dass ich seit meiner Kindheit nicht mehr mit beiden im Urlaub war, und die Chance das noch einmal zu tun Jahr für Jahr sinkt. Ich entschloss mitzufahren, und bereute es nicht. Die Städte, Orte und Landschaften in den beiden Ländern hatten mir gefallen. Ein Kreuzfahrt-Anhänger war ich danach nicht geworden, das ist erst viel später gekommen.

Nachdem ich im Moment beim Wieder- oder Neuentdecken unserer Nachbarländer bin (im letzten Jahr Frankreich, in 2017 Polen), dachte ich an die lange zurück liegende Reise nachdem ich ein Angebot für eine Kreuzfahrt durch die Niederlande von Amsterdam nach Köln entdeckte. Ich buchte diese Route mit der MS Belvedere der TransOcean Kreuzfahrten. Sie ging sonntags ab Amsterdam los, den Samstag wollte ich nicht untätig als einen freien Arbeitstag vergeuden, und plante den Start der Reise mit einer zusätzlichen Hotel-Übernachtung in Den Haag. Es gibt viele und schnelle Zugverbindungen vom Airport Amsterdam aus dorthin, und auch zurück zum Bahnhof wo in der Nähe das Schiff abgeht.

Nach der Anreise zum Flughafen Frankfurt bei schwülen Wetter war ich froh in einer Bar in der Nähe des Abflug-Gates angekommen zu sein. Ungewöhnlich die Bedienung, der Kellner war erfrischend unterhaltsam abseits von einem sturen Service, und hatte mich mehrfach zum Lachen gebracht. Bei der Sicherheitskontrolle hatte ich einen Körperscanner der neuen Art, ohne die Arme nach oben nehmen zu müssen. Geklappt hatte es nicht, ich wurde manuell untersucht weil eine Fehlermeldung gekommen war das der linke Arm nicht erfasst werden konnte.

An Bord hatte ich den einzigen sichtbar freien Nebenplatz in der Economy Klasse. Klappt oft, die drei einfachen Tricks dafür werde ich aber nicht verraten. Wir rollten ewig, ich dachte schon es ging ohne einen Start nach Amsterdam. Die Crew hätte einen Getränkedurchgang in der Zeit machen können. Der Flug selbst war das kürzeste an dem Anreisetag, bis ich mein Gepäck erhalten hatte dauerte es länger nach der Landung.

Zeit hatte ich genug, die brauchte ich auch. Es gibt verschiedene Arten von Zügen. Ich nahm den ersten möglichen, einen ‘Sprinter’, der sich durch Stopps an jeder Windmühle auszeichnete. Nach 6 1/2 Stunden Reisezeit war ich froh im Regierungssitz der Niederlande, Den Haag, angekommen zu sein. Die Stadt ist nicht wie oft angenommen die Hauptstadt der Niederlande, das ist Amsterdam. Weiter geht es als Neunmalkluger: Den Haag ist auch nicht die Hauptstadt von Holland, diese Provinz gibt es nicht. Holland sind nur zwei der insgesamt zwölf Provinzen der Niederlande (Noord-und Süd-Holland).

Genug der Belehrungen, ich lief zum Mercure Hotel, günstig in der Innenstadt gelegen. Da es schon später Nachmittag war ging es gezielt zum ‘Het Plein’, der große Hauptplatz. Hier befinden sich viele Cafés, Bars und Restaurants. Die einheimischen Plörren hatte ich mir nicht angetan, ich hielt mich an gute belgische Biere. Gut gestärkt lief ich ziellos weiter bis ich eine Open Air Bühne mit wilder Livemusik entdeckte. Ich setzte mich zu drei jungen Menschen, wo ich nicht ansatzweise das Geschlecht erahnen konnte, und bannte auf das tolerante und unterhaltsame Geschehen um mich herum. Ich fühlte mich um Jahre jünger, und genoss die ungewöhnliche Stimmung. Der erste Schritt zum ‘Die Niederlande wiederentdeckt’ hatte begonnen.

Zum Abendessen fand ich ein uriges Restaurant, serviert wurde mir ein perfekt gebackener Fisch mit intensiver grüner Soße:

Fischgang in Den Haag
Fischgang in Den Haag

Ich entdeckte beim Gang zur Toilette einen Schankraum, wo das deutsche Fußball-Pokal-Endspiel übertragen wurde. Der Abend war gerettet, erst recht später nach dem Ergebnis. Nach dem Spiel ging ich hundemüde und zufrieden zurück zum wohlverdienten Schlaf im angenehmen Mercure-Hotel nach dem langen, interessanten aber auch anstrengenden Tag.

Da ich natürlich nicht nur zum Essen, Trinken, Musik hören und Fußball Schauen in die Stadt gefahren war, begann nach dem Frühstück das Besichtigungs-Programm.

Dominierend und nicht zu übersehen war der Gebäudekomplex Binnenhof im Stadtkern, das politische Herz des Landes. Hier tagt das niederländische Parlament. Ich lief durch den Innenbereich, ein kostenfreier Durchgangsweg für jeden. Leider hatten sich der König und die Königin in ihrer Kutsche während meines Besuches nicht sehen lassen, anscheinend wussten die nicht dass ich vor Ort war.

Der Innenbereich des Binnenhof in Den Haag
Der Innenbereich des Binnenhof in Den Haag
Der Innenbereich des Binnenhof in Den Haag
Der Innenbereich des Binnenhof in Den Haag

Der Hofvijver (‘Hofteich’, der Schlossweiher), liegt neben dem Binnenhof. Von hier ist die imponierende Außenfassade des Komplexes gut zu sehen:

Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver
Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver
Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver
Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver
Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver
Blick auf den Binnenhof in Den Haag vom Hofvijver

Mir hatte der Komplex und danach das Schlendern durch die Stadt gefallen. Am Tag ist der ‘Het Plein’ ruhiger als am Abend:

Der 'Het Plein' in Den Haag
Der ‘Het Plein’ in Den Haag

Ständig sah ich kleine Aufmerksamkeiten, wie die lustige Statue vom ‘Haagse Harry’, einem populären Star einer Comic-Buch Serie:

'Haagse Harry' Statue in Den Haag
‘Haagse Harry’ Statue in Den Haag

oder die eher politische ‘Friendship’ Statue, die zwei moslemische Frauen mit einem iPad zeigt:

Die 'Friendship' Statue in Den Haag
Die ‘Friendship’ Statue in Den Haag

Den Haag fand ich klasse, die Stadt war bereits der erste Höhepunkt der Reise und ich erlebte mehr als ich erwartet hatte. Gut gelaunt bestieg ich den Zug Richtung Amsterdam und Kreuzfahrtschiff, nicht ahnend das kurze Zeit später meine Stimmung auf einen historischen Tiefpunkt sinken sollte.

Amsterdam und Umgebung

In Amsterdam angekommen hatte ich noch etwas Zeit. Auf dem Schiff konnte ich nur mein Gepäck abgeben, aber die Kabine war noch nicht bezugsbereit. Ich war schon paarmal in der Stadt, und trank lieber in einer Freiluftbar ein Bier anstatt mir die Hektik und Betriebsamkeit der Metropole anzutun. Beim Blick in meinen Rucksack hatte ich einen Schreck bekommen, mein Dokumentenbeutel mit Geld, Reisepass, Impfpässen, Token & Co. fehlte. Ich suchte und suchte ohne Erfolg. Aus dem Hotelsafe hatte ich ihn morgens zusammen mit der Kamera genommen, da war ich mir sicher. Ich hoffte dass ich den Beutel in den Koffer anstatt in den Rucksack gelegt zu haben, und wartete die Zeit bis ich in der Kabine zu meinem Koffer Zugang hatte.

Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch an ein Happyend, das leider nicht eintraf. Auch im Koffer war nichts, schade. Nach paarmaligen Suchen gab ich auf. Ich glaube nicht dass ich bestohlen wurde. Ich hatte keinerlei Kontakt mit Personen, und Den Haag ist keine Hochburg von Verbrechern. Ohne es zu merken den Rucksack zu öffnen, zielsicher das wertvollste zu nehmen, den Rest zu ignorieren und den Rucksack wieder zu schließen schafft wahrscheinlich auch ein Meisterdieb nicht. Ich vermute dass ich beim Öffnen meines Rucksackes und Entnahme der großen und schweren Kamera die kleine Tasche herausgefallen war ohne dass ich es bemerkt hatte.

Anstatt entspannten Kreuzfahrt-Beginn ging der aufwendige Weg zur Polizeistation (wurde von der Dienststelle A via B nach C geschickt), dort die langwierige Prozedur zur Report-Erstellung, und der Weg zurück zum Schiff. Auch das Fundbüro in Den Haag wurde informiert. Bis heute ist nichts aufgetaucht, entweder war es doch ein Dieb, oder es gab einen unehrlichen Finder, oder alles liegt unentdeckt im Hofvijver oder im Müll. Schade um das Geld und die Mühen, aber es gibt schlimmeres. Meine Geldbörse hatte ich mit allen Kreditkarten, weiterem Geld und Personalausweis noch.

Dadurch aufgeregt konnte ich den ersten Abend nicht richtig genießen, und auf einen abendlichen Spaziergang durch die Stadt hatte ich keine Lust mehr. Auch am nächsten Tag zog ich einen Ausflug in die Umgebung vor, die Innenstadt von Amsterdam hatte ich während dieser Kreuzfahrt bis auf polizeiliche Dienststellen gemieden.

Der kurzfristig gebuchte Ausflug ging am nächsten Morgen zum Museumsdorf Zaanse Schans und nach Edam. Schlecht für die Reederei, aber gut für die Gäste: Nur achtzehn Gäste nahmen daran teil, es war genug Platz im Bus und es gab nie Gedränge. Das Freilichtmuseum Zaanse Schans nördlich von Zaandam war mit dem Bus schnell erreicht. Es ist ein Dorf mit bewohnten Häusern, typischen Gebäuden, Museen, Shops, Cafés und natürlich Windmühlen, die schnell vom Bus aus zu sehen waren:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

An denen die örtliche Jugend ein erfrischendes Bad zu sich genommen hatten:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

obwohl nicht immer eitler Sonnenschein war:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

Auch einen Blick in das Inneren einer Mühle konnten wir erhaschen:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

Das Dorf war für mich nett und idyllisch, obwohl einige große und laute Touristengruppen, meist aus Asien, anwesend waren:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

mit allen Klischees die das Land hergibt:

Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans
Museumsdorf Zaanse Schans

Die Zeit war uns allen im Bus etwas zu knapp bemessen dort, schade, aber das ist bei Ausflügen meist so. Weiter ging der Bus zur Käsestadt Edam. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert hatte sie eine Blütezeit mit dem Käsehandel, ist aber immer noch mehr ein Dorf geblieben. Leider war ein Spaziergang auf eigene Faust nicht möglich, die Haltestellen der An- und Abfahrt waren unterschiedlich. Bei den wenigen Gästen machte das nichts, ich hatte genug Zeit die malerische Innenstadt mit Grachten und Gassen, Holzbrücken und typisch niederländischen Häusern anzusehen und zu fotografieren:

Die Stadt Edam
Die Stadt Edam
Die Stadt Edam
Die Stadt Edam
Die Stadt Edam
Die Stadt Edam

Es waren nicht viele Besucher in der Stadt, ich hatte sie mir viel stressiger und touristischer vorgestellt. Selbst die Andenken waren nicht der typische Kitsch sondern für mich richtig süß:

Andenken aus Holland
Andenken aus Holland

Der schöne Ausflug wurde beendet mit einem Besuch einer Käserei. Eine kurze Demonstration von einer netten Dame (nicht Frau Antje, sah aber so aus) zeigte uns wie der Käse hergestellt wird. Danach ging es natürlich in das eigene Geschäft wo viele Arten probiert werden konnten. Vieles schmeckte mir, der geräucherte Käse kann ich aber nur sehr eingeschränkt empfehlen, er schmeckte mir eher nach Billigwurst:

Edamer Käse
Edamer Käse
Edamer Käse
Edamer Käse

Da ich nicht wusste wie ich den Käse vernünftig während der Reise lagern konnte kaufte ich nichts, und verließ den Laden. Direkt vor mir huschte ein große Ratte Richtung Lagerhaus, anscheinend mögen nicht nur Mäuse Käse.

Normal meide ich organisierte Ausflüge auf Kreuzfahrten, diesen hatte ich nicht bereut. Durch die Begleitumstände war es das Beste was mir passieren konnte. Zumal die Reiseleitung nett und kundig war, und lange Bus-Fahrten vermieden wurden. Der Kopf war wieder frei, ich konnte mir nun das Schiff in aller Ruhe anschauen.

Die MS Belvedere

Eine Reise mit der MS Belvedere hatte ich bislang noch nicht unternommen. Das Schiff wird von TransOcean Kreuzfahrten vertrieben. Mit diesem Unternehmen war ich bereits zweimal auf der MS Astor auf der Hochsee unterwegs und damit zufrieden gewesen. Die heutige MS Belvedere wurde im Jahr 2005 mit dem Namen ‘Avalon Poetry’ getauft, und in 2012 umbenannt.

Die MS Belvedere
Die MS Belvedere

Im Internet fand ich überwiegend positive Beurteilungen, nur beim Essen waren die Meinungen gespalten. Ein Kritiker fühlte sich als Bittsteller im Restaurant, seine Frau hatte während der Reise ein Kilo abgenommen. Da ich generell wenig esse, und Gewicht verlieren mir gut tut, waren das die optimalen Voraussetzungen für meine Kreuzfahrt. Der Empfang war freundlich, und meine Kabine sauber und in Ordnung, und das die ganze Reise über. Nicht gerade geräumig, aber ausreichend. Die Dusche war eng, aber wo ist sie das auf Schiffen nicht.

Von den 176 möglichen Passagieren waren an Bord nur 82 Gäste. Dadurch gab es während der ganzen Reise nicht eine Drängelei. Platz war immer und überall wie hier auf dem Sonnendeck:

Das Sonnendeck der MS Belvedere
Das Sonnendeck der MS Belvedere

Wobei der Salon und die Bar natürlich nicht immer so leer waren wie hier:

Der Salon der MS Belvedere
Der Salon der MS Belvedere
Die Bar der MS Belvedere
Die Bar der MS Belvedere

Partylöwen waren nicht an Bord. Das Durchschnittsalter war so hoch wie noch nie auf einer meiner Kreuzfahrten, ich denke ich war der jüngste Gast an Bord. Die Musik des guten Alleinunterhalters war darauf ausgerichtet, er spielte aber auch mal seine Interpretation von der Abspann-Musik von ‘Natural Born Killers’. Ich hoffe dass mein Wunsch das noch einmal zu spielen nicht auf Unverständnis des älteren Publikums gestoßen war.

Im Restaurant gab es feste Plätze für alle Mahlzeiten, die in der Mitte blieben fast alle frei. Ich saß mit einem weiteren Single an einem Fünfer-Tisch. Platz hatten wir genug, zu sagen hatte ich wenig, die (oft nicht interessante) Gespräche waren leider mehr oder weniger ein Monolog meines Nachbarn, zuhören war nicht seine Stärke. Da ich aber nicht zum Unterhalten dort war, sondern zum Essen ein Beispiel-Menü:

Spanferkel-Meerrettich-Sülze mit Ei-Gurken-Remoulade
Gebackener Brie an Preiselbeere-Sauce

Rinder-Consommé mit Eierstreifen und Schnittlauch

Schweinekeule an der Dunkelbiersauce mit Weißkraut und Serviettenknödel
Fish and Chips Backfisch mit Pommes Frittes
Auberginen-Piccata an Basilikum-Sauce
Caesar-Salat mit Parmesan-Sardellen-Dressing

Crème brûlée mit Früchten
Himbeer-Joghurt-Eis mit Chili-Schokoladensauce
Fruchtsalat frisch zubereitet

Sicherlich keine Ausgeburt von Kreativität, aber meist wohlschmeckend, und satt wurde glaube ich auch jeder. Trotz dem ‘oder’ war es kein Problem auch mehrere Gänge zu bekommen. Der Service war durchweg nett und aufmerksam. Der Kellner und die Küche gaben sich stets Mühe mir keine Gerichte mit Knoblauch, Bärlauch oder Trüffel-Öl zu servieren, vielen Dank dafür auf diesen Weg!

Das Restaurant auf der MS Belvedere
Das Restaurant auf der MS Belvedere
Nachtisch auf der MS Belvedere
Nachtisch auf der MS Belvedere

Bis aus Kleinigkeiten war ich sehr zufrieden mit dem Aufenthalt an Bord. Es ist kein Luxusschiff, das hatte ich aber auch nicht erwartet. Ich würde jederzeit wieder eine Reise auf dem Schiff buchen. So gut befürsorgt freute ich mich auf das nächste Ziel Hoorn, eine Stadt in der Provinz Nordholland.

Hoorn

Leider war der erste Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen trüb, von Sonne war nichts zu sehen. Wir waren in Hoorn angekommen, eine Stadt im Osten der Provinz Nordholland. Das hinderte mich natürlich trotzdem nicht mir die Stadt anzusehen. Auffallend ist der ‘Hoofdtoren’ (Hauptturm) von 1532, der das Stadtbild prägt:

Der Hauptturm von Hoorn
Der Hauptturm von Hoorn
Der Hauptturm von Hoorn
Der Hauptturm von Hoorn

Die Stadt mit ihren stattlichen Kaufmannshäuser erinnert an frühere Jahrhunderte, wobei ich nicht weiß ob die Architekten die Gebäude absichtlich schief geplant hatten oder das im Laufe der Zeit entstanden ist (das sind keine stürzende Linien…):

Die Innenstadt von Hoorn
Die Innenstadt von Hoorn

Warum gerade diese historischen Häuser von Vögel ewig lange umkreist wurden hatte sich mir nicht erschlossen:

Vögel in Hoorn
Vögel in Hoorn

Natürlich gibt es einen Marktplatz, der Sammelpunkt aller Besuchergruppen, und hier ‘Roode Steen’ genannt:

Der Roode Steen in Hoorn
Der Roode Steen in Hoorn

mit dem Standbild von Jan Pietersz Coen, dem Begründer der Kolonie Niederländisch-Ostindien:

Standbild von Jan Pietersz Coen / Hoorn
Standbild von Jan Pietersz Coen / Hoorn

Der Platz sah mit seinen Lokalitäten einladend aus, für einen Schoppen war es mir aber noch zu früh am Tag. Ich schaute mir lieber den Hafen mit seinen unzähligen Booten an. Die Niederlande hat eine andere Beziehung zu Wasser wie Deutschland, ein Viertel der Niederlande liegt unterhalb des Meeresspiegels:

Boote in Hoorn
Boote in Hoorn
Boote in Hoorn
Boote in Hoorn

So wunderte es mich auch nicht dass es in der Stadt viele Kanäle gibt:

Ein Kanal in Hoorn
Ein Kanal in Hoorn

Hoorn ist nicht allzu groß, und die paar Stunden Besichtigung hatten mir gereicht. Auch wenn mir das jetzt kein Mensch glaubt: Als ich auf das Schiff zurück wollte war dies nicht möglich, da gerade umrangiert wurde. Also blieb mir nichts anderes übrig als die lokale Gastronomie zu testen, Prost:

Ein Prost auf Hoorn
Ein Prost auf Hoorn

Trotz bewölkten Wetter war es ein gelungener Tag. Der Abend endete mit einem wunderschönen Sonnenuntergang, den ich dort nicht erwartet hatte. Er war nicht der Einzige auf der Reise, und die Überraschung des Urlaubes, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war gespannt ob mir am nächsten Tag mein Erstbesuch in Rotterdam gefällt, eine Stadt die sich für mich eher an Hafen und Industrie anhört als Idylle und Sehenswürdigkeiten.

Die Sonne geht unter in den Niederlanden
Die Sonne geht unter in den Niederlanden

Rotterdam

Die Sonne schien am nächsten Morgen, und das blieb bis zum Ende der Kreuzfahrt so (natürlich außer Nachts). Mit Petrus konnte ich nicht meckern, ich hatte wieder viel Glück mit dem Wetter auf der Reise. Das Schiff lag nahe am ‘Oude Hafen’ (alter Hafen). Neue Gebäude prägen die Anlage, die sich wunderschön spiegelten. Das Attribut ‘Alt’ darf man nicht ernst nehmen:

Der alte Hafen von Rotterdam
Der alte Hafen von Rotterdam
Der alte Hafen von Rotterdam
Der alte Hafen von Rotterdam

Kein Wunder, im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt beim deutschen Luftangriff vom 14. Mai 1940 und den darauf folgenden Bränden annähernd vollständig zerstört, 80.000 Einwohner wurden obdachlos. Nach Breslau war ich innerhalb von wenigen Monaten in zwei Großstädten die Deutschland platt machte, stolz bin ich darauf nicht.

Mein erster Gang ging natürlich zur Markthalle, das markanteste Gebäude der Stadt. Sie wurde in 2014 fertiggestellt, und ist gigantisch groß, grellbunt und bewohnbar. Die Mietpreise will ich gar nicht wissen, ich kann mir vorstellen dass es keine Sozialempfänger sind die dort wohnen. Einhundertzwanzig Meter lang, siebzig Meter breit, zehn Stockwerke hoch, ein Jumbojet könnte dort einparken:

Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam

Im Innern setzt ein 11.000 Quadratmeter großes Gemälde namens ‘Füllhorn’ seine Zeichen. Riesige Blumen, Beeren, Getreide und viel mehr in klare und scharfe Bilder sind gut sichtbar, angeblich soll man an ‘Alice in Wunderland’ denken wenn man das Kunstwerk sieht. Das Werk wurde am Computer entwickelt, die Ausgabedateien belegen 1,47 Terabyte. Einen Download-Link kann ich leider nicht bereitstellen:

Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam
Die Markthalle von Rotterdam

Auch der Rest der Innenstadt kommt schick rüber:

Die Innenstadt von Rotterdam
Die Innenstadt von Rotterdam

Ich fand die Stadt alles andere als hässlich. Hier das ‘Nederlands Architectuurinstituut’, das einmal das größte Architekturzentrum weltweit war:

Nederlands Architectuurinstituut in Rotterdam
Nederlands Architectuurinstituut in Rotterdam

und das ‘Maritiem Museum’:

Maritiem Museum / Rotterdam
Maritiem Museum / Rotterdam

Wie tolerant das Land ist zeigt sich an der Statue ‘Santa Claus’, ein Weihnachtsmann mit Dildo. Anfänglich in 2003 gab es noch Proteste, und sie wurde an einen stillen Platz verbannt. In 2008 hatte der Rauschebart wieder in der Innenstadt ein neues Zuhause, die Aufregung war weg, und die Jugend zwinkert heute darüber. In den meisten Ländern wäre so etwas undenkbar:

Der obszöne Santa Claus in Rotterdam
Der obszöne Santa Claus in Rotterdam

Auch wenn ich keinen Jahresurlaub in Rotterdam verbringen möchte, die Stadt ist klasse. Viele Touristen hatte ich nicht gesehen (wissentlich keinen außer von unserem Schiff). Es hatte sich mir wieder gezeigt dass eine Ausfahrt von den Touristen-Highways sich lohnt. An dem bislang gelungen Tag gab es nach weniger Fahrzeit noch ein weiteres Ziel, die kleine Stadt Kinderdijk. Windmühlenhasser empfehle ich das Kapitel zu überspringen.

Kinderdijk

Typischer für die Niederlande geht es nicht mehr, und der Kontrast zu Rotterdam könnte nicht größer sein: Die Mühlen von Kinderdijk gehören zu den bekanntesten und wahrscheinlich meist fotografierten Sehenswürdigkeiten im Land. Die neunzehn noch gut erhaltenen Mühlen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, wobei ich mittlerweile nicht mehr zählen kann wie viele ich davon wissentlich oder auch nicht schon gesehen habe. Mir erscheint die Ernennung mittlerweile inflationär. Eine Legende besagt, dass der Deich durch Kinderarbeit entstanden sein soll, was er mir nicht sympathischer machte. Da es nicht erwiesen ist, sah ich darüber weg und erkundete das Gelände, das schnell vom Schiff verlassend gut zu sehen war:

Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk

Überrascht war ich dass so eine Top-Attraktion keinen Eintritt kostete. Nur eine Bootsfahrt und/oder der Eintritt zum Museum sind kostenpflichtig. Eine ausgiebige und langweilige Beschreibung der einzelnen Mühlen erspare ich mir, und lasse diese Bilder sprechen:

Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk
Die Windmühlen von Kinderdijk

Aktiv ist keine mehr, Pumpen haben die Mühlen arbeitslos gemacht. Ich hatte nach dem Besuch noch Zeit einen Blick in den kleinen Ort zu werfen. Das hätte ich mir sparen können, ich gebe Kinderdijk das Attribut ‘Verschlafen’ (gilt nicht für die Windmühlen):

Downtown Kinderdijk
Downtown Kinderdijk

Am weiteren Nachmittag konnte ich endlich auch einmal an Bord sitzen und die Landschaft anschauen, bislang waren wir fast nur nachts gefahren. Die Ruhe hatte mir gut getan, und das Gesehene hatte mir gefallen. Wir fuhren an der Gemeinde Lekkerkerk vorbei:

Blick auf Lekkerkerk
Blick auf Lekkerkerk

passierten Windmühlen:

Unterwegs in den Niederlanden
Unterwegs in den Niederlanden

und sahen das schöne Stadtbild von Schoonhoven:

Blick auf Schoonhoven
Blick auf Schoonhoven

Der tolle Tag wurde abgerundet wieder mit einem super Sonnenuntergang:

Gute Nacht Niederlande
Gute Nacht Niederlande

Für das nächste Ziel Arnheim erwartete ich nicht viel, es sah mir mehr aus wie eine Notlösung, weil es auf der Route nichts anderes zu sehen gibt. Ich war gespannt ob ich Recht hatte oder nicht.

Arnheim, die Heimreise und das Fazit

Als ich bei strahlenden Sonnenschein morgens die Belvedere verließ sah ich als erste diese merkwürdige ‘Tribüne’. Mein erster Gedanke: Hatte 1860 München hier ein verlorenes Spiel? (Insider-Fußball-Gag):

Arnheim - 1860 München 2:0
Arnheim – 1860 München 2:0

Überrascht war ich über die vielen Lokalitäten, die sich an der Uferpromenade eine nach der anderen reihen. Ich schätze dass Arnheim zu 105 Prozent aus Kneipen besteht, mindestens. Schade dass ich noch kein Durst hatte. Schnell stellte ich aber fest, dass wo nichts ausgeschenkt wird eine Baustelle war. In der ganzen Stadt sind Aktivitäten, überall sind Bagger, Kräne, lärmintensive Arbeiten und Umleitungen, auch für Fußgänger. Vielleicht hat die Stadt das große Los in der Jahreslotterie gewonnen, das muss Unsummen an Geld kosten. Lust auf so eine Unruhe hatte ich nicht, die morgendlichen LKW-Zulieferer für die Geschäfte in den engen Gassen und die vielen Müllwagen machten es nicht besser.

So war auch der erste Blick auf die Eusebiuskerk oder Grote Kerk (deutsch: Große Kirche), die Hauptkirche der Stadt, eher enttäuschend, da auch hier gebastelt wurde:

Die Eusebiuskerk in Arnheim
Die Eusebiuskerk in Arnheim

Der zweite Blick von der anderen Seite aus war viel schöner, von Restauration war hier nicht mehr viel zu sehen bei dem Blick auf das Gesamtwerk:

Die Eusebiuskerk in Arnheim
Die Eusebiuskerk in Arnheim

Trotzdem war mir Arnheim zu hektisch. Ich bemühte das Internet, und fand als Sehenswürdigkeit den ‘Park Sonsbeek’. Park hörte sich nach Ruhe an, und die konnte ich gebrauchen. Vor Ort stellte sich die Anlage als eine schöne grüne Lunge der Stadt heraus, mit Teichen:

Park Sonsbeek in Arnheim
Park Sonsbeek in Arnheim

Wasserfällen:

Park Sonsbeek in Arnheim
Park Sonsbeek in Arnheim

und einer wundervollen ‘Stadsvilla’:

Die Stadsvilla in Arnheim
Die Stadsvilla in Arnheim
Die Stadsvilla in Arnheim
Die Stadsvilla in Arnheim

Dies war sicherlich nichts für das man von Deutschland aus hinfahren muss, und ein Weltkulturerbe wird der Park leider auch nicht werden, aber ich genoss die Ruhe und die Stimmung. Ich wagte mich danach noch einmal zurück in den Trubel der Stadt, zunächst am innovativen Bahnhof vorbei:

Bahnhof Arnhem Centraal
Bahnhof Arnhem Centraal

und dann zur Statue ‘Aardvark’, ein riesiges Erdferkel mit lustigem Hut, und da in Pink angeblich dem eigenen Geschlecht zugewandt:

Die Aardvark Statue in Arnheim
Die Aardvark Statue in Arnheim

Eine Rechenaufgabe beschäftigte mich nicht lange im Kopf um die Lösung richtig auszurechnen. Ohne mir etwas groß einzubilden war ich verwundert dass es den Personen denen ich die Aufgabe gestellt hatte nicht gelang, wer schafft es ohne Hilfen?

Eine Rechenaufgabe
Eine Rechenaufgabe

Wir legten Richtung Köln ab, das Ziel der Reise. Zum Glück hatte ich noch einen angenehmen Nachmittag mit Entspannung und Blick auf die Landschaften. Wie passierten die mit 803 Meter längste Hängebrücke von Deutschland, überspannt zwischen Kleve und Emmerich, und stellten uns die spannende Frage ob Kühe schwimmen können:

Können Kühe schwimmen?
Können Kühe schwimmen?

und sahen wieder einen fantastischen Sonnenuntergang:

Sonnenuntergang auf der MS Belvedere
Sonnenuntergang auf der MS Belvedere

Es folgte das Abschieds-Gala-Diner mit Filetsteak, Lachs & Co, und damit war der offizielle Teil der Reise beendet. Ich ging müde und glücklich ins Bett, der nächste Tag diente nur der Heimreise. Diese war einfach, als wir in Köln angekommen waren lief ich zum Bahnhof und fuhr mit dem Zug in kurzer Zeit nach Hause. Dort angekommen forderte die Reise seinen Tribut, ich lief in den paar Tagen einhunderttausend Schritte. Selten schlief ich erschöpft in dieser Nacht besser und länger.

Ich hatte eine interessante und abwechslungsreiche Kreuzfahrt erlebt, und die Niederlande wiederentdeckt. Das Debakel mit meinem Geld- und Dokumenten-Verlust war nur mir zuzuschreiben, da kann niemand anderes etwas dafür. Groß aufregen bringt auch nichts, macht es nicht besser. Bis auf Amsterdam und Arnheim waren es tolle Ziele, und ich hatte viele neue Orte gesehen und erlebt trotz meiner ersten Kreuzfahrt vor vielen Jahren in diesem Zielgebiet. Das Schiff hatte mir gefallen, nur der Kontakt zu meinen Mitreisenden war nicht so kommunikativ wie sonst gewohnt. Mein Interesse an Kreuzfahrt, egal ob Hochsee oder Fluss bleibt. Unabhängig davon hoffe dass ich in der Zukunft noch von vielen Reisen berichten kann, egal ob zu Fuß, mit dem Schiff, mit Flugzeug oder sonst wie.

Danke für das Lesen und liebe Grüße Gerald

Der gespiegelte Zinni auf der MS Belvedere
Der gespiegelte Zinni auf der MS Belvedere

Galerien über die Ziele:

Galerie Amsterdam und Umgebung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.