Kreuzen auf der Ostsee: Insel- und Städtehopping mal sechs mit der MS Astor:

Unterwegs zu idyllischen Inseln und pulsierenden Städten

‚Bahnfahren ohne Zug‘ (Kiel, Deutschland)

10. August 2018

Die kurze Vorgeschichte: Derzeit stehen bei mir Kreuzfahrten hoch im Kurs. Ich sehe viele Destinationen in relativ kurzer Zeit in angenehmer Atmosphäre ohne Kofferpacken. Nur etwas Neues sollte dabei sein, eine reine Wiederholung mag ich nicht. Das wird natürlich nach jeder vollbrachten Kreuzfahrt schwieriger.

Ich entdeckte eine von Troll-Tours veranstaltete und von der MS Astor durchgeführte Reise auf der Ostsee (mit nur sechs Übernachtungen), bei der ich alle fünf angebotenen Insel-Destinationen noch nicht kannte. Eine davon war Rügen, wo meine Mutter vor fünfzehn Jahren war, davon schwärmte, und noch einmal hinwollte. Da konnte ich nicht widerstehen, und buchte die Tour zusammen mit Mami und ihrer Freundin. Beide sind nicht gut zu Fuß, mein normaler Tagesablauf (viel Laufen durch die Gegend) konnte ich dieses Mal so nicht realisieren, macht nichts.

Der größte Aufreger der Reise war bei der Reisevorbereitung. Die Geschichte klingt nicht gerade glaubhaft, ist aber wahr: Mir war es bewusst, dass ich meinen Reisepass für Länder wie Schweden & Co nicht benötige. Trotzdem wollte ich ihn mitnehmen, fand ihn aber nicht. Ich suchte alle bekannten und unbekannten Stellen meiner Wohnung ab, ohne Erfolg.

Als ich resignierte, und ich das Vermissen bei unserem hiesigen Bürgerbüro melden wollte, klingelte in diesem Moment das Telefon: ‚Guten Morgen Herr Zinni, hier ist das Bürgerbüro. Wir haben ihren Reisepass vom deutschen Konsulat in Norwegen zugesendet bekommen, bitte holen sie ihn bei uns ab‘. Zinni war sprachlos. Ich hatte ihn wohl bei einem Transfer am Flughafen in Oslo ein paar Wochen vorher verloren, ohne es zu merken. Genau in dem Moment wo es mir auffällt, wird der Fund gemeldet. Bei dieser Reise mit Dänemark & Co. war es mir egal, aber kurz vor einer Fernreise wäre ich nervös geworden. Unabhängig davon, wo ist das Ding im Moment? Muss gleich mal suchen gehen, bevor das Telefon wieder klingelt.

Bei meinen Reisen passiert stets immer etwas Ungeplantes, so etwas zieht mich an. Auf dieser Reise bereits bei der Anfahrt. Meine Mitreisenden und ich hatten uns lange unterhalten, ob wir fliegen oder die Bahn nehmen sollen. Kiel (wie auch Bremerhaven oder Passau) ist als Ausgangshafen vom Rhein-Main Gebiet aus nur langwierig zu erreichen, kein Flughafen weit und breit am Zielort. Da ein Zug von Mainz nach Kiel ohne Umsteigen verfügbar war (dachte ich zumindest), hatten wir uns auf die Bahn geeinigt. Obwohl die geplanten Zugfahrten hin- und zurück jeweils über sieben Stunden waren.

Gerade als es bei uns während der Fahrt gemütlich wurde, mussten wir in Dortmund wegen Gleisschäden den Zug verlassen. Es wurde lediglich eine Busfahrt nach Hamburg organisiert, nicht nach Kiel. Da noch mehr Züge betroffen waren, gab es Chaos an der Haltestelle, mit riesigen Menschenschlangen vor den Bussen. Ich konnte zum Glück einen Mitarbeiter der Bahn überzeugen, dass meine Damen sich nicht anstellen brauchen (danke auf diesen Weg an ihn).

Er besorgte uns direkt Plätze in einem Bus, der überraschend gut eingerichtet war (für Fernreisen geeignet). Da hatte die Bahn nicht gespart (oder nichts anderes bekommen). Der besoffene Darmstadt 98-Fan bei der fünf Stunden Fahrt neben uns war am Anfang lustig, laberte aber die ganze Zeit immer das Gleiche, was dann doch eher langweilte. Kurz vor Hamburg musste der Fahrer noch eine gesetzliche Ruhepause einlegen, auch weil er sich vorher in Bremen verfahren hatte. Wobei ich für den Stopp absolutes Verständnis habe. Das ist keine Empörung von mir, sondern nur eine Information warum die Fahrt so lange dauerte.

Wir hatten in Hamburg keine Lust mehr, um noch einmal vierzig Minuten auf den nächsten Zug zu warten, und nahmen ein Taxi nach Kiel. Dass die A7 bei Staumeldungen auf einen Spitzenplatz liegt wussten wir bis dahin noch nicht. Letztendlich waren wir über zwölf Stunden unterwegs. Muss ich jetzt noch erklären, warum wir lieber doch das Flugzeug hätten nehmen sollen? Nebenbei: Es war kein Essen an Bord der Bahn ab Mainz geladen (und ich hatte nichts gefrühstückt), und im Bus gab es natürlich auch nichts. Es war einfach nicht unser Tag. Wenigstens hatten wir nach der Reise anstandslos die Hälfte des Fahrpreises von der Bahn erstattet bekommen.

Im gebuchten Romantik Hotel Kieler Kaufmann hatten wir am späten Abend zum Glück noch etwas zu Essen im Zweit-Restaurant bekommen (das erste richtige für uns an dem Tag). Es schmeckte nach der Aufregung zum Glück, mit einem aufmerksamen Service. Zum gebuchten Abendessen im Gourmetrestaurant waren wir zu spät angekommen, das war aber bei unserer Verspätung verständlich.

Am schicken Hotel gab es nichts auszusetzen, schade dass wir nicht länger Zeit hatten dort zu verweilen. Unglücklich, dass ich später der einzige Gast an der Bar war, und diese deshalb relativ früh geschlossen hatte. Ein paar Bier mehr hätte ich noch trinken können nach den ganzen Erlebnissen an diesem Tag.

Am nächsten Morgen hatten wir nach einem ausgiebigen Frühstück, das keine Wünsche offen ließ, noch jede Menge Zeit, bis wir auf die MS Astor gehen dürfen. Diese nutzten wir zu einer Hafenrundfahrt auf der Kieler Förde. Obwohl das Wetter nicht nach strahlendem Sonnenschein aussah:

Der Himmel über Kiel
Der Himmel über Kiel

Es regnete schnell in Strömen. Das bedeutet, dass hier keine zweihundert Bilder der Rundfahrt angeschaut werden können, sorry. ‚Wann wird’s mal wieder richtig Sommer‘ fiel mir dabei ein:

Unwetter in Kiel
Unwetter in Kiel

Aber ohne etwas schönreden zu wollen, es hatte trotzdem etwas, was uns bei Sonnenschein verborgen geblieben wäre. Vielleicht auch, weil wir nach dem Foltersommer 2018 froh waren, dass (gerade auch an Bord des Schiffes) wir nicht bei 35 Grad in der Sonne sitzen mussten.

Zum Glück saßen wir im trockenen Innenbereich des Schiffes, bei guter Aussicht. Die Passagiere, die am Anfang draußen waren, strömten in das Innere, die meisten ohne eine Chance auf einen freien Platz.

Wir fuhren an ein paar Sehenswürdigkeiten vorbei, wie das U-Boot-Ehrenmal Möltenort:

U-Boot-Ehrenmal Möltenort
U-Boot-Ehrenmal Möltenort

und der Yachthafen von Laboe:

Der Yachthafen von Laboe
Der Yachthafen von Laboe

Sah der Leuchtturm von Friedrichsort noch funktionell und recht schlicht aus:

Leuchtturm Friedrichsort
Leuchtturm Friedrichsort
Leuchtturm Friedrichsort
Leuchtturm Friedrichsort

glänzte der von Holtenau mit seinem alten Backsteinturm. Er zählt zu den schönsten Leuchttürmen Deutschlands:

Leuchtturm Kiel-Holtenau
Leuchtturm Kiel-Holtenau

Ich wünsche allen Beteiligten im Hintergrund des Bildes eine schöne Hochzeit!

Die viele Zeit die wir noch hatten bis wir das Schiff betreten konnten, verbrachten wir in dem schönen Lokal ‚Blauer Engel‘ direkt im Kieler Hafen, bei Matjes und Matrosenbier.

Danach konnten wir ohne Wartezeit direkt auf die MS Astor. Ich wurde von vielen Crew-Mitarbeitern wiedererkannt, von meinen vorherigen Reisen auf dem Schiff, und mehrfach begrüßt mit ‚Schön, dass sie wieder da sind‘. War nett, und hatte mich sehr gefreut.

Über das Schiff, die Einrichtungen und den Service gehe ich hier nicht mehr ein, um nicht zu langweilen. Ich hatte das in vorherigen Berichten schon paarmal beschrieben, zuletzt vor ein paar Wochen. Da sich bis auf Kleinigkeiten nichts geändert hatte, bitte ich bei Interesse dort nachzuschauen.

Nach der ersten Unruhe wegen neu ankommenden Passagieren, dem Beziehen der Zimmer, und der Sicherheitsübung kehrte langsam Ruhe ein, und wir fuhren bei einem schönen Sonnenuntergang:

Gute Nacht Deutschland
Gute Nacht Deutschland

zugleich mit der Costa Pacifica:

Gute Nacht Costa
Gute Nacht Costa

zu unser erstes Ziel: Kopenhagen, der Hauptstadt von Dänemark.

‚Schlösser ohne Türme‘ (Kopenhagen, Dänemark)

12. August 2018

Ich war schon oft in Kopenhagen, mir hätte ein netter Pub dort mit einer Kleinigkeit zu Essen gereicht. Da meine Reisebegleitungen aber die Stadt nicht kannten, buchte ich ein Taxi für vier Stunden mit einem deutschsprachigen Fahrer, der uns pünktlich am Hafen abholte.

Die Fahrt war überraschend schon nach zwei Minuten erst einmal zu Ende. Wir waren bereits an der ersten Sehenswürdigkeit angekommen, der Kirche Sankt Alban, das Zentrum einer kleinen anglikanischen Gemeinde:

Kirche Sankt Alban, Kopenhagen
Kirche Sankt Alban, Kopenhagen

In all dem touristischen Trubel bildet die fotogene Kirche einen willkommenen Ruhepunkt. Ganz im Gegensatz zu dem Gefion Brunnen, der nebendran zu meist asiatischen Gruppen belagert wurde. Dies war noch die kleinste, ansonsten war eine Busladung nach der anderen angekommen, die sich ihn angeschaut hatten. Der Brunnen zeigt die Statue der Göttin Gefion aus der germanischen Mythologie, die ihre vier Söhne in Ochsen verwandelt haben soll:

Gefion Brunnen, Kopenhagen
Gefion Brunnen, Kopenhagen

Bereits hier merkten wir, dass wir mit dem Fahrer einen Glücksgriff gemacht hatten. Sein Deutsch war sehr verständlich, und er präsentierte die Geschichte der Stadt profihaft wie ein Reiseleiter. Später erzählte er uns, dass wir die erste Tour auf Deutsch waren, die er unternommen hatte. Dafür hat er seinen Job hervorragend gemacht, danke auf diesen Weg an ihn!

Die Fahrkünste konnten wir noch nicht testen, denn es ging erst einmal in dieser Gegend weiter. Wir liefen zur Kaserne ‚Kastellet‘, eine fünfeckige Befestigungsanlage, deren Bau bis auf König Christian IV von Dänemark zurückgeht. Heute gehört sie dem dänischen Militär:

Kaserne 'Kastellet', Kopenhagen
Kaserne ‚Kastellet‘, Kopenhagen

Innerhalb der Festung befindet sich ein netter Park:

Der Park in der Kaserne 'Kastellet', Kopenhagen
Der Park in der Kaserne ‚Kastellet‘, Kopenhagen

und eine alte Windmühle:

Eine Windmühle in der Kaserne 'Kastellet', Kopenhagen
Eine Windmühle in der Kaserne ‚Kastellet‘, Kopenhagen

Das im Zentrum von Kopenhagen vieles anzusehen auf engsten Raum ist, war mir gar nicht so bewusst. Nach paar Meter Weiterfahrt waren wir bereits beim Schloss Amalienborg angekommen. Die vier einzelnen Palais wurden im 17. Jahrhundert gebaut, und werden heute als einer der beeindruckendsten Rokoko-Bauten Dänemarks angesehen. Der König bot die Bauplätze verschiedenen adeligen Familien an.

Die Gebäude waren als (fast normale) Wohnungen geplant, und nicht als Unterkünfte von königlichen Familien. Nach einem Brand im Kopenhagener Stadtschloss Christiansborg in 1794, der das Gebäude fast vollständig zerstörte, war der damalige König Christian VII. vorübergehend obdachlos. Er erwarb die Häuser, und zog dorthin. Das mag erklären, dass die Gebäude alles andere als ein Schloss aussehen, wenn man an historische und mittelalterliche Burganlagen wie Neuschwanstein denkt:

Schloss Amalienborg, Kopenhagen
Schloss Amalienborg, Kopenhagen
Schloss Amalienborg, Kopenhagen
Schloss Amalienborg, Kopenhagen

An den aufgezogenen Flaggen auf jedem Gebäude lässt sich erkennen, ob die Königin / Königliche Hoheit / Prinz / Prinzessin / Prinzgemahl gerade anwesend ist. Da alle Mitglieder der Familie im Urlaub waren, sahen wir keine Flaggen. Dementsprechend gab es auch keine königliche- oder Leutnant-Wachablösung, sondern nur eine Palast-Wachablösung unter dem Kommando eines Unteroffiziers. Ohne Begleitung eines Musikkorps oder Tambourcorps. Der junge Mann rechts übte wohl schon einmal für die Zukunft:

Palastwachablösung, Schloss Amalienborg, Kopenhagen
Palastwachablösung, Schloss Amalienborg, Kopenhagen

Es war vielleicht auch besser, dass es keine größere Ablösung gab: Bereits nach dieser simplen waren wir bei der Weiterfahrt in einer Verkehrs-Falle. Durch die vielen Ausflugsbusse (viele mit chinesischen Tafeln) gab es ein Chaos, nichts ging mehr. Wir verbrachten gefühlt eine Ewigkeit, bis wir raus aus dem Stau waren. Unser Fahrer erwähnte, dass er leider den Verkehr an dem Tag unterschätzt hatte, da es ein Sonntag war.

So dauerte es etwas, bis wir die Altstadt erreichten. Dort sind die ältesten Gebäude der Stadt (ok, wo auch sonst…):

Die Altstadt von Kopenhagen
Die Altstadt von Kopenhagen

Wie die Leute dort früher gelebt hatten, hörte es sich zuerst wie im Paradies an: Wegen Mangels an sauberem Trinkwasser durch Bleirohr, wurde Bier wurde von allen Familienmitgliedern (auch Kindern) zu jeder Mahlzeit konsumiert!

Allerdings hatten das Gesindel und die armen Leute nur ‚Dünnbier‘ bekommen (die bereits vorher benutzten Reste von Gerste, Weizen und Hopfen). Unser Fahrer erzählte noch mehr so Stories (es durften nur Männer wählen zum Beispiel), und natürlich war es uns klar, dass das Leben dort hart, ungerecht und brutal war. Um es mit Shakespeare zu sagen: ‚Etwas war faul im Staate Dänemarks‘. Die Reichen hatten Eis im Sommer, die Armen hatten Eis im Winter. So war das leider.

Weiter ging es zum Nyhavn (’neuer Hafen‘), der wahrscheinlich die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Ich kenne keinen bevorzugteren Treffpunkt der Touristen. Bei gutem Wetter sind die Kanalboote knallvoll bei den Rundfahrten durch den Kopenhagener Hafen und seinen Kanälen:

Ausflugsboot im Nyhavn / Kopenhagen
Ausflugsboot im Nyhavn / Kopenhagen

Mir könnte man Geld für so etwas geben, machen würde ich es nicht. Viel interessanter fand ich wie der Hafen populär wurde. Auf der ‚Sonnenseite‘ (hier der Blick darauf):

Die Sonnenseite vom Nyhavn / Kopenhagen
Die Sonnenseite vom Nyhavn / Kopenhagen

entstand vor zweihundert Jahren ein Vergnügungsviertel, mit Tätowier-Läden, Hafenkneipen, Feiern und Prostitution. Der Nyhavn bekam einen zweifelhaften Ruf, und unser Taxifahrer meinte, dass dies die schlimmsten Zeiten des Viertels waren. Meine Mitreisenden und er kapierten meinen Einwand nicht, dass es bestimmt die beste Zeit war. Und das sogar ernsthaft von mir war. Das pure Leben, echt und unverstellt. Heute bringt es bei dem Nepp und dem angebotenen Schrott nichts mehr dort einzukehren.

Mein unerwarteter Höhepunkt des Ausflugs war der interessante Besuch von Nyboder. Ich hatte vorher noch nie davon gehört. Wie auch, wird in den einschlägigen Reiseführern kaum erwähnt, und die Einträge im Internet sind spärlich dafür. Rund um die Kronprinsessegade (Königliche-Prinzessin-Straße):

Kronprinsessegade
Kronprinsessegade

entstand im 17. Jahrhundert ein Wohnquartier mit gelben Reihenhäusern. Da der Wohnraum in Kopenhagen knapp war, ließ Christian IV. außerhalb der Stadtwälle über sechshundert Wohnungen für Seeleute der königlichen Marine bauen. Um noch mehr Wohnraum zu schaffen, wurden die Häuser später aufgestockt:

Nyboder, Kopenhagen
Nyboder, Kopenhagen

In vielen Fenstern stehen Stoffhunde. Scheuen die treuen Tiere nach draußen (wie hier unten links), war der Seemann auf Reise, und die Hunde warteten auf die Rückkehr ihres Herrchens. Schauten sie in das Zimmer, war er zu Hause. Obwohl es praktisch für einen Besucher war, würden Einbrecher heute von so Verhältnissen träumen. Da Nyboder heute ein beliebtest Wohnviertel ist, glaube ich kaum das jemand noch so blauäugig ist, und sich an diese Tradition hält. Obwohl Kopenhagen sicherlich zu den sichersten Hauptstädten Europas gehört:

Nyboder, Kopenhagen
Nyboder, Kopenhagen

Die Holmens Kirche war 1562 ursprünglich als Schmiede erbaut worden. Sie steht für einen Wahlspruch des Königs: ‚Regna firmat pietas‘ (Frömmigkeit stärkt die Reiche). Nachdem 1617 eine neue Schmiede errichtet worden war, wurde das Gebäude zu einer Kirche umgewandelt, und am 5. September 1619 geweiht. Heute dient sie als Seemannskirche, trotzdem heiratete 1967 hier die Landratte Königin Margarethe II:

Holmens Kirche, Kopenhagen
Holmens Kirche, Kopenhagen

Das letzte Ziel unseres schönen Ausfluges war die kleine Meerjungfrau. Mit einer Höhe von 125 cm gilt das Kunstwerk als eines der kleinsten Wahrzeichen der Welt. Wie vieles in der Stadt wurde sie aus Biergeld errichtet, Sponsor ist die Carlsberg-Brauerei. Die Statue ist nur eine Copy, denn sie wurde immer wieder Opfer von Zerstörungen und Verunstaltungen. Zweimal der Kopf, und einmal der rechte Arm wurden abgesägt. Angeblich ermittelte in diesen Fällen sogar die Mordkommission. Auch wurde die arme Dame vom Felsen gestürzt, und hatte unter Sprühattacken in rosa, blau und weiß gelitten:

Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen
Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen

Was aber der Beliebtheit keinen Abbruch tut. Bei meinem ersten Besuch vor Jahrzehnten war ich alleine, diese Mal trotz Regen waren viele Neugierigen unterwegs um sie zu sehen:

Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen
Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen

Ich spazierte noch etwas durch das wegen Wetter mehr oder weniger unfreundliche Kopenhagen. Hier die königliche Oper der Stadt:

Die königliche Oper von Kopenhagen
Die königliche Oper von Kopenhagen

und ein Reiterstandbild von Frederiks V.:

Reiterstandbild Frederiks V., Kopenhagen
Reiterstandbild Frederiks V., Kopenhagen

Direkt am Schiff war die Metall-Skulptur ‚Zinkglobal‘. Moderne Kunst im öffentlichen Raum. Mich hat es angesprochen, ich würde es begrüßen, wenn bei uns im Büro auch so viel nachgedacht wird (leider sehr selten bei uns). Ein absolut wunderbares Stück Kunst:

Zinkglobal, Kopenhagen
Zinkglobal, Kopenhagen

Aber noch besser war das lässige Lokal und Restaurant ‚Toldboden‘, was ich nicht links liegen stehen konnte, da direkt gegenüber der Astor. Coole Musik, Hamburger, Hummer & Co, und das Bier wurde aus original deutschen Weckgläsern ausgeschenkt:

Restaurant 'Toldboden', Kopenhagen
Restaurant ‚Toldboden‘, Kopenhagen

Sah nicht lecker aus, schmeckte aber. Kopenhagen hatte meine Erwartungen weit übertroffen, der Tag war klasse.

‚Insel ohne Strand‘ (Bornholm, Dänemark)

13. August 2018

Bornholm ist die ‚Insel der Burgunden‘, und war Neuland für mich. Dementsprechend freute ich mich auf ‚die Perle der Ostsee‘. Groß vorbereitet hatte ich mich nicht, ich vertraute der Erfahrung unseres deutschsprachigen Fahrers des angemieteten Taxis. Das war allerdings kein alter Däne, sondern eine junge Frau. Wie bereits in Kopenhagen war es für sie die erste Tour auf Deutsch, und vorweg, es war ihr so gut gelungen wie der Kollege aus Kopenhagen.

Die Räucherei ‚Hasle Røgerierne‘ war unser erster Stopp. Nirgendwo sonst stehen so viele Räucherschlote auf Bornholm zusammen wie über der Steilküste am Südrand von Hasle. Ein Teil der Anlage ist eingerichtet wie es gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen hatte:

Räucherei 'Hasle Røgerierne', Hasle, Bornholm
Räucherei ‚Hasle Røgerierne‘, Hasle, Bornholm
Räucherei 'Hasle Røgerierne', Hasle, Bornholm
Räucherei ‚Hasle Røgerierne‘, Hasle, Bornholm
Räucherei 'Hasle Røgerierne', Hasle, Bornholm
Räucherei ‚Hasle Røgerierne‘, Hasle, Bornholm

Das Wetter war leider erneut nicht eitler Sonnenschein. Trotzdem hatte mir die Natur urig-gut gefallen, hier ein Strand:

Unterwegs auf Bornholm
Unterwegs auf Bornholm

und eine Straße mit viel grüner Urwald-Umgebung:

Unterwegs auf Bornholm
Unterwegs auf Bornholm

Ich erwartete eher eine flache Landschaft mit viel Äcker, und war überrascht über das viele Grün dort. Auch viele Tiere, wie diese Vögel:

Unterwegs auf Bornholm
Unterwegs auf Bornholm

und das Bambi auf der Straße machten die Fahrt zu einem Vergnügen:

Bambi auf Bornholm
Bambi auf Bornholm

Ok, begeistert wirkte die Kuh nicht gerade wegen den vielen Mücken, aber in den Wahnsinn getrieben dadurch sah sie auch nicht aus:

Kuh mit Mücken auf Bornholm
Kuh mit Mücken auf Bornholm

Ein unerwarteter Höhepunkt war der Steinbruch Hammerbruddet. Hier hatte unsere Fahrerin ein gutes Gespür gehabt dort hinzufahren. Die bizarren Felsen wirkten skurril, und waren absolut sehenswert. Wir waren die einzigen Besucher, der Ort ist eher ein Geheimtipp als eine Hot-Spot der Touristen:

Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm
Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm
Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm
Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm
Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm
Steinbruch Hammerbruddet auf Bornholm

Nach einem kurzen Aufenthalt in Sandvig, ein Ort ganz im Norden, und fast an der Spitze der Insel gelegen:

Sandvig auf Bornholm
Sandvig auf Bornholm

fuhren wir Richtung Osten nach Gudhjem, der heimlichem Hauptstadt von Bornholm. In dem alten Fischerort waren wir nicht die einzigen Gäste, aufgrund seiner idyllischen Lage ist die Kleinstadt heute ein beliebtes Touristenziel:

Gudhjem auf Bornholm
Gudhjem auf Bornholm
Gudhjem auf Bornholm
Gudhjem auf Bornholm

War ganz nett, aber die Windmühle Gudhjem Mølle:

Gudhjem Mølle, eine Windmühle auf Bornholm
Gudhjem Mølle, eine Windmühle auf Bornholm

und die Rundkirche von Østerlars hatten mir besser gefallen:

Østerlars Rundkirche, Bornholm
Østerlars Rundkirche, Bornholm

‚DIE‘ Attraktion von Bornholm ist sicherlich die Burgruine ‚Hammershus‘. Sie liegt auf einem steil aufragenden Felsen an der Nordspitze von Bornholm, und war eine schwer einnehmbare Festung. Leider hatte ich mit Rücksicht auf meine Mitreisenden keine Zeit sie mir ausgiebig anzuschauen. Ich konnte nur einen groben Blick von außen darauf werfen:

Hammershus, Bornholm
Hammershus, Bornholm
Hammershus, Bornholm
Hammershus, Bornholm

Wir fuhren noch etwas herum, hielten an idyllischen Buchten:

Unterwegs auf Bornholm
Unterwegs auf Bornholm

und kleinere Ortschaften wie Svaneke,’die schönste Kleinstadt von Dänemark‘:

Svaneke auf Bornholm
Svaneke auf Bornholm

bevor wir wieder Rønne erreichten:

Der Leuchtturm von Rønne, Bornholm
Der Leuchtturm von Rønne, Bornholm

Die Rundfahrt war gelungen, wenn ich mir auch mehr Sandstrände auf Bornholm vorgestellt hatte. Ich verabschiedete ich mich von unserer Fahrerin und meiner Begleitung, da noch jede Menge Zeit für eine Visite von Rønne blieb.

Seit einigen Jahren ist nichts ‚hipper‘ auf der Insel, als einen Aufkleber mit dem Spruch ‚Ich bin ein Bornholmer‘ irgendwohin anzubringen. Wer den Begriff ‚Gutemensch‘ bis dahin auf der Insel nicht kannte, kennt ihn jetzt:

Ich bin ein Bornholmer
Ich bin ein Bornholmer

Der Abschied von Bornholm endete leider mit Schmerzen und einen Hospital-Besuch. Ich wollte Bier von der Insel probieren, und das war gar nicht so einfach. Die zuerst von mir besuchten Lokale hatten nur die üblichen importierten Biere, die ich weltweit trinken kann. Zum Glück hatte ich den Hinweis bekommen, es bei ‚Brazz – Spise und Levested‘ zu versuchen:

Brazz - Spise und Levested, Rønne, Bornholm
Brazz – Spise und Levested, Rønne, Bornholm

Der Tipp war gut, genau wie das Bier der Brauerei ‚Svaneke Bryghus‘, von dem ich paar Sorten probierte. Alles gut, wäre nicht eine doofe Wespe in meinem Jackenärmel gewesen. Sie hatte sich erschrocken, als ich hineinfasste, und mich gestochen. Schnell hatte sich der betroffene Handballen angeschwollen. Zurück an Bord der Astor lief ich in die Klinik. Der Arzt konnte mir erst nach einer Stunde Gewissheit geben, dass die Schwellung sich nicht vergrößert hatte, und ich keine Probleme bekommen sollte. Angenehm war es trotzdem nicht…

‚Danzig ohne Wasser‘ (Danzig, Polen)

14. August 2018

Mein Erstbesuch in Danzig stand an. In anderen polnischen Städten war ich bereits, und alle hatten mir sehr gut gefallen. Meine beiden Reisekameraden blieben an Bord, die Hektik einer Großstadt war nichts für sie. Ich buchte lediglich den Transfer von der Stadt Gdingen nach Danzig, der immerhin knapp eine Stunde dauerte. Ein paar Euro hätte ich gespart, wenn ich öffentliche Verkehrsmittel benutzt hätte, hatte dazu aber null Lust.

Unerwartet wurde die Fahrt zum Höhepunkt des Tages, da die einheimische und deutschsprechende Busbegleitung die Passagiere unterhaltsam auf die Stadt vorbereitete. Sie erzählte sehr amüsant und kurzweilig viele interessante Geschichten, die viel vom Alkohol handelten. Im Ausflugsprogramm war erwähnt ‚ohne Reiseleitung‘, dieser Ersatz dafür war viel spaßiger.

Start- und Endpunkt der Tour auf eigener Faust in Danzig war der ‚Neptunbrunnen‘ (polnisch Fontanna Neptuna), der 1633 vor dem Artushof aufgestellt wurde:

Der Neptunbrunnen in Danzig
Der Neptunbrunnen in Danzig
Der Neptunbrunnen in Danzig
Der Neptunbrunnen in Danzig

Das Wetter spielte leider nicht ganz mit. Bei dem trüben Wetter sahen selbst die hübschen Häuser der Altstadt trist aus:

Häuser in der Altstadt von Danzig
Häuser in der Altstadt von Danzig

Wegen dem Wetter: ‚Grau in Grau schmückt den Bau‘. Hier die Baltische Philharmonie. Wer die Farben findet, darf sie behalten:

Die Baltische Philharmonie von Danzig
Die Baltische Philharmonie von Danzig

Wer die traurige Geschichte kennt, wundert sich, dass es überhaupt so ein Stadtbild gibt. Denn Ende März 1945 wurde Danzig von der Roten Armee im Zuge der Schlacht um Ostpommern eingeschlossen und erobert. Durch die Kampfhandlungen wurden große Teile der Innenstadt zerstört. Und nach dem Einmarsch wurden die noch erhaltenen Häuser von sowjetischen Soldaten geplündert und in Brand gesteckt. Viel blieb von den Bebauungen nicht übrig…

Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Schöne Gebäude säumen das Ufer der Mottlau. Na gut, vielleicht bis auf die zwei rechts hinter dem Turm:

Die Mottlau in Danzig
Die Mottlau in Danzig

Da es immer mehr regnete, besuchte ich die erste beste Kirche die in meiner Nähe war. Die Nikolaikirche ist das eines der ältesten Gotteshäuser in Danzig, und das als einziges keinen Schaden im 2. Weltkrieg oder beim Einmarsch der Roten Armee davontrug:

Die Nikolaikirche in Danzig
Die Nikolaikirche in Danzig

Allzu lang dauerte mein Aufenthalt dort nicht, auch weil es ausnahmsweise mal aufgehört hatte zu regnen. Die Reisebegleitung vom Bus hatte mich neugierig gemacht, als sie erwähnte, dass sie in der ‚ul. Ogarna‘ (auf Deutsch ‚Hundegasse‘) wohnt. Wo der Name herkommt ist ungewiss, sei es durch Bewachung der Speicherinsel gehaltenen Hunde, oder einer hier ansässigen Familie namens ‚Hund‘.

Interessiert hatte sie mich, da die Einwohner dort in ihren Fenstern kleine Hundemodelle stehen haben. Gesehen hatte ich nicht eines, obwohl ich die Gasse komplett auf beiden Seiten abgelaufen war. Das einzige tierische in den Fenstern war ausgerechnet in einer Hundegasse eine lebende Katze. Bemerkenswert, dass sie sich in die Höhle der Löwen wagte. Wahrscheinlicher ist es, dass sie gar nicht weiß wo sie sich befindet:

Ein mutiges Kätzchen in der Hundegasse, Danzig
Ein mutiges Kätzchen in der Hundegasse, Danzig

Bei Danzig denkt man oft an das legendäre Goldwasser. Dies ist ein Gewürzlikör, der ursprünglich von der Likörfabrik ‚Der Lachs‘ hergestellt wurde, und das bereits im 16. Jahrhundert. Für mich kam eine Probe nicht in Frage, Likör mit Blattgoldflocken brauche ich nicht. Dagegen hatte ich Freude beim Anblick diesen Spirituosen aus Früchten. Es sah für mich wie im Paradies aus, und ich hätte gerne gesündigt. Von mir aus auch mit Apfelschnaps:

Schnapsauswahl in Danzig
Schnapsauswahl in Danzig

Bei der Theorie sollte es nicht bleiben. Ich war mir bei dem Regen in etwas wie bei mir auf der Arbeit vorgekommen. Ich agierte planlos, tat nichts, und wartete auf das Mittagsessen. So konnte das nicht bleiben, auch weil ich Durst hatte. Ich wunderte mich, dass zwei schöne Lokale weder Euro noch Kreditkarten akzeptiert hatten. Und es waren keine Kaschemmen wie diese hier:

Kneipe in Danzig
Kneipe in Danzig

Bei der dritten Gastwirtschaft hatte ich Glück, in vielfacher Hinsicht. Das Restaurant und Brauerei ‚Piwnica Rajców Browar Restauracja‘ liegt am Treffpunkt der Rückfahrt zum Schiff, was zu einer optimalen Zeitplanung führte. Das rustikal eingerichtete Lokal bietet hervorragende selbst gebraute Biere wie ‚Polish Ale‘, ‚Amber Ale with pepper‘ und ‚Wheat‘ und weitere Saisonbiere an, von denen ich so viel probierte wie die Zeit es zugelassen hatte:

Zinni im 'Piwnica Rajców Browar Restauracja', Danzig
Zinni im ‚Piwnica Rajców Browar Restauracja‘, Danzig

Das war für mich das Beste, was an diesem Tag in Danzig zu machen war. Schade, um die Stadt richtig zu erleben war das schlechte Wetter dazu leider nicht geeignet. Nach der wiederum unterhaltsamen Rückfahrt waren wir wieder zurück in Gdynia, deutsch Gdingen, eine Hafenstadt in der Danziger Bucht, angekommen. Während des Zweiten Weltkriegs war die Stadt ein bedeutender Stützpunkt der deutschen Kriegsmarine, der durch britische und US-amerikanische Luftangriffe erheblich zerstört wurde.

Ich hatte noch jede Menge Zeit die Umgebung des Hafens anzuschauen. Das Sailing Monument repräsentiert die für das Land stolze Maritime Historie:

Sailing Monument, Gdingen
Sailing Monument, Gdingen

Unerwartet war jede Menge los. Wir waren an einem Tag vor einem Feiertag dort, und viele Einheimische nutzen den freien Nachmittag zu einem Ausflug an die Strände der Stadt. Am Aquarium waren lange Schlangen zum Einlass wie früher bei uns beim Winter-Schlussverkauf.

Dieser Junge spielte lieber erfolgreich ‚Vögel versenken‘:

Vögel versenken in Gdingen
Vögel versenken in Gdingen
Vögel versenken in Gdingen
Vögel versenken in Gdingen

Nein, Quatsch, er sah sich die Tiere nur an, und genoss die Ruhe. Ob da wirklich ein Vogel versunken war glaube ich eher nicht, was immer das auch war. Vielleicht wollte ein Vogel nur mal baden gehen. Das wäre allerdings unnötig gewesen, denn der Himmel wurde immer dunkler durch Regenwolken:

Der Himmel von Gdingen
Der Himmel von Gdingen

Erwartungsgemäß regnete es in Strömen kurz danach. Den Spruch ‚Die Kunst zu Leben besteht darin, zu lernen, im Regen zu tanzen, anstatt auf die Sonne zu warten‘ folgte keiner, zum Tanzen war es zu nass:

Regen in Gdingen
Regen in Gdingen

Und welche große Überraschung, niemand wollte mehr ‚draußen nur Kännchen‘ trinken:

Regen in Gdingen
Regen in Gdingen

Ich saß zum Glück wie viele andere im Innenbereich des Lokals, und probiere wiederum lokale Spezialitäten in flüssiger Form (Wodka und Bier).

Mir war es etwas zu viel ‚Konfetti des Himmels‘. Aber ich hatte so viel Glück bislang bei meinen Urlauben, so das Bekannte einen Urlaubstag bei Sonnenschein ein ‚Zinni-Wetter‘ nennen. Dann kann es auch mal regnen, versorgt und im trockenen war ich ja.

Am Abend gab es das Galadiner der Kreuzfahrt, und ein schöner Sonnenuntergang beendete trotzdem ein unterhaltsamer Tag:

Gute Nacht Polen
Gute Nacht Polen

‚Land ohne Berge‘ (Gotland, Schweden)

15. August 2018

Erst einen Tag vor der Ankunft auf Gotland hatte ich trotz wochenlanger Mühe das ok für ein Taxi mit deutschsprachigem Fahrer erhalten. Der Preis dafür war uns aber zu hoch. Wir folgten der Empfehlung des Touristenbüros, den Ausflug ‚Zentral-Gotland‘ zu buchen, bei dem nur wenig gelaufen wird. Leider hatte ich den Ablauf nicht durchgelesen, hätte ich lieber mal machen sollen…

Durch die lokalen alkoholischen Proben am Vortag war ich etwas zerknittert, die beste Voraussetzung für Entfaltungsmöglichkeiten. Aber als das Tagesprogramm im Ausflugsbus vorgestellt wurde, verstand ich (leicht inflationär) fast nur ‚Kirche‘. Mehr Natur wäre mir lieber gewesen. Obwohl der erste Blick auf die Insel nett war, und jede Menge Schwäne uns begrüßten:

Schwäne auf Gotland
Schwäne auf Gotland

Die mittelalterlichen Landkirchen auf der Insel sind Steinkirchen, entstanden während einer Periode von etwa 200 Jahren, und ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Die Kirche von Gammelgarn wurde aus Kalkstein errichtet:

Kirche von Gammelgarn, Gotland
Kirche von Gammelgarn, Gotland
Kirche von Gammelgarn, Gotland
Kirche von Gammelgarn, Gotland

Hat einen Altar aus der Mitte des 14. Jahrhunderts:

Kirche von Gammelgarn, Gotland
Kirche von Gammelgarn, Gotland

und ein friedvoller Park mit wunderschönen Bäumen:

Der Park der Kirche von Gammelgarn, Gotland
Der Park der Kirche von Gammelgarn, Gotland

Wir hielten uns nicht an das Motto ‚Eine Landkirche gesehen – alle gesehen‘, und sahen uns noch die Kirche von Väte an:

Kirche von Väte, Gotland
Kirche von Väte, Gotland

Ich hatte bei der Bundeswehr gelernt, dass die Entscheidungen der Vorgesetzten man befolgen soll, aber nicht verstehen muss. So ähnlich ging es mir bei dem nächsten Stopp in Gnisvärd. Ausgeschrieben war der Ort als ‚idyllischer Fischerort‘, die Realität waren unbewohnte Ferienhäuser, und für uns das Lowlight der Reise. Die Wikinger wären freiwillig sofort wieder gegangen und hätten nicht das Land besetzt, wenn sie an diesen Ort angelegt hätten.

Den Strand fand ich robust:

Der Strand von Gnisvärd, Gotland
Der Strand von Gnisvärd, Gotland

und die Ferienhäuser langweilig:

Der 'idyllischer Fischerort' Gnisvärd, Gotland
Der ‚idyllischer Fischerort‘ Gnisvärd, Gotland
Der 'idyllischer Fischerort' Gnisvärd, Gotland
Der ‚idyllischer Fischerort‘ Gnisvärd, Gotland

Ist ja schön und gut, wenn die Lokation aufgrund seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung als ‚Reichsinteresse‘ angesehen wird, geschwärmt davon hatte wissentlich niemand im Bus. Einheimische Fischer hatten wir keine gesehen. ‚Der‘ Treffpunkt vor Ort war die einzige öffentliche Toilette. Es gab lange Schlangen, bis der letzte Fahrgast von unserem Bus dran war, und es verging eine Ewigkeit bis wir weiterfahren konnten.

Ein gelungenes sakrales Finale des Ausfluges war danach das beeindruckende und ungewöhnliche ‚Tjelvars Grab‘. Eine bootumrissförmige Steinsetzung, die das Schiff symbolisiert, das die Toten in das Totenreich bringen soll:

Tjelvars Grab, Schiffssetzung, Gotland
Tjelvars Grab, Schiffssetzung, Gotland

Das war mal was Neues & Unbekanntes für mich. Gruselig ging es weiter: Der ‚Galgberget‘ hat seinen Namen von dem noch vorhandenen Galgen, an dem in früheren Zeiten (geschätzt bis 1845) Verbrecher hingerichtet wurden:

Der 'Galgberget' auf Gotland
Der ‚Galgberget‘ auf Gotland

Damit war der Ausflug beendet, na ja der Knaller war er nicht für uns. Dazu die Fake-News, dass ein Kloster besucht werden sollte, was unterblieb, warum auch immer. Wir hatten noch kurz vor der Ankunft auf der Insel mit einem Taxi gerechnet, und waren dementsprechend unvorbereitet. Aber die anderen angebotenen Exkursionen hätten uns auch nicht gelegen, Pech gehabt.

Wir waren den ganzen Tag auf Gotland, ich hatte noch viel Zeit mir auf eigene Faust Visby, die ‚Stadt der Rosen‘ anzuschauen. Die mittelalterliche Stadtbefestigung ist eines der Wahrzeichen der früheren Hansestadt. Sie wurde ab Mitte des 13. Jahrhunderts zum Schutz der mittelalterlichen Handelsstadt erbaut, ist dreieinhalb Kilometer lang, und gehört zu der besten erhaltenen Stadtmauer in Europa:

Die Stadtbefestigung von Visby, Gotland
Die Stadtbefestigung von Visby, Gotland

Im Mittelalter hatte die Stadt mehr Kirchen als irgendeine Stadt in Schweden. Dreizehn der vierzehn Gotteshäusern sind verschwunden, oder heute Ruinen, die das Stadtbild prägen:

Kirchenruine in Visby, Gotland
Kirchenruine in Visby, Gotland
Kirchenruine in Visby, Gotland
Kirchenruine in Visby, Gotland
Kirchenruine in Visby, Gotland
Kirchenruine in Visby, Gotland

Nur noch die Domkirche zu Visby ist intakt, die auch unter dem ursprünglichen Namen Sankt-Maria-Kirche bekannt ist:

Der Dom von Visby, Gotland
Der Dom von Visby, Gotland

Die Altstadt von Visby hatte mir gefallen. Sie war nett, mit schönen Häusern, aber auch überlaufen:

In der Altstadt von Visby, Gotland
In der Altstadt von Visby, Gotland

Es ist müßig, im Nachhinein darüber nachzudenken, ob ein Aufenthalt dort sinnvoller als der Ausflug gewesen wäre. Hätte, hätte, Fahrradkette. Ich lief zurück zur MS Astor. Der direkte Weg wurde Fußgängern untersagt, warum auch immer. Mit Umwegen, und über diese Brücke erreichte ich unser Kreuzfahrtschiff:

Zurück zur MS Astor auf Gotland
Zurück zur MS Astor auf Gotland

Der Knaller war Gotland nicht. Ob es an dem Programm des Ausfluges lag, oder generell es nichts anzusehen gibt, kann ich bei der Kürze der Zeit nicht beurteilen. Schade, der Aufenthalt dort wird nicht lange bei uns im Gedächtnis bleiben. Wenigstens war der Sonnenuntergang sehenswert:

Bye bye Gotland
Bye bye Gotland

‚Felsen ohne Kreide‘ (Rügen, Deutschland)

16. August 2018

In Rügen wurden wir pünktlich von unserem bestellten Großraum-Taxi abgeholt, um die Insel in mehr als sechs Stunden zu erkunden.

Da wir auf Sassnitz angelegt hatte, lag es nahe, uns zuerst die Altstadt anzuschauen. Sie besticht durch sehr gut erhaltene Bäderarchitektur. Ein Baustil aus dem späten 19. Jahrhundert, dessen meist weiße Bauwerke zwei- bis viergeschossig sind. Einfach nur schön anzuschauen:

Villa Hertha, Sassnitz, Rügen
Villa Hertha, Sassnitz, Rügen

Naiv wie ich war, dachte ich, dass wir danach die Kreidefelsen mit dem Taxt ohne eine Wanderung erreichen können, um sie bewundern zu können. So war es leider nicht. Vom Nationalpark-Zentrum Königsstuhl geht ein Wanderweg steil zur Victoria-Sicht. Dort gab es für mich einen atemberaubenden Blick in die Tiefe und zum gegenüber liegenden Königsstuhl. Das kleine Plateau ist dementsprechend beliebt. Alleine war ich nicht dort, und richtig genießen konnte ich den Anblick bei den Menschenmassen leider nicht:

Kreidefelsen auf Rügen
Kreidefelsen auf Rügen

Da ich mich nicht entscheiden konnte (ich hatte nächtelang kein Schlaf gefunden deswegen), hier eine Sicht direkt von oben:

Kreidefelsen auf Rügen
Kreidefelsen auf Rügen

und von der Seite auf den gleichen Kreidefelsen:

Kreidefelsen auf Rügen
Kreidefelsen auf Rügen

Einer der Sehenswürdigkeiten der Insel sind natürlich die Alleen, welche wie lange grüne Tunnel viele Ortschaften und Städte der Insel verbinden:

Eine Allee auf Rügen
Eine Allee auf Rügen
Eine Allee auf Rügen
Eine Allee auf Rügen

Mindestens eine Kirche war bei allen Ausflügen auf dieser Kreuzfahrt bei uns im Programm. So auch hier die in Altenkirchen, eines der ältesten Kirchengebäude auf der Insel:

Die Kirche in Altenkirchen, Rügen
Die Kirche in Altenkirchen, Rügen

Das Kap Arkona war unser nächstes Ziel. Es liegt 45 Meter über der Ostsee auf der nordöstlichen Spitze der Landzunge. Im Auftrag der preußischen Regierung errichtete man 1826/27 den von Karl Friedrich Schinkel geplanten eckigen Leuchtturm:

Der Leuchtturm von Kap Arkona, Rügen
Der Leuchtturm von Kap Arkona, Rügen

War nett dort, auch der Blick auf den Strand:

Der Strand von Kap Arkona, Rügen
Der Strand von Kap Arkona, Rügen

Interessant waren die Großsteingräber bei Lancken-Granitz. Bei den Anlagen handelt es sich um Großdolmen. Wer wie ich mit dem Begriff nichts anfangen kann, bitte ich im Internet danach zu suchen:

Großsteingräber bei Lancken-Granitz, Rügen
Großsteingräber bei Lancken-Granitz, Rügen

Skurril wurde es beim nächsten Halt. Nicht schön, gehört aber zur Geschichte der Insel. Der Koloss von Rügen, das ‚Seebad‘ Prora. Die Anlage wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film gefallen: Fast fünf Kilometer lang zieht sich der gigantische Komplex entlang der Küste von Rügen hin. Der Krieg verhinderte, dass die riesige Anlage in Betrieb gehen konnte.

Die Volkspolizei und später die Nationale Volksarmee der DDR nutzten die Gebäude ab 1950 als Kaserne. Heute wird kräftig gebaut. Wohnungen und Hotels sind teilweise schon im Betrieb, und endlich wird Prora als das genutzt, für was es geplant wurde. Bei den von uns besuchten Komplexen dauert es noch etwas. Ich kann versichern, dass ich dort nie in meinem Leben übernachte, trotzdem alle Zimmer einen Ausblick auf das Meer haben:

'Seebad' Prora, Rügen
‚Seebad‘ Prora, Rügen
'Seebad' Prora, Rügen
‚Seebad‘ Prora, Rügen

Mehr als Zufall sah ich einer der Attraktionen der Insel, der ‚Rasender Roland‘, eine dampflokbetriebene Schmalspureisenbahn. Und alles andere mit seinen gemütlichen 30 km/h als rasend:

Der Rasender Roland auf Rügen
Der Rasender Roland auf Rügen

Mein Wunsch, einen schönen Strand zu sehen, wurde in Binz zu 50 Prozent erfüllt. Strand = Ja, Schön = Nein. Keine elf Pferde würden mich dort hinbringen, um dort meinen Urlaub zu verbringen:

Der Strand von Binz, Rügen
Der Strand von Binz, Rügen
Der Strand von Binz, Rügen
Der Strand von Binz, Rügen

Sellin war nicht viel besser:

Der Strand von Sellin, Rügen
Der Strand von Sellin, Rügen
Der Strand von Sellin, Rügen
Der Strand von Sellin, Rügen

bis auf die wunderschöne Seebrücke:

Die Seebrücke von Sellin, Rügen
Die Seebrücke von Sellin, Rügen

Sie ist nachgebaut, da die Bausubstanz des alten Gebäudes vernachlässigt wurde. Die offizielle Eröffnung des neuen Brückenhauses fand in 1998 statt.

Unser letzter Halt des schönen Ausfluges war in der ‚weißen Stadt‘ Putbus mit seiner außergewöhnlichen Architektur. Es gab Fassaden von weißen und klassizistischen Bauten zu bestaunen:

Putbus, Rügen
Putbus, Rügen

und der Prachtplatz Circus, der letzte einheitlich ausgeführte Rondellplatz in Deutschland:

Prachtplatz Circus, Putbus, Rügen
Prachtplatz Circus, Putbus, Rügen

Die Tour war klasse, auch wegen unserem Fahrer / Reiseleiter Sven Vogel. Er führte uns mit vielen spontane Stopps zu den schönsten Winkeln der Insel. Wir wurden mit allen wissenswerten Informationen zu den angefahrenen Sehenswürdigkeiten versorgt, und unser vielen neugierige Fragen waren keine Ausgabe für ihn.

Ich kann die Tour nur empfehlen. Bei Interesse gibt es hier mehr Informationen:

info@ruegenlive.de
info@ruegenlive.de

Nach der Verabschiedung von ihm wurde uns bewusst, dass die Reise leider bereits wieder fast vorbei war.

Nachdem uns der Himmel eine schönes ‚Auf Wiedersehen‘ sagte:

Gute Nacht Rügen
Gute Nacht Rügen

stand nur noch die Rückreise bevor.

Wir mussten früher als erwartet das Schiff verlassen, und hatten jede Menge Wartezeit am Bahnhof Kiel. Der Imbiss ‚Ringlstetter Wurstbraterei‘ mit klassischer Currywurst, Schinkenwurst, Krakauer & Co ist sehr zu empfehlen. Ein toller Wirt, gutes Bier, leckere Würste, hier passt alles, und dadurch ging die Wartezeit relativ schnell vorbei.

Im Gegensatz zur Rückfahrt mit der Bahn. Während hinzu kein Essen beladen war, gab es zurück keine kalten Getränke bei dreißig Grad im Schatten… Die Kühlanlage war defekt. Der Rotwein als Alternative war ok, ein kühles Bier wäre mir aber lieber gewesen.

Bei jedem Halt verspätete sich die Fahrt etwas länger, keine Ahnung warum. Die Rückfahrt nervte wie die Hinfahrt, ich glaube kaum, dass ich noch einmal ab Kiel eine Kreuzfahrt beginne. Was waren das für schöne Zeiten als es noch einen Flug ab Frankfurt nach dort gab. Wir hatten wir eine Stunde Verspätung, und waren damit zehn Stunden unterwegs.

Die Kreuzfahrt selbst war klasse. Ich hatte in kurzer Zeit viele neue Destinationen gesehen. Nach Rügen und Bornholm würde ich gerne noch einmal wiederkommen, und länger bleiben. Danzig war ok, die drei Stunden vor Ort reichten mir aber. Ob es auf Gotland überall so langweilig wie bei dem Ausflug war, kann ich schwer beurteilen. Das gesehene muss ich nicht wiederholen. In Kopenhagen bin ich in ein paar Tagen wieder, auf Grund einer erneuten Grönland-Reise… Die MS Astor würde ich immer wieder buchen, wenn die Destinationen passen.

War trotz allem eine schöne Reise!

Ich hoffe, dass der Bericht und die Bilder gefallen haben, liebe Grüße Gerald

Galerien über die Ziele:

Galerie Astor

Galerie Kopenhagen

Galerie Polen

Galerie Rügen

Galerie Schweden, der Süden

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